Kotten Pöhl im Himmelreich: Als es entstand, lebte Familie Feldmann hier. - © Sammlung Hollen
Kotten Pöhl im Himmelreich: Als es entstand, lebte Familie Feldmann hier. | © Sammlung Hollen

Theesen Das "Himmelreich" in Theesen

Skurrile Ortsnamen

Joachim Wibbing

Theesen. Das frühere Ravensberg bietet immer wieder heimliche Orte und Ausblicke. Die geschwungene Landschaft erfreut Herz und Seele. In Theesen gibt es nun einen landschaftlichen Bereich, der im Volksmund "Himmelreich" genannt wird - woher dieser Begriff nun wirklich kommt, das lässt sich allerdings nicht sagen. DAS RAVENSBERGER HÜGELLAND Merkmale der Landschaft sind eine alte intensive landwirtschaftliche Nutzung unter den besonderen Bedingungen des Lößhügellandes, vielfältige Industrie und eine hohe Bevölkerungsdichte. Geschichtlich ist das Ravensberger Hügelland durch die jahrhundertelange Zugehörigkeit zu Preußen geprägt. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war seine Bevölkerung rein evangelisch-lutherisch geprägt und bediente sich einer gemeinsamen Mundart, des Ravensberger Platt. Das Ravensberger Land ist ausdrücklich nicht gleichzusetzen mit dem Naturraum der Ravensberger Mulde oder dem Territorium der Grafschaft Ravensberg. Oft wird übersehen, dass diesen drei Begriffen jeweils unterschiedliche Sinnzusammenhänge zugrunde liegen und ihre Bezugsräume, trotz großer Überschneidungen, nicht deckungsgleich sind. Das Ravensberger Land ist umgeben von den Kulturlandschaften des Minden-Lübbecker-Landes im Norden und Nordosten, des Lipperlandes im Südosten, des Ostmünsterlandes im Südwesten und Osnabrücker Landes im Westen. Das Hügelland ist überwiegend lößbedeckt und somit sehr fruchtbar, in Verbindung mit den relativ hohen Niederschlägen hat der Geograf Schüttler den Begriff "Feuchtbörde" geprägt. Zahlreiche Bachläufe, die von Menschenhand umgestalteten Sieke, haben sich tief eingeschnitten und dem Land ein kupiertes Relief gegeben. Es wird durch die Werre und ihre Nebenflüsse Else und Aa zur Weser hin entwässert, welche im Nordosten das Gebiet noch berührt. Während im Hügelland infolge der intensiven Landwirtschaft die ursprünglichen Eichen-Hainbuchen-Wälder fast ganz verschwunden sind, findet sich an den jäh aufsteigenden Gebirgshängen dichter, forstwirtschaftlich genutzter Mischwald. Die fruchtbaren Lößböden haben zu einer frühzeitigen Besiedlung des Gebietes geführt. Die ältesten Kerne der Siedlungslandschaft reichen in die altsächsische Zeit zurück. Schon für die vorrömische Eisenzeit sind Siedlungsspuren archäologisch nachgewiesen worden. Besonders im 18. Jahr-hundert erfolgten dann die großflächige Rodung der wald-tragenden Niederungen und die Umwandlung in Grün- und Ackerland. So sind heute nur noch die umliegenden Bergländer durchgehend bewaldet. Die Landschaft des Ravensberger Hügellandes wird allgemein als Parklandschaft charakterisiert. Typisch dafür sind relativ zahlreiche Feldgehölze und Gebüsche innerhalb der überwiegend als Acker und Grünland genutzten Feldflur und eine ursprünglich ausgeprägte Streusiedlung, das heißt, neben kleinen Dorfkernen waren zahlreiche Einzelhöfe vorhanden, die mit Fachwerkgebäuden und Eichkämpen für den landschaftlichen Reiz dieses Gebietes von wesentlicher Bedeutung waren. DAS THEESENER "HIMMELREICH" "In stetem Wechsel von Wald, Feld und Wiese mit anmutigen Tälern, munteren Bächlein tritt uns ein Bild lieblichster Hügellandschaft entgegen" - so heißt es in einer alten Publikation von Eduard Lakemann. "Die Schönheit der Gegend findet darin ihren Ausdruck, dass der nach Theesen zugewandte Teil im Volksmund ?Himmelreickt? heißt, während der dahinter liegende, von der Natur weniger begünstigte Streifen, ?dat Fegefeuer? genannt wird." Wie gesagt, woher diese beiden Begriffe stammen, lässt sich nicht mit absoluter Sicherheit sagen. Eventuell stammen sie von dem lokalen Dichter Höner, der als Heuerling in der Bauerschaft Schildesche Nummer 15 am 12. November 1817 geboren wurde. Im Volksmund wurde er als das "Wassermänntechen" bezeichnet. Dieser Begriff stammte von seiner Tätigkeit her beim Bau des Eisenbahnviaduktes bei Schildesche, wo er die Wasserpumpe bediente und durch seine kleine Gestalt mit dem einen kürzeren Bein auffiel. UND WER IST DER GRÖSSTE IM HIMMELREICH? Zum Theesener Himmelreich gibt es noch eine kleine, anekdotische Geschichte: Als früher einmal der Lehrer in der Schule fragte: "Wer ist der Größte im Himmelreich?" - und natürlich erwartete, dass die treue kleine Christenschar mit "Gottvater" antwortete, da zeigte ein Kind vom Kotten Pöhl (Foto) auf und sagte, weil der Kötter dieses Kottens der größte im sogenannten Himmelreich war: "Wir sind der Größte im Himmelreich!"

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