Timo Northoff ist Weltmeister: Die Eltern, Katja und Tilman sowie Schwester Pia schauen daheim in Enger-Pödinghausen zu. - © Wolfgang Rudolf
Timo Northoff ist Weltmeister: Die Eltern, Katja und Tilman sowie Schwester Pia schauen daheim in Enger-Pödinghausen zu. | © Wolfgang Rudolf

Nairobi/Bielefeld Bielefelder Kugelstoßer Northoff ist Weltmeister, Läufer Petros holt EM-Silber

Weltjahresbestweite von 20,72 Metern bei der U-18-WM in Nairobi

Claus-Werner Kreft
Gregor Winkler

Bielefeld. Als der Zweitplatzierte seinen letzten Versuch absolviert hatte, platzte es aus Timo Northoff raus: Mit einem Freudenschrei, der sämtliche Antilopen rund um Nairobi verscheucht haben dürfte, feierte der aus Enger stammende Kugelstoßer seinen Weltmeister-Titel. Den Anfang der „Operation Gold" bei der U-18-WM hatte das Fernsehen noch nicht übertragen. Northoff sicherte sich die Führung mit einem fulminanten ersten Versuch im Finale. „Timo scheint mit den Verhältnissen sehr gut zurecht gekommen zu sein", kommentierte sein Vater und Trainer Tilman Northoff diesen Stoß auf 20,12 Meter, den er gemeinsam mit Ehefrau Katja und Tochter Pia zunächst nur online am Ergebnis-Liveticker mitverfolgen konnte. Zur Kür war dann auch TV-Sender Eurosport live drauf: Und der für den TuS Jöllenbeck startende Northoff lieferte abermals. Als der ganze Druck abgefallen war, stieg er mit der nötigen Lockerheit in den Ring und wuchtete das Gerät auf 20,72 m (siehe Video) – Weltjahresbestleistung in seiner Altersklasse. Mit dem dritten Stoß ins Finale In der Qualifikation am Vormittag hatte es Northoff mit 17,08 m und 17,53 m in seinen ersten beiden Versuchen spannend gemacht. Erst mit dem dritten Stoß schaffte er dank seiner 19,37 m nicht nur den Sprung ins Finale, sondern auch die zweitbeste Weite. Zwischen Qualifikation und Finale hatte es noch eine Kommunikation mit dem Bundestrainer gegeben, um Timo wirklich optimal zu unterstützen und einzustellen. „Wir haben lange telefoniert. Ich habe ihm gesagt, dass er das Finale nicht vorsichtig angehen soll", verriet Vater Tilman. Mit beschriebenen 20,12 m eröffnete sein Filius den Wettkampf – allein diese Weite hätte zum Titel gereicht. Die Silbermedaille holte der Weißrusse Mikhail Samuseu mit 19,99 m, Dritter wurde Jonathan De Lacey Lacey aus Südafrika mit 19,93 m. Schon vor dem Wettkampf hatten die deutschen Kugelstoßer einen Schock zu verkraften: Mitfavorit Jonas Tesch, bis dahin mit 20,51 m der Weltjahresbeste, war auf dem Weg zum Stadion ausgerutscht und hatte sich so unglücklich verletzt, dass er passen musste. Läufer Amanal Petros hat sich fast zeitgleich bei der U-23-EM in Bydgoszcz einen weiteren Medaillentraum erfüllt. Im taktisch geprägten Rennen über 10.000 Meter unterlag er in 29:34,94 Min. nur dem favorisierten Spanier Carlos Mayo (29:28,06), der schon vor zwei Jahren Bronze über 5.000 m gewonnen hatte. Der Vizetitel war ungefährdet, als Dritter lag der Franzose Roudolff Lévisse fast acht Sekunden hinter dem Athleten der SV Brackwede. Es war der bislang größte Einzelerfolg des 22-Jährigen. "Ich bin glücklich und total zufrieden", erklärte der neue Vizeeuropameister. Im Rennen war sein Selbstvertrauen groß genug, um nach verbummeltem Beginn die Initiative zu ergreifen. "Er hat sich immer richtig positioniert, ihm ist wirklich ein Superlauf gelungen", lobte sein Trainer Thomas Heidbreder. Petros führte das Feld an den Kilometermarken 6, 8 und 9 an. Die Schlussphase wurde zum Duell mit Mayo, der 300 Meter vor dem Ziel attackierte und sich löste.

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