Erinnerung an den geliebten Menschen: „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft" heißt das Projekt. - © Stefanie Oeft-Geffarth
Erinnerung an den geliebten Menschen: „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft" heißt das Projekt. | © Stefanie Oeft-Geffarth

Bielefeld Erinnerung: Wenn Trauernde sich tätowieren lassen

Ausstellung: Vom 2. bis 4. März sind die Fotos im Abschiedshaus im Stift zu sehen

Sylvia Tetmeyer

Schildesche. Zu einer ganz besonderen Ausstellung in Bielefeld laden Andreas und Katrin Niehaus vom 2. bis 4. März ein. Sie heißt: „Trauertattoo – Unsere Haut als Gefühlslandschaft." Die Fotos sind jeweils von 10 bis 16 Uhr im Abschiedshaus, Im Stift 4, zu sehen. „Ich wollte etwas, was ich immer bei mir trage." So begründet Gela ihre Entscheidung für ein Tattoo nach dem plötzlichen Tod ihres Sohnes. „Es ist die optische, nach außen getragene Verbindung zu meiner Mama", ergänzt die 23-jährige Jennifer. Ein Name, den man nie vergessen will. Ein Datum, das immer bleibt. An geliebte Menschen erinnern Weil sie sich für immer an einen geliebten, verstorbenen Menschen erinnern wollen, lassen sich viele Menschen in ihrer Trauer ein Tattoo stechen. Über 100 Männer und Frauen folgten dem Aufruf der Fotografin Stefanie Oeft-Geffarth und der Trauerbegleiterin Katrin Hartig. Sie interviewten und fotografierten diese Trauernden. Die Geschichte ihrer Tattoos und ihrer Trauer erzählt die Fotoausstellung. Das Tattoo kann Liebeserklärung und Brücke zum Verstorbenen sein, wie für den 51-jährigen Jürgen: „Unsere Trauer hat uns ja auch dahin geführt, dass sich unsere Meinung über Tattoos komplett geändert hat", sagt der um seine Tochter trauernde Vater. Trauer geht nicht vorbei Er war einer der Teilnehmer an den Foto-Shootings, die die Initiatorinnen quer durch Deutschland führten. Ein Handabdruck, die letzten Worte aus dem Abschiedsbrief, eine Kinderzeichnung. Ob Mann oder Frau. Jung oder Alt. „Das Tattoo ist ein Statement für immer, denn Trauer geht nicht vorbei. Sie verändert sich und sucht nach Ausdruck. Sie will gesehen werden", sagt Oeft-Geffarth. Diesem Anliegen will das Projekt gerecht werden. Die Ausstellungstage sollen zeigen, wie individuell ein Abschied sein kann und welche Möglichkeiten des Gedenkens es neben den bleibenden Bildern auf der Haut noch gibt. Der Eintritt ist frei.

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