Wie zu Hause: Damit auch jeder weiß, dass die beiden bei Familie Henner wohnen, hängt extra ein großes Namensschild an der Haustür.
Wie zu Hause: Damit auch jeder weiß, dass die beiden bei Familie Henner wohnen, hängt extra ein großes Namensschild an der Haustür.

Jöllenbeck Südamerika in Jöllenbeck

Wie bunt ist Bielefeld? Gastfamilie Henner lebt mit zwei Austauschschülern

Viktoria Bartsch

Jöllenbeck. Sie konnten kein Wort Spanisch und haben trotzdem zwei Austauschschüler bei sich aufgenommen: Nicolas Esteban de la Torre Grenon (17) aus Argentinien und Fulgencio Samudio Benitez (15) aus Paraguay leben seit dem Herbst bei Familie Henner. Freunde und Familie nennen die beiden einfach Nico und Lelo. „Die einzigen Ängste, die wir hatten, waren wegen der Sprache“, sagt Gastmutter Melanie Henner (44). „Rückblickend war das aber absolut unbegründet.“ Seit August wohnt der Paraguayer Lelo bei Familie Henner, im September kam der Argentinier Nico dazu. Während Tochter Sophie (17) in Kanada an einem Austauschprogramm teilnimmt, geht es zu Hause in Jöllenbeck spanisch zu: „Lelo singt immer“, sagt Gastvater Thomas Henner (47). „Außerdem spielt er Gitarre, Klavier und Mundharmonika.“ Nico ist am liebsten nach der Schule mit seinen Freunden unterwegs: „Mir gefällt es hier richtig gut.“ Gekocht haben die beiden Austauschschüler auch schon: gefüllte Teigtaschen und argentinischen Apfelkuchen. Und Gastschwester Merle (11) haben sie ihre ersten spanischen Wörter beigebracht. Doch so entspannt war die Situation nicht immer: „Am Anfang mussten wir uns erst einmal kennenlernen“, sagt Gastmutter Melanie Henner. „Oft haben wir uns dann auf Englisch unterhalten.“ Obwohl beide auf die Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule gehen, fiel es ihnen schwer, Freunde zu finden. Austauschschüler bleiben viel unter sich, sagt Thomas Henner, bis sie Kontakte zu Deutschen aufbauen, dauert es einfach etwas länger. Auch Sohn Nils (15) musste erst mit seinen neuen Gastbrüdern warm werden: „Ich musste mich an die neue Situation gewöhnen, doch jetzt machen wir viel zusammen.“ Regelmäßig spielen die drei Playstation oder gehen zum Bowlen. Mittlerweile sprechen Nico und Lelo gutes Deutsch, Spanisch ist beim Abendessen verboten. Der Alltag ist bei Familie Henner eingezogen: Tisch abräumen, einkaufen gehen, Zimmer aufräumen. „Sie mussten sich in unsere Familie integrieren“, sagt Thomas Henner. „Sie sind wie unsere eigenen Kinder für uns und wir haben einen ganz normalen Alltag zusammen.“ „Im Endeffekt macht man sich genau so Sorgen um sie, wie um die eigenen Kinder“, sagt Melanie Henner. Familie Henner lebt Integration in den eigenen vier Wänden: „So ein großer kultureller Unterschied besteht gar nicht zwischen uns“, findet Melanie Henner. „Viele schrecken aufgrund der eingeschränkten Privatsphäre vor einem Austausch zurück“, sagt Thomas Henner. Doch damit habe er kein Problem. Viel haben sie voneinander kennengelernt – Einblicke in die jeweilige Sprache und Kultur bekommen. Ende Februar fliegt Nico zurück nach Argentinien: „Ich werde meine Gastfamilie vermissen.“ Bevor Lelo zurückfliegt, wechselt er noch in eine weitere Bielefelder Gastfamilie – so sieht es das Austauschprogramm vor. „Neben der Sprache habe ich schon viel über Deutschland und seine Geschichte gelernt.“ Alle sind sich bereits jetzt einig: Es war eine tolle Erfahrung. „Wir würden es jederzeit wieder tun“, sagt Thomas Henner. Informationen zu Austauschprogrammen und Organisationen gibt es im Internet unter ⋌www.aja-org.de.

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