Rainer Salzenberg, Vilsendorf - © Thomas Klüter
Rainer Salzenberg, Vilsendorf | © Thomas Klüter

Bielefeld Ein Wohnviertel in Vilsendorf wartet vergeblich auf Fernsehsignale

Warten: Unitymedia braucht sechs Tage, um ein „Störungsticket“ zu erstellen

Thomas Klüter

Bielefeld-Jöllenbeck. Acht Stunden Arbeit sind geschafft, der Weg nach Hause auch. Das Abendessen ist vorbereitet, jetzt nur schnell noch die wichtigsten Nachrichten des Tages anschauen. Den Knopf auf der Fernbedienung gedrückt und dann, dann kommt nichts. „Mein Bildschirm war schwarz“, sagt Rainer Salzenberg aus Vilsendorf. „Und erst dachte ich, das Gerät sei kaputt“. Nach wenigen Augenblicken erschien dann aber der Schriftzug „Kein Programm verfügbar“. Das war vergangene Woche Dienstag. Und weil es schon kurz vor neun Uhr war, entschied sich Salzenberg, auf die Nachrichten zu verzichten. Seit mittlerweile einer Woche verzichtet der Vilsendorfer nun schon auf Wetterbericht, Spielfilm, Tatort und Nachrichten. Und mit ihm sechs weitere Wohnungseigentümer im Haus am Wemkamp. „Am nächsten Morgen habe ich bei der Verwaltung unserer Eigentümergemeinschaft angerufen“, sagt Salzenberg. Denn der Vertrag ist für das gesamte Haus abgeschlossen, jeder Bewohner zahle seinen Anteil an die Verwaltung, die überweise das dann an den Kabelanbieter Unitymedia. Für die Eigentümergemeinschaft sind das pro Jahr immerhin 1.208 Euro. Rainer Salzenberg zahlt 181,43 Euro davon. „Da kann ich doch erwarten, dass ich auch fernsehen kann“, sagt der 51-Jährige. Und wenn es eine Störung gebe, sei doch zumindest ein Hinweis wünschenswert, dass Unitymedia sich um die Angelegenheit kümmert. Der kam nach sechs Tagen. Nachdem sich eine Mitarbeiterin der Hausverwaltung die Finger wund telefoniert und unzählige Minuten in der Warteschleife des Unternehmens verbracht hatte. Eine Lösung ist damit aber noch nicht in Sicht. Unitymedia schickte lediglich eine Mail, in der dem Störfall eine Nummer, ein sogenanntes „Störungsticket“. zugeteilt wurde. Und es kam der Hinweis, dass „ein Techniker sich zeitnah mit Ihnen als Ansprechpartner des Objekts in Verbindung setzt“. Während der Woche hatte sich aber herausgestellt, dass nicht nur das Haus in dem Rainer Salzenberg wohnt betroffen ist, sondern das gesamte Wohnviertel. NW-Leserin Renate Reiners kann ebenfalls seit vergangener Woche Dienstag nicht mehr fernsehen. Da die 64-Jährige direkte Kundin bei Unitymedia ist, begab sie sich selbst in die musikalische Endlosschleife des Kabelanbieters, gab irgendwann auf, schrieb eine Mail, bekam keine Antwort und machte sich schließlich auf in die Filiale eines Vertragspartners von Unitymedia. Dort habe der Mitarbeiter nichts von einer großflächigen Störung hören wollen. Als Reiners sich damit nicht zufrieden geben wollte, sei sie des Ladens verwiesen worden. „Das ist kein akzeptabler Kundenservice“, findet Renate Reiners. Auf Nachfrage teilte Unitymedia mit, dass Fehlersuche und Reparatur vor Ort bislang nicht möglich gewesen seien, da der Technikpartner keinen Zugang zu den Schaltschränken bekommen habe. Pegelmessungen im vorgelagerten Netz seien unauffällig gewesen. Fernsehen können die Kabelnutzer des gesamten Viertels also immer noch nicht. Nach acht Stunden Arbeit und der fahrt nach Hause, bleibt der Bildschirm vorerst schwarz.

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