Nächster Halt Buschbachtal: Marcus Lufen (4. von rechts) und Markus Dreier (5. von rechts) von MoBiel erklären den Lesern der Neuen Westfälischen die Streckenführung. MoBiel setzt darauf, dass die Stadt die Felder rund um den Haltepunkt als Baugebiet ausweist. - © andreas frücht
Nächster Halt Buschbachtal: Marcus Lufen (4. von rechts) und Markus Dreier (5. von rechts) von MoBiel erklären den Lesern der Neuen Westfälischen die Streckenführung. MoBiel setzt darauf, dass die Stadt die Felder rund um den Haltepunkt als Baugebiet ausweist. | © andreas frücht

Bielefeld Die Neue Westfälische hat zur Fahrt mit der neuen Linie 2 eingeladen

Leser-Aktion: Die Neue Westfälische und MoBiel haben zur Fahrt mit der Linie 2 bis zur neuen Endhaltestelle eingeladen. Am Nikolaus-Sonntag wird die Strecke offiziell eröffnet

Ariane Mönikes

Bielefeld. 50 Jahre schon wohnt Christa Kerker (78) an der Mecklenburger Straße in Altenhagen. Jetzt, wo sie nicht mehr ganz so gut zu Fuß ist, fährt die Stadtbahn fast bis vor ihre Haustür. "Damit habe ich im Leben nicht gerechnet", sagt Kerker. Die Rentnerin gehört zu 30 Lesern der Neuen Westfälischen, die schon vor der offiziellen Eröffnung der Linie 2 am Sonntag bis Altenhagen fahren durften. Gemeinsam mit den Verkehrsbetrieben MoBiel hatte die NW zu der Sonderfahrt eingeladen. An der Haltestelle Buschbachtal stoppt der Vamos-Sonderzug. Sven Zimmermann wischt über das Haltestellenschild "Buschbachtal", das schon vor Wochen montiert wurde. Alles soll glänzen, wenn am Nikolaustag, 6. Dezember, die 1,2 Kilometer lange Neubaustrecke in Betrieb geht. Klaus Güse (74) steigt aus dem Wagen, blickt in Richtung Moenkampsiedlung. 45 Jahre lang hat er an der Endhaltestelle gelebt, bis er nach Brake umzog. "Was hätten wir uns als Kinder über einen Stadtbahn-Anschluss gefreut", sagt er. Damals fuhr er mit dem Rad in die Stadt, spielte in dem Wäldchen entlang der Trasse. Sein Nachbar Rainer Wiese hatte die Sonderfahrt bei der NW gewonnen und Güse als Begleitperson mitgenommen. "Eine Fahrt in meine alte Heimat", sagt Güse. 14 Monate war gebaut worden, 15 Millionen Euro kostet die Verlängerung. 90 Prozent der Kosten übernimmt das Land NRW. In 18 Minuten verbindet die Linie 2 Altenhagen mit dem Jahnplatz. Die neue Haltestelle Buschbachtal liegt mitten in Äckern. "Hier könnte mal Wohnbebauung hin kommen", sagt Verkehrsplaner Markus Dreier, seit 15 Jahren bei MoBiel. Die Stadt hat die Felder allerdings noch nicht als Baugebiet ausgewiesen. Noch fällt der Blick der NW-Leser auf die Felder. Die Verantwortlichen rechnen mit 1.300 Fahrgästen pro Tag, die das Verkehrsunternehmen gewinnen würde. In einem Einzugsradius von 400 Metern würden die beiden neuen Haltestellen Altenhagen und Buschbachtal 3.000 Menschen erreichen, bei 800 Metern Radius sogar 4.000. Damit?s für die Anwohner nicht zu laut wird, verlaufen die Schienen auf einer Länge von 360 Metern durch eine Grasfläche. Eingesät ist der Rasen schon, jetzt muss er nur noch ordentlich wachsen. Endstation Altenhagen, Thomas Borchart (51) und Ehefrau Susanne (50) schauen aus dem Fenster. Sie wollten "unbedingt" bei der Sonderfahrt dabei sein, um dem Schwiegersohn etwas voraus zu haben, erzählt Thomas Borchart. Der nämlich ist Stadtbahnfahrer bei MoBiel und wird am Sonntag die erste Bahn nach der Eröffnung fahren. "Jetzt sind wir die ersten." Beweisfotos werden gemacht. Es geht zurück. Neben der Strecke legen Landschaftsbauer Teile des Buschbaches frei, der bislang verrohrt war. Aber auch die Arbeiten werden bald abgeschlossen sein, erklärt Projektleiterin Kristina Busch. Die Schranken am neuen Bahnübergangs schließen sich. Am Knotenpunkt Milser Straße/Elverdisser Straße war ein Kreisverkehr mit einem davon abgerückten Bahnübergang gebaut worden - die Milser Straße musste dazu verschwenkt worden. Die Autofahrer warten, bis der Sonderzug vorbei ist. "Tolle Strecke", sagt Carsten Pankoke, der mit seiner Mutter Margret im Vamos sitzt. Die hatte die Sonderfahrt gewonnen und ihrem Sohn zum 30. Geburtstag geschenkt. Der fiel ausgerechnet auf den Tag der Sonderfahrt. "Ich bin gerne mit der Stadtbahn unterwegs, eine Fahrt vor der Streckeneröffnung ist natürlich was ganz Besonderes." Der Sonderzug überquert die Lutter. Die 120 Meter lange Brücke ist 18 Meter tief in den Boden gegründet. Noch eine Kurve, dann hält der Vamos an der jetzigen Endhaltestelle in Milse. Die ist auch weiter Verknüpfungspunkt für Umsteiger ins Busnetz, auch die 200 Park & Ride-Plätze bleiben. Ab Sonntag aber gibt?s dann von dort aus freie Fahrt übers Feld bis Altenhagen.

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