Aus eigener Herstellung: Ulrike und August-Wilhelm Kronsbein machen fast alle Fleisch- und Wurstwaren selber. - © Sylvia Tetmeyer
Aus eigener Herstellung: Ulrike und August-Wilhelm Kronsbein machen fast alle Fleisch- und Wurstwaren selber. | © Sylvia Tetmeyer

Bielefeld Ende einer Ära: Schlachterei Kronsbein schließt nach 122 Jahren

August-Wilhelm und Ulrike Kronsbein gehen in den Ruhestand. Am 27. Januar schließen sie ihr Geschäft

Sylvia Tetmeyer

Bielefeld-Jöllenbeck. "Für mich war schon immer klar, dass ich im Fleischerhandwerk arbeiten will", erzählt August-Wilhelm Kronsbein. Vorbild seien seine Eltern gewesen. "Sie haben mich nie dazu gedrängt. Vielmehr war es damals eine Ehre, so einen Betrieb fortführen zu dürfen", sagt der 66-Jährige. Gemeinsam mit Ehefrau Ulrike lenkt er seit 1978 die Geschicke an der Amtsstraße im Bielefelder Stadtteil Jöllenbeck. Am Samstag, 27. Januar, öffnen sich die Türen des Ladengeschäftes zum letzten Mal. Die Schlachterei bleibt jedoch bestehen. "Es wird dort einen Direktverkauf nach Vorbestellung geben", kündigt Kronsbein an, der sich in Zukunft verstärkt seiner Hobbyzucht widmen möchte. Seine Leidenschaft gilt der seltenen Schafrasse "Berrichon du Cher". Vor mehr als zehn Jahren hat er die Rasse bei einem Streifzug durch Ostfriesland entdeckt. Zurzeit besitzt der Fleischermeister 35 Mutterschafe. Auch selten ist die kleine Dexter-Herde. Zehn Rinder gehören dazu, außerdem Nachzuchten. Aufgrund ihrer geringen Effizienz in der industriellen Landwirtschaft standen die genügsamen Naturpfleger in den 60er und 70er Jahren schon einmal kurz vor dem Aussterben. "Ich schreibe vielleicht ein Kochbuch" Auch Ulrike Kronsbein, die die Wünsche der Jöllenbecker immer kompetent und freundlich hinter der Ladentheke erfüllt hat, hat sich schon eine Aufgabe für ihren Ruhestand vorgenommen. "Ich schreibe vielleicht ein Kochbuch", kündigt die 64-Jährige an. In der Vergangenheit hätten Kunden häufig nach Tipps gefragt. Viele Rezepte, die nicht aufwendig seien und aus natürlichen Zutaten hergestellt würden, habe sie im Kopf. "Wir haben ja fast alle unsere Produkte selber gemacht. Deshalb ist es auch schwer, einen Nachfolger zu finden", sagt die gelernte Physiotherapeutin. "Zwölf-Stunden-Tage sind keine Seltenheit. Das möchte heute keiner mehr machen", ergänzt ihr Ehemann. Angewachsen sei im Laufe der Jahre vor allem der Verwaltungsaufwand. Wer nicht mit Herzblut dabei sei, schaffe es nicht, einen Handwerksbetrieb in der Form zu führen. "Man muss sich natürlich auch von der Masse abheben", betont der Fleischermeister, der für seine Kreativität und die Qualität seiner Produkte mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Söhne Philipp Hermann (30) und Heinrich (37) haben sich beruflich anders orientiert. Tochter Friederike (42) arbeitet als Bibliothekarin des Deutschen Bundestages. "Es war eine schöne Zeit und macht mir immer noch sehr viel Spaß. Ich bin zufrieden", resümiert August-Wilhelm Kronsbein. Besonders die Vielseitigkeit gefalle ihm an seinem Beruf.

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