Erinnerung: Manfred Dittrich mit einem historischen Foto. Das große Schiff im Hintergrund ist die "Wilhelm Gusttloff", das kleine Schiff davor, das Torpedoboot T 36, das 564 Menschen beim Untergang der "Gustloff" rettete. - © Sarah Jonek
Erinnerung: Manfred Dittrich mit einem historischen Foto. Das große Schiff im Hintergrund ist die "Wilhelm Gusttloff", das kleine Schiff davor, das Torpedoboot T 36, das 564 Menschen beim Untergang der "Gustloff" rettete. | © Sarah Jonek

Bielefeld Bielefelder war bei Rettung der Menschen an Bord der Wilhelm Gustloff dabei

Der letzte Zeitzeuge

Thomas Güntter

Altenhagen. Manfred Dittrich ist einer der letzten Zeitzeugen, der der sinkenden "Wilhelm Gustloff" zu Hilfe kam. Den 30. Januar 1945 wird er wohl nie vergessen. "Wir lagen mit unserem Torpedo Boot T 36 im Hafen von Gotenhafen (heute Gdynia). Das Boot sollte eigentlich den Kreuzer "Admiral Hipper" begleiten. Allerdings wurde das Torpedoboot nur wenige Stunden später zur letzten Hoffnung für die Flüchtlinge der sinkenden "Wilhelm Gustloff". Manfred Dittrich, der vor wenigen Tagen seinen 90. Geburtstag feierte, wurde zum Augenzeugen einer der schwersten Schiffskatastrophen aller Zeiten. In diesem Jahr hat Dittrich seine Erinnerungen in dem Buch "Das letzte Torpedoboot" festgehalten. Erschienen ist es in diesem Jahr im Zeitreisen-Verlag in Bochum. Dittrich war damals Rudergänger auf T 36, also der, der das Schiff steuerte. Der etatmäßige Steuermann legte nach Anweisungen von Kapitänleutnant Robert Hering den Kurs fest. "Der Wind blies fast von vorn und hatte aufgefrischt", erinnert sich Dittrich an jene Nacht. Plötzlich sei der Funker auf der Brücke erschienen habe dem Wachoffizier gemeldet, dass auf der internationalen Welle SOS-Rufe von der "Wilhelm Gustloff" zu hören seien. Die "Gustloff" wurde von der Nazi-Organisation "Kraft durch Freunde (KdF) erst als Urlauberschiff eingesetzt. Später rüstete es die Marine zum Lazarettschiff um. Am 30. Januar 1945 wurde die "Gustloff" von drei Torpedos des sowjetischen U-Boots S 13 getroffen und sank. Vermutlich starben bei dem Unglück über 9.000 Menschen, nur etwa 1.230 überlebten. "Die Schreie werde ich nie vergessen" Der damals 18-jährige Manfred Dittrich stand auf der Brücke des Torpedobootes. Die "Gustloff" war hell erleuchtet. Die Wasserfläche war aufgewühlt von Menschen, die um ihr Leben kämpften. "Die Schreie werde ich nie vergessen." Frauen riefen nach ihren Kindern. Viele konnten nicht schwimmen und hielten sich an den anderen fest und zogen sie damit unter Wasser. "Viele Menschen hatten nicht einmal eine Schwimmweste an", beschreibt der Bielefelder die dramatischen Szenen. T 36 rettete 564 Passagiere aus den eiskalten Fluten. Mitten in die Rettungsaktion platzte die Meldung des Unterwasserhorchers: "Habe Echo aus 230 Grad. Wahrscheinlich U-Boot. Entfernung 600 Meter." Der Kapitän korrigierte den Kurs. "Der Bug des Torpedobootes sollte immer in Richtung U-Boot zeigen, um einen Angriff zu erschweren." Auf diese Weise verfehlten zwei Torpedos des U-Bootes ihr Ziel. Danach nahm T 36 Kurs auf die Insel Rügen. In den frühen Morgenstunden traf eine stolze, aber völlig erschöpfte Mannschaft auf Sassnitz ein. Ein Lazarettzug stand bereit, um die Schiffbrüchigen zu übernehmen. Dittrich, gebürtiger Dresdner, kam 1950 auf Umwegen nach Altenhagen und arbeitete als Busfahrer.

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