Schulkinder werden vom Busfahrer bei eisiger Kälte an der Haltestelle stehengelassen - Symbolbild. - © picture alliance
Schulkinder werden vom Busfahrer bei eisiger Kälte an der Haltestelle stehengelassen - Symbolbild. | © picture alliance

Jöllenbeck Bielefelder Busfahrer lässt Schulkinder bei -10 Grad einfach stehen

Der elfjährige Noah und sein Freund verpassen den Bus nach Jöllenbeck. Der Fahrer sei einfach losgefahren, obwohl die Kinder schon in der Nähe waren. Hinweise eines Schülers im Bus habe er ignoriert

Ingo Kalischek

Jöllenbeck. Darf ein Busfahrer Schulkinder in der Kälte stehen lassen, um seinen Zeitplan einzuhalten? Diese Frage wirft jetzt ein Vorfall am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Werther auf. Zwei Schüler haben dort den Bus in Richtung Jöllenbeck verpasst, da der Fahrer einfach losgefahren sei. Und das, obwohl die beiden Kinder nur wenige Meter entfernt gewesen seien. Blickkontakt habe der Fahrer ignoriert. Ebenso die Hinweise eines Schülers im Bus. "Nicht zu entschuldigen" "Dieses Verhalten ist nicht zu entschuldigen", sagt Christian Breuer aus Jöllenbeck, Vater des elfjährigen Noahs. Gemeinsam mit einem Mitschüler wollte Noah am Donnerstag den Bus am ZOB in Werther nehmen, um nach Schulschluss nach Hause zu kommen. Er besucht das Evangelische Gymnasium in Werther, wohnt aber in Jöllenbeck. Als Noah auf dem Weg in Richtung Bus war, sei dieser einfach losgefahren. Um 13.26 Uhr. Laut Plan fahre der Bus erst um 13.27 Uhr los. Den Hinweis eines Schülers im Bus, dass sein Bruder noch fehle und er den Bus in wenigen Sekunden erreiche, hätte den Fahrer nicht interessiert. "Er meinte, dass man froh sein solle, dass der Bus mal pünktlich losfahren würde", gibt Christian Breuer die Erzählungen des Schülers wieder. Bei -10 Grad draußen stehen gelassen Der Mitschüler Noahs habe zudem Blickkontakt mit dem Busfahrer gehabt. Dennoch sei er losgefahren. Die Folge: Noah und sein Freund blieben zurück - "bei einer Außentemperatur von bis zu 10 Grad unter Null", sagt Breuer. Er wirft dem Busfahrer vor, die Kinder vorsätzlich in der Kälte zurückgelassen zu haben. Erschwerend komme hinzu, dass der nächste Bus in Richtung Jöllenbeck erst zwei Stunden später fahre - nach der neunten Schulstunde um 15.37 Uhr. Breuer: "Der Bus fährt nur zweimal am Tag." Bei dem beteiligten Unternehmen handelt es sich um den Verkehrsdienstleister Stötzel aus Steinhagen. Prokurist Yanik Rasche verweist auf Anfrage darauf, dass es sich bei dem Vorfall um eine Fahrt im Linienverkehr - und nicht im Schulbusverkehr - gehandelt habe. Deshalb sei das Personal dazu angehalten, die Abfahrtszeiten "unbedingt" einzuhalten. "Sonst gibt es Ärger mit unserem Auftraggeber", sagt Rasche. Dabei handelt es sich um die Busverkehr Ostwestfalen GmbH (BVO). Bus war schon eine Minute zu spät Rasche betont weiter, dass der Bus nicht frühzeitig abgefahren sei, sondern "sogar eine Minute später". Die Schüler hätten genügend Zeit gehabt, den Bus zu erreichen. "Dafür gibt es ja Fahrpläne", sagt Rasche. Auch der Fahrer habe bereits Stellung bezogen und angegeben, dass es keinen Blickkontakt zwischen ihm und dem Schüler gegeben habe. Für das Unternehmen sei der Vorfall damit geklärt. Rasche: "Wir können unsere Fahrer ja nicht auffordern, ihre Zeiten nicht einzuhalten." Sonst komme es wegen Unpünktlichkeit zu Problemen mit dem Auftraggeber und mit weiteren Fahrgästen. Christian Breuer hält das Verhalten des Fahrers für unentschuldbar. "Offensichtlich scheint das Unternehmen das aber zu dulden." Die zwei Kinder habe man nach dem Vorfall privat abgeholt - "eine andere Möglichkeit gab es ja nicht", ärgert sich der Vater.

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