Gern gesehener Gast: Henning Schnittger (rechts) mit einem Äthiopier, der die deutschen Mediziner fährt. Schnittger trägt natürlich das Shirt seiner Handball-Mannschaft, der TSG Altenhagen-Heepen. - © privat
Gern gesehener Gast: Henning Schnittger (rechts) mit einem Äthiopier, der die deutschen Mediziner fährt. Schnittger trägt natürlich das Shirt seiner Handball-Mannschaft, der TSG Altenhagen-Heepen. | © privat

Heepen Ein Heeper Hausarzt in Äthiopien

Chirurg Henning Schnittger (56) fliegt am Montag nach Äthiopien. Dort schult er mit anderen Medizinern Krankenhauspersonal

Ariane Mönikes

Heepen. Die Koffer sind bereits gepackt, am Montag steigt der Heeper Arzt Henning Schnittger dann in Frankfurt ins Flugzeug Richtung Addis Abeba. Schnittger ist Mitglied der Äthiopienhilfe Steinheim, die in Afrika drei Kliniken unterstützt. Es ist sein siebter Einsatz dort, zwei Wochen wird er vor Ort sein. "Die Preise in Äthiopien sind massiv gestiegen, die Personalkosten sind teilweise um 60 Prozent in die Höhe gegangen", erzählt Schnittger. "Trotzdem können wir immer noch die medizinische Versorgung von etwa 40.000 Menschen im äthiopischen Hochland sicherstellen." Und dazu noch andere Projekte anstoßen. So wurde Schnittger und seinen Mitstreitern vor etwa drei Jahren ein sogenannter Schulkindergarten gezeigt, wo 80 Kinder auf der Erde hockten. "Viele Eltern schicken ihre Kinder nur zur Schule, weil sie dort auch eine Mahlzeit - Brot und Wasser - bekommen." Fällt das Essen weg, kommen sie nicht. Die Katholische Kirche plante damals einen Neubau und zeigte den Mitgliedern der Äthiopienhilfe die Pläne. "Der Kostenvoranschlag lag jedoch jenseits von Gut und Böse", sagt Schnittger. "Letztendlich konnten wir die Kirche überzeugen, nachzuverhandeln, und einen Teil in Eigenleistung zu erbringen." Es wurde gebaut, obwohl die Äthiopienhilfe die Gelder noch gar nicht komplett zusammen hatte. "Die Menschen dort aber vertrauen uns." Zu Recht. Die benötigten Gelder konnten bei Schulläufen gesammelt werden, noch im vergangenen Jahr wurde das Gebäude eingeweiht. "Dann zeigte uns im letzten Jahr ein Priester seine Gemeinde", erinnert sich Schnittger an den Aufenthalt im vergangenen Jahr. "Nach 40 Minuten Fahrt von Burat über staubige Straßen erreichten wir auf einem Höhenzug einen unwirklich wirkenden Ort: Wogepecha." Neben einem Wald mit uralten riesigen Bäumen, haushohen Kakteen, wurden in einem maroden Lehmgebäude 100 Kinder unterrichtet. Und auch hier wurden Schnittger & Co. gefragt, ob sie nicht ein neues Schulgebäude, Stromversorgung und eine Wasserleitung bauen könnten. Zunächst fühlten sie sich doch recht überrumpelt, doch dann hätten sie nach einer kleinen Vorstandskonferenz beschlossen, zumindest für ein Jahr das Schulessen zu zahlen. Inzwischen haben sich für beide Schulen Spender gefunden, die das Essen für die nächsten drei Jahre garantieren. Von den Spendengeldern unterstützt die Äthiopienhilfe auch weitere Projekte. So werden drei Studenten in Addis Abeba gefördert, die später an einer der Kliniken in Burat, Dakuna und Galiye Rogda arbeiten sollen. Von der Hilfe aus Deutschland profitieren auch 123 Frauen in Burat, die sich von 50 Euro (25 als Geschenk, 25 als zinsloses Darlehn) eine Zukunft aufbauen. Sie töpfern oder züchten Hühner. "Dieses Projekt zeigt schon messbaren Erfolg: Seit letztem Jahr können endlich alle Mütter ihre Kinder zur Schule schicken", berichtet Schnittger. Diesmal kommen auch drei Medizinstudenten mit, die in Attat im Krankenhaus ein Praktikum machen wollen. Am 21. März geht es für die Mediziner zurück nach Deutschland. Schnittger, der in einer Hausarztpraxis in Heepen arbeitet, nimmt sich für den Einsatz in Äthiopien extra Urlaub. Er könnte auch am Strand liegen - das sei aber nicht sein Ding. "Ich habe einfach ein besseres Gefühl, wenn ich den Menschen dort helfe", sagt er. Das sei für ihn Urlaub. Im kommenden Jahr wird er ganz sicher auch wieder nach Afrika fliegen.

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