Auf Tuchfühlung: Auf Hof Schulze konnten die Besucher zuschauen, wie Schafe geschoren werden, doch nur die Kälber waren auch zum Anfassen da. - © Barbara Franke
Auf Tuchfühlung: Auf Hof Schulze konnten die Besucher zuschauen, wie Schafe geschoren werden, doch nur die Kälber waren auch zum Anfassen da. | © Barbara Franke

Jöllenbeck Tag der offenen Höfe: Jetzt gibt's ein Küsschen fürs Kälbchen

Ob Nutztierhaltung, Pflanzenzucht oder Maschinen: Auf den Dreeker Höfen erfuhren die Besucher etwas über Landwirtschaft, was nicht nur für Kinder hochinteressant ist

Lieselotte Hasselhoff

Jöllenbeck. Ein Küsschen fürs Kälbchen, das gibt es von den erwachsenen Landwirten wohl selten. Die jungen Besucher ließen es sich es jedoch nicht nehmen, auf Tuchfühlung mit den niedlichen Tieren zu gehen. Der "Tag des offenen Hofes" der Dreeker Höfe in Jöllenbeck wurde zum Familien-Event. Viel zu sehen und auszuprobieren gab es vor allem für die kleinen Gäste: Ponyreiten bei Döpke-Vahle, eine Landmaschinenausstellung auf dem Hof Schulze oder die Hüpfburg auf dem Hof Schulte-Döinghaus, um nur einige Beispiele zu nennen. Darüber hinaus waren Vereine mit ihren Infoständen vertreten. Auch für Essen und Getränke war reichlich gesorgt - nicht zuletzt dank der Landfrauen, die unter anderem Kuchen und Waffeln bereit hielten. "Oft sind wir Landfrauen diejenigen, die den Kuchen backen", erzählt Beate Kipp, Vorstandsmitglied der Landfrauen Herford, "aber das wollen wir nicht in erster Linie sein". Sie seien vor allem eine Interessenvetretung für die Frauen im ländlichen Raum. "Wir setzen uns zum Beispiel für Kitas ein oder für gleiche Bezahlung von Frauen und Männern", sagt Vorstandsmitglied Birgit Höke. Auch kulturelle Veranstaltungen, wie Vorträge, Kreativ-Angebote oder Exkursionen würden sie organisieren. Beate Kipp und Birgit Höke verkauften Wildbienen-Hotels An einem Stand verkauften Kipp und Höke Wildbienen-Hotels. Die etwa zwei Zentimeter dicken, gelöcherten Baumscheiben könne man auf dem Balkon aufhängen. "Die Bienen legen in den Löchern ihre Eier ab", erklärt Höke. Das Insekt sei das Symbol der Landfrauen sagt Kipp: "Wir werden dieses Jahr 70, deshalb haben wir 70 Wildbienenhotels hergestellt", der Erlös gehe in Teilen jeweils an das "Landfrauentelefon", das Sorgentelefon der Landfrauen, sowie an die Frauen-Hilfsorganisation Nadescha und an das Frauenhaus Herford. Echte Bienen kann man auf dem Hof Döpke-Vahle aus der Nähe betrachten. An dem Stand des "Kreisimkerverein Bielefeld" zieht Thomas Held gerade unter der Anleitung von Imker Friedrich-Wilhelm Große-Wöhrmann vorsichtig eine Wabe aus einem Bienenstock. Fasziniert beobachten die umstehenden Kinder, wie die Bienen um Held herumzuschwirren beginnen und seine Hosenbeine hinaufklettern. "Wollt ihr auch mal probieren?" fragt der Imker die Kinder. Sie trauen sich nicht. Dafür ist Held begeistert: "Ich denke, die Sache steht fest", in der Imkerei möchte er sich jetzt auch versuchen. Der Imker Alfred Bauer erklärt, wofür Bienen wichtig sind: "Sie sind das drittwichtigste Nutztier nach Rind und Schwein", sagt er. Neben der Erzeugung von Honig seien sie vor allem als Pflanzenbestäuber wichtig: "Sie bestäuben bis zu achtzig Prozent der Nutz- und Wildpflanzen." Auch als Herstellerinnen von Bienenwachs sowie medizinisch relevanter Stoffe, wie Kittharz und Bienengift seien sie nützlich: "Bienengift hilft zum Beispiel bei Rheuma." Ein Kinder-Mähdrescher zeigt, wie Landwirtschaft funktioniert Eins der größten Höhepunkte für die kleinen Gäste: Der von Landmaschinen-Mechaniker Theodor Steiling entwickelte Kinder-Mähdrescher. Aus altem Schrott hat dieser den Mähdrescher einst für seine Enkelin Antonia zusammengebaut. Die Verkleidung der Maschine ist an einer Seite transparent, so dass das Innenleben bei Betrieb beobachten kann. "Normalerweise wird das Korn vorne geschnitten", erklärt Steiling, da das Gerät für Kinder sei, habe er die Schneide nach innen gelegt. Die Kinder können die vollständigen Ähren von oben in die Maschine hineinstecken und dann zuschauen, wie das Korn erst aus den Ähren herausgeschlagen und dann von der Spreu getrennt wird. Ein pädagogisches Projekt Aus dem einstigen Geschenk für die Enkelin hat Steiling inzwischen ein pädagogisches Projekt gemacht: Er nimmt die Maschine mit in Schulen und erklärt dort Kindern der dritten und vierten Klasse den Entstehungsprozess von Brot von der Aussaat bis zum fertigen Laib. "Ich erkläre den Kindern, die einzelnen Schritte, die in der Landwirtschaft notwendig sind. Ganz wichtig: Gottes Segen, Sonne, Licht und Wasser."

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