600 Ermittlungsbeamte waren gegen Schwarzarbeit im Einsatz (Symbolbild). - © dpa
600 Ermittlungsbeamte waren gegen Schwarzarbeit im Einsatz (Symbolbild). | © dpa

Bielefeld Schwarzarbeit: 600 Beamte durchsuchen Wohnungen und Geschäfte

Offenbar Netzwerk von Scheinfirmen enttarnt

Dirk-Ulrich Brüggemann

Bielefeld. Gegen eine mutmaßliche Schwarzarbeiterbande ermittelt der Zoll in Bielefeld. Wie das dortige Hauptzollamt am Dienstag mitteilte, hatten Hunderte Beamte bereits am 21. und 22. April mehr als 100 Wohnungen und Geschäftsräume in ganz Deutschland durchsucht. Schwerpunkte der Aktion seien in Ostwestfalen, Mittelhessen und Bremen gewesen. Insgesamt leitete die Staatsanwaltschaft Bielefeld gegen 60 Personen Ermittlungsverfahren ein, darunter auch mutmaßliche Drahtzieher und Auftragnehmer. Zudem fanden die Ermittler zahlreiche Beweise, Drogen und illegale Waffen. Ein Mann aus Hessen sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen dauerten an. Die Tätergruppe soll im Zusammenhang mit Bauprojekten im gesamten Bundesgebiet Ausländer eingeschleust haben sowie Sozialversicherungsbeiträge in Millionenhöhe nicht abgeführt haben. Bauaufträge in ganz Deutschland wurden mit Schwarzarbeitern und illegalem Personal ausgeführt.Komplexes Netzwerk zahlreicher Scheinfirmen Durch fingierte Zahlungen an zahlreiche Scheinfirmen versuchten die „weniger als fünf“ Haupttäter aus dem Kreis Lippe die Schwarzarbeit gegenüber den Behörden zu verschleiern. Mit sogenannten Abdeckrechnungen wurde ein tatsächlich entstandener Aufwand für Schwarzlohn als Betriebsausgabe in Ansatz gebracht. Mit den Abdeckrechnungen wurde in der Buchführung der Unternehmen das Missverhältnis zwischen Umsatz und Lohnausgaben vertuscht und der Gewinn buchmäßig vermindert. Die Zöllner und Spezialisten für IT-Kriminaltechnik des Zolls deckten bei ihren Ermittlungen ein komplexes Netzwerk von zahlreichen Scheinfirmen auf, die als sogenannte Serviceunternehmen gegen Provision Scheinrechnungen für Bauunternehmen erstellten. Mit diesen Rechnungen wurde Schwarzgeld generiert, mit dem wiederum die Löhne der Schwarzarbeiter bezahlt wurden. Bei den Durchsuchungen der mehr als 100 Wohnungen fanden die Beamten neben umfangreichen Beweismitteln auch Drogen und illegale Waffen. Laut Oberstaatsanwalt Klaus Pollmann aus Bielefeld handelt es sich bei den Drogen und Waffen „um Zufallsfunde, die mit dem eigentlichen Verfahren nichts zu tun haben“.

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