Hat ein 3,4 Hektar großes Grundstück an der Stadtbahnhaltestelle Buschbachtal: Detlef Wittig ist auf dem Hof Pottkamp aufgewachsen. Kommt Wohnbebauung, wird der eventuell dem Erdboden gleichgemacht. Noch aber hat Wittig nicht verkauft. - © Christian Weische
Hat ein 3,4 Hektar großes Grundstück an der Stadtbahnhaltestelle Buschbachtal: Detlef Wittig ist auf dem Hof Pottkamp aufgewachsen. Kommt Wohnbebauung, wird der eventuell dem Erdboden gleichgemacht. Noch aber hat Wittig nicht verkauft. | © Christian Weische

Milse Das ist die sinnloseste Stadtbahn-Haltestelle Bielefelds

Buschbachtal: Anwohner Detlef Wittig würde seine Fläche verkaufen - aber fühlt sich von der Stadt verschaukelt

Ariane Mönikes

Milse. Die Massen sind es nicht, lediglich ein paar Fahrgäste, die an der Haltestelle Buschbachtal aussteigen: Seit dem 6. Dezember 2015 fährt die Stadtbahn bis zur Moenkamp-Siedlung in Altenhagen, zwischen den Haltestellen Milse und Altenhagen wurde die Haltestelle Buschbachtal gebaut. Denn: Rundherum soll gebaut werden. Doch auch mehr als zwei Jahre nach Inbetriebnahme der Verlängerungsstrecke ist davon noch nichts zu sehen. Detlef Wittig (62) lebt auf einem angrenzenden Hof, in Milse Pottkamp genannt. 3,4 Hektar zwischen Milser Straße und Stadtbahntrasse gehören ihm. Weitere Flächen, auf denen gebaut werden soll, sind im Besitz von zwei weiteren Landwirten. Wittig würde verkaufen, aber nicht um jeden Preis. "Ich habe vier Möglichkeiten", sagt er. Die eine sei, einen Hektar Land an einen Investor zu verkaufen, der dort einen Supermarkt bauen würde. Angebote gibt es, so Wittig. Die zweite Möglichkeit wäre eine Bebauung, in der sein Hof mit einem Biergarten eingebunden würde. "Dann könnte ich hier bleiben, bis ich alt werde", sagt Wittig. Möglichkeit drei, von der er spricht, sei eine Umsiedlung seines Hofes zum Großen Holz. Dort hatte Wittig schonmal Land besessen, jetzt aber gehöre es der Stadt. Eine vierte Möglichkeit, die sich Wittig vorstellen kann, sei ein kompletter Verkauf seiner 3,4 Hektar. Dann müsste er sich eine neue Bleibe suchen. "Da passen aber die Konditionen nicht", erklärt er. Er spricht von 2 Millionen Euro, die ihm schon geboten worden seien. "Das Finanzamt will davon aber was abhaben." Übrig bliebe kaum mehr als eine Million - zu wenig, findet er. Laut Wittig stehen die Investoren bei ihm Schlange. "Das ganze kommt aber nicht voran, weil die Stadt nicht aus den Puschen kommt", sagt er. "Ich habe das Gefühl, man will mich hier weghaben." So habe er gerade Ärger wegen einer kleinen Schotterparkfläche vor seiner Tür. "Die Stadt schikaniert mich", behauptet er und regt an, sich doch mal in Milse vor Ort zu treffen und mit allen Parteien vernünftig über den Verkauf zu sprechen. Laut Bauamtsleiter Dieter Ellermann läuft die vorbereitende Planung für das Wohngebiet in Milse. Alles steht und fällt aber mit dem Verkauf der Flächen. Und der stockt. Denn es gebe einen Landwirt, der unschlüssig sei, ob er verkauft oder eben nicht. Ellermann aber ist zuversichtlich, dass rund um die Haltestelle Buschbachtal so schnell wie möglich gebaut werden kann. "Wenn die Flächen verkauft sind, wird es flott gehen", sagt er. Heepens Bezirksbürgermeister Holm Sternbacher (SPD) ist ebenfalls guter Dinge: "Wir wollen bloß keinen Flickenteppich haben", sagt er. Detlef Wittig hängt an dem Hof mit seinen zwei Scheunen, Haupthaus und Schafstall. Gebaut wurde er 1570, Wittig ist dort aufgewachsen. Für einen Fußweg, der zur Haltestelle Buschbachtal führt, hat er schon Land abgegeben, erzählt er. Eine Schikane des Bauamtes gegen Wittig weist Dieter Ellermann übrigens entschieden zurück. "Da ist nichts dran."

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