Ortsbildprägendes Ensemble: Die dritte Eiche ist krank. Dies hat ein Baumsachverständiger mit Hilfe eines Schalltomogramms festgestellt. Der erste Baum an der Dorfstraße ist deutlich kleiner und steht nicht unter Schutz. - © Sylvia Tetmeyer
Ortsbildprägendes Ensemble: Die dritte Eiche ist krank. Dies hat ein Baumsachverständiger mit Hilfe eines Schalltomogramms festgestellt. Der erste Baum an der Dorfstraße ist deutlich kleiner und steht nicht unter Schutz. | © Sylvia Tetmeyer

Jöllenbeck 150 Jahre alte Eiche muss weg: In Bielefeld wird ein Naturdenkmal gefällt

Eine der fünf Stieleichen, die sich neben der Zuwegung zur Turnhalle der Realschule befinden, muss weichen. Um ihn zu entfernen werden zwei Kräne benötigt

Sylvia Tetmeyer

Jöllenbeck. Wer sich die imposanten Bäume an der Dorfstraße anschaut, entdeckt auf den ersten Blick nichts Auffälliges. Doch der Eindruck täuscht. Eine der Eichen ist nicht mehr standsicher. Ein Pilz hat das Innere des Stammes geschädigt. "Wir müssen sie so schnell wie möglich fällen", sagt Umweltamtsleiter Martin Wörmann. Das sei jedoch nicht ganz einfach. Zwei Kräne würden dafür benötigt. "Einer wird zum Abtragen der Krone verwendet, der andere muss den Stamm festhalten, weil sich die Statik während des Abtragens ständig verändert." Da der Baum direkt am Weg zur Sporthalle der Realschule stehe und dort täglich Schüler entlang gehen, gebe es Überlegungen, die Fällung in die Herbstferien zu verlegen. "Oder wir machen es an einem Samstag", sagt Wörmann. Weil es sich um einen "Gefahrenbaum" handele, sei die kurzfristige Beseitigung unumgänglich. Auch wenn der Baum als Naturdenkmal unter Schutz stehe, müsse er ebenso bewertet werden, wie Bäume, die diesen Schutz nicht hätten. "Wir haben die Verkehrssicherungspflicht", betont der Umweltamtsleiter. "Wenn Menschen oder Sachen zu Schaden kommen könnten, wird das Risiko gleich bewertet." Wenn der Baum auf der grünen Wiese stehen würde, sei es unter Umständen etwas anderes. Entscheidungen würden immer im Einzelfall getroffen. Wörmann geht davon aus, dass die Nachbarbäume nach der Fällung weiterhin standsicher bleiben: "Wenn sie gerade gewachsen sind und statisch ausgeglichen, ist das kein Problem." Nur wenn eine der Eichen zu der Seite neige, an der ein Baum entfernt werden müsse, könne es schwierig werden. "Wir haben ein Schalltomogramm anfertigen lassen", berichtet Daniel Ditz. Anhand der unterschiedlichen Farben sei festgestellt worden, dass die Restwandstärke des 2,92 Meter dicken Stammes an einigen Stellen nicht mehr ausreiche, um eine Standfestigkeit zu garantieren. "Der Baum ist an einigen Stellen nach innen hin morsch und zeigt eine beginnende Fäule", erklärt der Mitarbeiter des Umweltamtes. Da er eine voll ausgebildete Krone aufweise, sei dies für den Laien nicht erkennbar. Um im Fall des Jöllenbecker Naturdenkmals ganz sicher zu gehen, habe ein Gutachter außerdem rund zehn Zentimeter über dem Boden Bohrwiderstandsmessungen durchgeführt. Er habe klar erkennen können, dass ein Pilz die Schäden am Stamm verursacht habe. "Es waren Pilzfruchtkörper zu sehen", sagt Ditz, der hofft, dass die übrigen Eichen erhalten bleiben.

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