Ein Herz und eine Seele: Anke Wolter mit ihren Ponys Polly, Cocco und Bommel. Auf dem Außengelände an der Vilsendorfer Straße hat sie einen kleinen Parcours aufgebaut. - © Sylvia Tetmeyer
Ein Herz und eine Seele: Anke Wolter mit ihren Ponys Polly, Cocco und Bommel. Auf dem Außengelände an der Vilsendorfer Straße hat sie einen kleinen Parcours aufgebaut. | © Sylvia Tetmeyer

Vilsendorf Bielefelder Kinder lernen bei der "Pony-Theke" den Umgang mit Pferden

Pferdewirtin: Anke Wolter darf schulen und das Papier vergeben – und bietet nun Kindern ab drei Jahren die Möglichkeit, die Vierbeiner kennenzulernen. Dabei lernen sie auch, was ein Hufschmied macht

Sylvia Tetmeyer

Vilsendorf. Bommel ist nicht nur für einen kleinen Ausritt zu haben, sondern spielt auch gerne Fußball. Das 15-jährige Shetland-Pony ist eines von fünf tierischen Bewohnern, die zum Hof Repke gehören. „Die Besitzerin wohnt nicht mehr in Bielefeld. Wir haben hier eine Bewegungshalle und können den Außenbereich nutzen", berichtet Anke Wolter. Die 35-jährige Studentin hat jetzt ihre „Ponytheke" gegründet. Warum der Name? „Wir hatten Ponys mit den Namen Tequila, Baylies und Fusel. Heute halten Bommel und Cocco den Prozentanteil hoch", sagt Wolter und lacht. Kürzlich hat sie die Lizenz für den Pony-Führerschein erhalten. Kinder ab drei Jahren haben so die Möglichkeit, Kontakt zum Tier zu bekommen und dadurch einen spielerischen Umgang damit zu lernen. Fünf Kurselemente gibt es, die jeweils zwei Stunden dauern. Es beginnt mit dem Basiskurs. Hier geht es um die Pferdesprache und Pflege. Balance und Geschicklichkeit stehen anschließend auf dem Programm. Danach dürfen die Kleinsten die Ponys um Stangen und Pylonen herumführen, um mit der Koordination vertraut zu werden. „Wenn der Hufschmied kommt" ist ein weiteres Thema. Dabei lernen die Jüngsten, dass Hufe aus dem gleichen Protein wie menschliche Haare und Fingernägel bestehen. Am Ende erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie ein Pferd von innen aussieht. Außerdem dürfen sie auf dem Geschicklichkeitsparcours ihr Glück versuchen. „Ich lege großen Wert darauf, dass die Kinder den Umgang mit dem Tier erlernen und Spaß am Outdoor-Sport haben", sagt die ausgebildete Pferdewirtin. Sie möchte die Jungen und Mädchen nicht in einen Schwerpunkt drängen oder Leistungssportler aus ihnen machen. Auf das Wissen, das sie in der Ponytheke lernen würden, könnten sie später im Reitverein aufbauen. Die Gruppen sind bewusst klein gehalten. Alle Ponys seien an Kinder gewöhnt. „Sie nehmen es auch mal gelassen in Kauf, wenn bei einem Kindergeburtstag die Kuchenbar eröffnet ist und plötzlich sechs bis acht Kinder schreiend loslaufen", versichert die gebürtige Vilsendorferin, die ebenfalls schon früh mit dem Reiten angefangen hat. „Ich war als Schülerin nach dem Unterricht immer auf dem Reiterhof, der nicht weit von uns entfernt lag", erzählt sie. Die Pferdewirtin besitzt einen Trainerschein und bildet sich regelmäßig weiter. Wer den Pony-Führerschein macht, erhält pro Modul eine farbige Turnierschleife. Am Ende gibt es eine Urkunde. „Es geht darum, Vertrauen zum Tier aufzubauen. Kinder, die noch nie Kontakt zu einem Pferd hatten, lernen erst einmal, wie man es putzt", sagt Wolter. Zurzeit seien es 16 Reitschüler, darunter drei Jungen, die von ihr betreut würden. Ein Mädchen höre schlecht und sei deshalb eingeschränkt. „Ich kümmere mich individuell um jedes Kind, auch um Kinder, die Einschränkungen haben", versichert sie. In Zukunft möchte Anke Wolter mit Kindergärten und Schulen zusammenarbeiten: „Ich könnte mir vorstellen, dort vorbeizukommen, weil ich weiß, wie schwierig es sein kann, einen Ausflug zum Pferdestall zu organisieren."

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