Solo-Schauspieler mit seinem "Mitspieler" und einem Kleid von Ludwig Meyer. - © FOTO: LISA WESTERHOFF
Solo-Schauspieler mit seinem "Mitspieler" und einem Kleid von Ludwig Meyer. | © FOTO: LISA WESTERHOFF

Brake Doku-Drama über einen ewig Verfolgten

Solo über jüdischen Homosexuellen aus Bielefeld

Brake (lisa). "Wenn ich die Geschichte nicht erzähle, dann tut es vielleicht keiner", teilte Michael Grunert seinem Publikum mit. Im Jahr 2000 las er in der Zeitung die Überschrift "Ludwig Meyer – homosexuell und Jude". Der Artikel habe ihn seitdem nicht mehr losgelassen: "Er hat mich beschäftigt, in mir gearbeitet und schließlich habe ich beschlossen, das Doku-Drama ‚Schlachter-Tango‘ aufzuführen." Das Theaterstück wurde jetzt im evangelischen Gemeindehaus von Brake aufgeführt, veranstaltet von "brake.kulturell".

Das Stück erzählt die Geschichte von Ludwig Meyer, der 1903 als Sohn eines jüdischen Schlachtereibesitzers in Bielefeld geboren wurde, eine Lehre als Kaufmann machte und in verschiedenen Städten in Deutschland arbeitete, bis er wegen Homosexualität von der Gestapo verhaftete wurde. Im Sommer 1938 verschwand er als Jude für sechseinhalb Jahre in drei verschiedene Konzentrationslager. Er überlebte. Im Mai 1945 wurde er befreit und kehrte nach Bielefeld zurück. Er kämpfte von nun an für Wiedergutmachung und seine Anerkennung als Verfolgter. 1953 eröffnete er eine Schwulenbar in Hannover, das Wielandseck. In den 1960er Jahren zog er nach Hamburg und wurde dort Mitte der 1970er erschlagen in seiner Wohnung aufgefunden.

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Grunert hat lange recherchiert und jedes Dokument, in dem der Name Ludwig Meyer vorkam, untersucht. In seinem Schauspiel arbeitet er mit Original-Dokumenten. "Hier in Bielefeld gab es überdurchschnittlich viele Vorfälle, in denen Homosexuelle verhört, ohne Recht auf einen Anwalt inhaftiert und gefoltert wurden. Meyer wurde in der Zeit dreimal verhaftet und elfmal fand ich seinen Namen in Verhören", berichtete Grunert.

Seit Dezember 2010 führt er nun das teils verstörende Drama auf. In seiner spannenden Ein-Mann-Inszenierung wechselte er seine Rollen laufend und spielte sie alle überzeugend. "Interessant finde ich vor allem die dunklen Seiten des Charakters", sagte Gerhard Wäschebach, Vorsitzender von "brake.kulturell".

Nun ist Michael Grunert nach Kanada geflogen. Dort hat ein Schauspieler sein Stück kopiert, um es zum ersten Mal englischsprachig aufzuführen. Grunert führt 14 Tage lang die End-Regie.

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