Max zieht seinem Herrchen Anthony Aristodemou die Schuhe aus. - © Andreas Zobe
Max zieht seinem Herrchen Anthony Aristodemou die Schuhe aus. | © Andreas Zobe

Bielefeld Dies dürfte einer der schlauesten Hunde Bielefelds sein

Der Verein „Apporte“ hat dem Heeper Anthony Aristodemou mit einem ausgebildeten Rollstuhlassistenzhund seinen größten Wunsch erfüllt

Alexandra Buck

Bielefeld. Wer hat eigentlich dieses unsägliche Stöckchenwerfen erfunden? Eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und Kränkung für jeden klugen Hund. Da hat es Max besser getroffen. Er bedient für sein Herrchen den Lichtschalter, zieht ihm die Schuhe von den Füßen und räumt die Waschmaschine aus – alles selbstverständlich gegen eine großzügige Entlohnung in Form feinster Lamm-Reis-Leckerchen. Seit einem Autounfall vor 30 Jahren sitzt Anthony Aristodemou im Rollstuhl. Zwar ist er noch recht beweglich für einen Rollifahrer, doch plagen ihn seit kurzem seine Hände. „Die Feinmotorik wird immer schlechter“, sagt Aristodemou. Es fällt ihm schwer, Dinge aufzuheben. Auch das An- und Auskleiden wird schwieriger. Seit sechs Wochen lebt eine ziemlich hübsch anzuschauende Pflegekraft bei dem schwerbehinderten Heeper. Der strohblonde Retriever Max, im zarten Alter von 15 Monaten und nach einer 16.000 Euro teuren Ausbildung bereits Fachkraft auf seinem Gebiet. Sein Beruf: Rollstuhlassistenzhund.20-seitiger Fragebogen Im Internet war Aristodemou auf den Verein Apporte mit Sitz in Wunstorf gestoßen, der Assistenzhunde vermittelt und finanziert. Wer einen Hund haben möchte, muss sich bewerben – und gegen das Prozedere ist jedes Assessment-Center ein Kindergeburtstag. Der Lebenslauf muss eingereicht und 20 Seiten mit Fragen beantwortet werden. Warum brauche ich so einen Hund? Kann ich für einen Hund sorgen? Was für einen Hund wünsche ich mir? Dann geht’s ins Trainingslager nach Österreich, wo Hund und Herr (oder Frau) einander kennenlernen und knifflige Tests absolviert werden müssen. Apporte arbeitet eng mit dem Verein „Partner-Hunde“ aus Österreich zusammen. Hier werden die Hunde gezüchtet und ausgebildet. „Eine anstrengende Zeit war das in Österreich, aber im positiven Sinne“, sagt Asistodemou.Kein Problem mit Scheckkarten Seither lebt Max in Heepen und bereitet seinen Herrchen große Freude. „Er ist ein Schmuser, das war mir wichtig.“ Wichtig war ihm auch, dass seine neue Hilfskraft aufhebt, was ihm runterfällt. Selbst schmale Scheckkarten liest Max vorsichtig auf. Er macht das Licht an und aus, schließt und öffnet Türen und das Beste: Max räumt die Waschmaschine aus. Weil Max allerdings ein schlauer Kerl ist, zupft er jeden Socken einzeln heraus. „Er weiß, dass er für jeden ’Handgriff’ ein Leckerchen bekommt.“ Außerdem darf Max mit in den Supermarkt. Aristodemou hat eine Bescheinigung vom Veterinäramt, dass sein Assistent mit einkaufen gehen darf. Und im Flugzeug dürfte Max theoretisch im Passagierraum mitfliegen – und müsste nicht im kühlen Flugzeugbauch ausharren. „Das haben wir allerdings noch nicht getestet.“ Max ist also offenbar in persönlicher als auch fachlicher Hinsicht ein Glücksgriff. „Er ist unwahrscheinlich lieb und freundlich, wir haben ihn jetzt schon furchtbar lieb und würden ihn niemals wieder hergeben.“

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