Sorgenvoll: Horst Sonnenbrodt hofft, dass sich seine Lebenssituation bald positiv verändert. Jetzt wartet er darauf, eine Pflegestufe zu bekommen. - © Sylvia Tetmeyer
Sorgenvoll: Horst Sonnenbrodt hofft, dass sich seine Lebenssituation bald positiv verändert. Jetzt wartet er darauf, eine Pflegestufe zu bekommen. | © Sylvia Tetmeyer

Jöllenbeck "Ich werde behandelt wie ein Alkoholiker"

Frust über Betreuung

Sylvia Tetmeyer

Jöllenbeck. Er ist 20 Jahre zur See gefahren, dann wurde der gebürtige Schlesier in Bielefeld sesshaft. In den 1990er Jahren führte Horst Sonnenbrodt nacheinander mehrere Gaststätten. 2003 erlitt er einen schweren Schlaganfall. "Ich bin wie ein Alkoholiker behandelt worden", erzählt der 75-Jährige. Dadurch, dass er zu spät die richtige Behandlung erhalten habe, sei sein Kleinhirn geschädigt worden. Bis heute kann sich der Rentner schwer konzentrieren, verliert manchmal den Faden. Getrunken oder geraucht habe er nie, versichert der Rentner. Es folgten weitere Schlaganfälle. Den Andreaskrug am Pfarracker hat Sonnenbrodt 20 Jahre lang geführt. "Darunter hat man später eine Bombe gefunden", sagt er und denkt mit Schaudern daran, was alles hätte passieren können. »Es geht hier um eine komplexe Lebenssituation« Bis 1999 war er Wirt im Brackweder Keller, auch im Braker Eck lenkte er die Geschicke. Zuletzt führte er die Waldklause an der Voltmannstraße. Nach dem Schlaganfall habe er nicht mehr arbeiten können: "Ich musste Insolvenz anmelden." Nun möchte Sonnenbrodt gerne, dass der Eintrag aus der Schufa-Auskunftsdatei gelöscht wird. "Ich habe mit der Schufa Kontakt aufgenommen. Die Urkunde ist jedoch noch nicht da", sagt der gerichtlich bestellte Betreuer, der sich seit vier Wochen um die Angelegenheiten des 75-Jährigen kümmert. Der Diplom-Pädagoge bittet um ein wenig mehr Geduld. "Ich befinde mich gerade in der Übernahmephase. Es geht hier um eine komplexe Lebenssituation." Ein Insolvenzverfahren würde sieben Jahre dauern, sagt der Bielefelder, der als Berufsbetreuer arbeitet. Sobald er die nötigen Informationen zusammengetragen habe, werde er sich mit den Behörden in Verbindung setzen und versuchen die Dinge zu regeln, die notwendig sind. Horst Sonnenbrodt versteht nicht, warum man ihm die Pflegestufe aberkannt hat. Auf Veranlassung seines Betreuers hat der Medizinische Dienst nun aber noch einmal die Pflegebedürftigkeit geprüft. Das Gutachten lässt indes auf sich warten. Der Rentner ist gehbehindert und kann sich nur mit dem Rollator fortbewegen. Da seine Rente von rund 500 Euro zum Leben nicht reiche, erhalte er Mittel vom Sozialamt, sagt er. Um sich von seiner Situation abzulenken, betrachtet Sonnenbrodt gerne die alten Fotoalben. Als Lademeister und Taucher war er in jungen Jahren auf verschiedenen Schiffen beschäftigt. "Ich bin in der ganzen Welt gewesen", schwärmt er. Auf dem Kabelmotorschiff "Neptun" heuerte er 1965 an.

realisiert durch evolver group