Am Werk: Goldschmiede-Meisterin Ingrid Holtmann an ihrem Arbeitsplatz. Der Ring, der vor ihr liegt, wird gesiedet. So tritt das Silber an die Oberfläche. - © Wolfgang Rudolf
Am Werk: Goldschmiede-Meisterin Ingrid Holtmann an ihrem Arbeitsplatz. Der Ring, der vor ihr liegt, wird gesiedet. So tritt das Silber an die Oberfläche. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Goldschmiede-Meisterin stiftet Ring für Preisträgerin des Frauenpreises

Ingrid Holtmann ist seit 1985 selbstständig

Ariane Mönikes

Bielefeld. 2014 wurde der erste Bielefelder Frauenpreis verliehen. Damals hat Goldschmiede-Meisterin Ingrid Holtmann den Bielefeld-Ring gestiftet, den Preisträgerin Angelika Vogel (Vorsitzende der AIDS-Hilfe) bekam. Auch in diesem Jahr, wenn der Bund der Frauenvereine und die Neue Westfälische den Preis zum zweiten Mal ausloben, kommt der Ring von Holtmann. Am Samstag, 5. März, wird er übergeben. Wer die Preisträgerin ist, weiß Holtmann nicht. "Ich werde es auch erst an diesem Tag erfahren." Die 59-Jährige ist seit 1985 in Bielefeld selbstständig, seit 2003 hat sie ihre Goldschmiede am Siekerwall. Dass Fußgänger ihr durch die großen Fensterscheiben bei der Arbeit zusehen können, stört Holtmann nicht. Ganz im Gegenteil. Holtmann geht in ihrem Beruf auf, erklärt auch Schülern gerne, was sie wie macht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und einer Mitarbeiterin arbeitet sie in der Werkstatt. Wie lange sie an einem Schmuckstück sitzt, ist ganz unterschiedlich. "Es gibt Teile, die sind in einer Stunde fertig", sagt sie. Kleine Ohrstecker in etwa. An aufwendigen Colliers aber arbeitet Holtmann schon mal zwei Tage. Zuvor entwickelt sie eine Idee, entwirft den Schmuck auf Papier. "In der Werkstatt liegen überall Zettel rum", sagt sie. Denn die Ideen kommen meistens spontan. Holtmann hat hauptsächlich Stammkunden. Sie legen Wert auf individuellen Schmuck, wollen ihre Handschrift und ihren Stil, erklärt Holtmann. Das Handwerk sowie Spuren der Verarbeitung würde man in ihren Schmuckstücken sehen. Der Wiedererkennungswert sei groß. Die Unikate sind geradlinig und unverschnörkelt; sind sie mit Perle oder Stein versehen, wird der Blick darauf gelenkt. Seit fünf Jahren verkauft Holtmann den Bielefeld-Ring: Sechs Motive zieren ihn, die Sparrenburg, die Rudolf-Oetker-Halle, das Stadttheater, die Kunsthalle, das Leineweber-Denkmal und die Altstädter Nicolaikirche. Der Ring soll ein Zeichen der Verbundenheit zu Bielefeld sein, erklärt Holtmann. Eltern schenken ihn ihren Kindern, die weggezogen sind, heimatverbundene Bielefelder kaufen ihn für sich. Für die Preisträgerin des zweiten Bielefelder Frauenpreises gibt es einen eigens angefertigten Bielefeld-Ring aus zwei Edelmetallen. Der Ring aus Sterling-Silber (925er Silber) mit den sechs Bielefelder Wahrzeichen ist fest mit einem Ring aus 750er Gelbgold verbunden, der goldene Boden sozusagen. Dort hat Holtmann auch mit Punzen den Satz "Frauen engagieren sich" sowie die Jahreszahl 2016 eingeschlagen. In den Silberring wird der Name der Preisträgerin eingraviert. Nach der Verleihung wird er ihr angepasst. Zu kaufen gibt es den Ring mit goldenem Boden nicht. "Er ist eigens für die Preisträgerin", sagt Holtmann. Sie habe ihn sich verdient.

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