Entfernt Totholz: Jens Wehmeyer kommt mit dem Hubsteiger auf eine Höhe von 25 Metern. - © Sylvia Tetmeyer
Entfernt Totholz: Jens Wehmeyer kommt mit dem Hubsteiger auf eine Höhe von 25 Metern. | © Sylvia Tetmeyer

Jöllenbeck Dieser Bielefelder ist von Beruf Baumkletterer

"Man schwebt über den Dingen"

Jöllenbeck. Meter für Meter schraubt sich der Korb des Hubsteigers an der Buche entlang. Dann stoppt Jens Wehmeyer das Gefährt und deutet auf einen mehr als 30 Zentimeter dicken, morschen Ast. „Der muss weg. Er ragt genau über den Wanderweg", sagt der Baumkletterer, der von der evangelischen Kirchengemeinde mit den Arbeiten beauftragt wurde. „DerPfarrwald besteht seit 1860", erklärt Förster Erhard Oehle. Ziel sei, dass der nötige Baumschnitt möglichst schonend für die Natur durchgeführt werde. In den vergangenen Wochen war Wehmeyer vier bis fünf Mal im Pfarrwald. „Die Arbeiten mussten immer wieder unterbrochen werden." Um mit dem Hubsteiger arbeiten zu können, dürfe der Boden nicht zu aufgeweicht sein. Der Ubbedisser Baumkletterer kann mit seinem gummigetriebenen System bis zu 25 Meter in die Höhe fahren. „Manchmal ist es nur ein Ast, der raus muss. Insgesamt sind es rund 25 Buchen und Eichen, die ich bearbeite", sagt er. Viele der Bäume seien 30 Meter hoch. Totholz entstehe dort, wo kein Licht an den Ast komme. Wichtig sei, die Hauptwanderwege zu sichern, um eine Gefährdung für Spaziergänger auszuschließen. „Das ist eine wunderschöne Arbeit, weil man über den Dingen schwebt", schwärmt der 45-Jährige. Während er in schwindelnden Höhen arbeitet, beobachtet Ralph Seeger seine Handgriffe auf dem Boden. „Ich sorge unten für die Sicherheit", berichtet der Inhaber eines Garten- und Landschaftsunternehmens. „Wir wollen die wertvollen Eichen, die in der Krone bedrängt werden, von den Ästen der Buchen befreien", erläutert Erhard Oehle, der in Bielefeld für Privatwälder zuständig ist. Eigentlich sei die Kirche nicht dazu verpflichtet, einen Baumkletterer einzusetzen. „Mit dem Holzverkauf wird kein Gewinn erzielt"  „Die Kosten, die im höheren dreistelligen Bereich liegen, müssen aus dem Verkauf des Holzes erwirtschaftet werden", sagt der Förster. Hinzu käme jährlich eine sechsstellige Summe, die aus Steuern und Unterhaltungskosten bestehe. „Anwohner verstehen manchmal nicht, warum wir Bäume aus dem Wald entfernen. Wir halten uns mit der Anzahl der Stämme aber genau an die Forstplanung." In Kürze sollen die Holzbestände, die jetzt noch an der Straße Am Pfarrholz liegen, abgefahren werden. Auch die Abschlussarbeiten an den Wanderwegen, die noch Rückespuren aufweisen, stehen noch an. „Mit dem Holzverkauf wird kein Gewinn erzielt", betont Hans Klöne. Für den ehemaligen Presbyter, der sich seit Jahrzehnten um den Forst kümmert, ist unverständlich, dass einige Spaziergänger der Meinung sind, sie könnten das Kronenholz mitnehmen. „Es dient zahlreichen Insekten und Kleintieren als Schutz. Auch für Pilze ist es eine Nahrungsquelle", sagt Jens Wehmeyer. Zudem schütze es die Sämlinge, die jetzt zu Dutzenden den Boden bedecken. „Hier ist sogar einmal ein Zelt aufgebaut worden", erzählt Hans Klöne. Vor einigen Wochen wollten Jugendliche ein Lagerfeuer im Wald machen. Seit langem ärgern sich sich die Mitglieder der Kirchengemeinde darüber, dass dort häufig Grünschnitt illegal entsorgt wird. Erhard Oehle hat schon häufiger Besuchergruppen durch den Pfarrwald geführt. Viele seien begeistert gewesen – und hätten von dem Kleinod in Jöllenbeck geschwärmt. Traurig mache ihn, dass Anfang des Jahres sieben Bäume beschädigt worden seien. Unbekannte haben sie mit Farbe beschmiert und eingeritzt.

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