Jöllenbeck Sorgenkind Jöllenbecker Freibad

Bilanz: Die niedrige Besucherzahl von 15.000 Badegästen bereitet den Verantwortlichen der Bädergesellschaft großen Kummer. 12 bis 13 Euro mussten pro Badegast im vergangenen Sommer zugelegt werden

Jessica Matyschok

Jöllenbeck. Die kahlen Bäume ermöglichen die Sicht auf das Jöllenbecker Freibad im Winterschlaf. Das Wasser im Schwimmbecken strahlt nicht mehr in Aquamarin, sondern trübt vor sich hin in Grün. Braune Blätter liegen auf der "Schlangenrutsche". Doch auch wenn das Freibad im April wieder aufmacht, bereitet es den Verantwortlichen Kummer: "Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass uns das Freibad keine Sorgen macht", sagt Hans-Werner Bruns, Geschäftsführer der Bielefelder Bädergesellschaft (BBF). Mit 15.000 Gästen sei die Besucherzahl in der vergangenen Saison sehr niedrig gewesen. Bruns: "Pro Badbesucher mussten deswegen 12 bis 13 Euro zugelegt werden." Anfang der 80er Jahre sei das Bad "das drittbeste" in Bielefeld gewesen. Das Freibad wurde im August 1955 nach einjähriger Bauzeit eröffnet. "Meine Einschätzung ist, dass das Bad gepflegt ist, aber das Alter nicht geleugnet werden kann", sagt Bruns. 2005 wurden die sanitären Einrichtungen und Duschen erneuert. Vor zehn Jahren wurde das Sonnensegel ersetzt; es folgte eine neue Sonnenterrasse. Notwendige Reparaturen werden auch jetzt weiterhin durchgeführt. Doch die jetzt bald nötige Komplettsanierung des Schwimmbeckens wurde über die Jahre nicht vorgenommen. Bruns kennt die Folge: Viele Besucher ziehe es in die benachbarten Freibäder nach Schröttinghausen oder Dornberg. Beide Bäder wurden vor knapp zehn Jahren saniert. Das nicht sanierte Jöllenbecker Bad leidet unter der Konkurrenz, so Bruns. "In Jöllenbeck müsste knapp 4,5 Millionen Euro investiert werden, um das Freibad zu modernisieren." Konkrete Zukunftspläne gäbe es dafür aber nicht. Die Bäder in Schröttinghausen und Dornberg werden zudem von Fördervereinen unterstützt. Diese wurden gegründet, da die Schließung der Bäder in den 90er Jahren drohte. In Jöllenbeck drohte die Schließung nicht, daher gibt es auch keinen Förderverein, sagt Bruns. Er schien nicht notwendig, da in diesen Jahren sogar die Traglufthalle aus den 70ern noch einmal erneuert wurde. Die besondere Konstruktion ermöglichte über Jahre die Nutzung des Freibades auch im Winter. 2002 wurde sie aufgegeben. Die Nutzung des Bades im Winter sei heutzutage nicht sinnvoll, sagt Hans-Jürgen Stern von der BBF. "Energetisch und ökologisch ist das nicht tragbar, zudem würde es sich wirtschaftlich nicht lohnen." Heute sieht das Freibad im Winter anders aus. Wie überall schützen sogenannte Eisdruckpolster auf einer Seite des Beckens vor dem Eisdruck. Sie nehmen den Druck des gefrorenen Wassers auf und verhindern, dass das Wasser im Becken gefriert und das Becken deswegen aufbricht. Als Eisbahn könnten die Becken schon genutzt werden, aber, so Stern: "Es ist zwar technisch machbar, allerdings wäre es einfacher, auf dem Jöllenbecker Marktplatz eine Eislaufbahn zu platzieren." Die fehlende Infrastruktur und der hohe Aufwand rentierten sich nicht. Zudem wäre eine Jöllenbecker Eisbahn eine direkte Konkurrenz für die Oetker-Eisbahn, die ebenfalls von der BBF betrieben wird. Für Aktionen im Sommer sei die BBF allerdings offen, so Bruns. Sportvereine könnten sich gerne mit Ideen und Kooperationsangeboten einbringen. Bruns appelliert an die Jöllenbecker Politik: "Gefordert ist auch die Bezirksvertretung, die sicherlich Interesse am Bad hat." Er wünscht sich klare Zeichen aus dem Stadtbezirk, auch im Bad.

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