Spannend: Mathias Polster (vorne von links), zeigt Pfarrer Carsten Neumann, Petra Mohrmann und Pfarrerin Cornelia Mader, wie er das Material und Alter von Kirchenteilen ermittelt. Im nächsten Jahr will er sich den Innenraum auf Gerüsten genau anschauen. - © Sarah Jonek
Spannend: Mathias Polster (vorne von links), zeigt Pfarrer Carsten Neumann, Petra Mohrmann und Pfarrerin Cornelia Mader, wie er das Material und Alter von Kirchenteilen ermittelt. Im nächsten Jahr will er sich den Innenraum auf Gerüsten genau anschauen. | © Sarah Jonek

Heepen Sanierung der Peter-und-Pauls-Kirche schreitet voran

Restaurator Mathias Polster untersucht ihre Vergangenheit. Erkenntnisse stellt er am 11. November vor. Er hat Neues über Sand-und Kalkstein, verschiedene Bauphasen, Steinmetze und große Rätsel zu berichten

Ingo Kalischek

Heepen. Seine Aufgabe ist es, Spuren zu entdecken, sie zu sammeln - und auszuwerten. Seit einigen Monaten untersucht Restaurator Mathias Polster die Peter-und-Pauls-Kirche in Heepen. Sein Ziel ist es, die Bauphasen besser zuordnen und datieren zu können. Mit Erfolg. Polster fand unter anderem heraus, aus welchem Material die bedeutende Bielefelder Kirche besteht. "Ich habe zwei Hauptbausteine ermittelt: Kalk- und Sandstein", sagt Polster. Der finde sich in nahezu jeder älteren Kirche in der Umgebung, ebenso in der Sparrenburg. "Kalkstein wurde für das Füllmauerwerk; Sandstein für Ecken und Türen benutzt." Auch die Arbeit der Steinmetze hat der Herforder untersucht. Seine vorläufige Einschätzung: 13 verschiedene Steinmetze waren am Bau der Peter-und-Pauls-Kirche beteiligt. Die ältesten Arbeiten seien im Bereich des Turms festzustellen - rund um das Jahr 1500. Die anderen zwischen 1501 und 1503. Besonders sei dabei, dass es am Teutoburger Wald eine zentrale Werkstatt gegeben haben muss. "Von dort aus konnten die Arbeiter - überwiegend Tagelöhner - zum Beispiel Fenster abholen und sie zur Kirche bringen", sagt Polster. Der Einzugsbereich umfasse rund 70 Kilometer - bis ins Wiehengebirge. "Wir haben in der Umgebung immer dasselbe Material gefunden, nämlich Sandstein." Auch die verschiedenen Bauphasen der Kirche hat der gebürtige Sachse ermittelt - oder Vermutungen parat. Der heutige Haupteingang stamme aus romanischer Zeit, es ist der älteste Teil - über 800 Jahre alt. Das zeige sich unter anderem am Kreuzgewölbe und der romanischen Treppe. Beim Blick in die Kirche im Bereich des Haupteingangs zeichnen sich die Bauphasen der Kirche quasi im Uhrzeigersinn ab: von alt bis jung. Der Nordteil der Kirche stamme aus spätromanischer Zeit (vor 1230), er wurde um zwei Joche erweitert. "Das war ganz großes Kino", sagt Polster. Die 1503 beendeten Arbeiten seien sehr komplex gewesen - "und wurden statisch super abgefangen". Dort grenze ein spätgotischer Teil an; die Südseite der Kirche sei schließlich der jüngste Bereich - er wurde Anfang des 19. Jahrhunderts erweitert. Das genaue Datum der Osterweiterung sei noch unklar. In diesem Zusammenhang, um 1836, seien auch neue, große Fenster eingebaut worden. Polster: "Bis dahin saßen die Leute in einer dunklen Kirche." Unklar sei indes die Entwicklung des nordöstlichen Pfeilers, im Bereich des Altars. "Hier kommen romanische und spätgotische Ansätze zusammen", sagt Polster und spricht von einem "großen Rätsel". Seine Erkenntnisse will er im Auftrag des Heimat- und Geschichtsvereins Heepen voraussichtlich 2019 in einem Buch veröffentlichen. Polster hat im Laufe seiner Berufsjahre auch schon Untersuchungen am Kölner Dom vorgenommen. "Da gibt es aber viel zu viele Besserwisser. Man kommt auf keinen grünen Zweig." In Heepen sei das anders. "Hier bin ich lieber als in Köln."

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