So könnte es in Altenhagen aussehen: In der Machbarkeitsstudie wurden Ideen vorgestellt. Wo heute das Kirchenschiff steht, sollen Wohnungen entstehen. Dafür werde ein etwa 100 Quadratmeter großer Raum neben dem Kirchturm gebaut. - © Brüchner-Hüttemann-Pasch
So könnte es in Altenhagen aussehen: In der Machbarkeitsstudie wurden Ideen vorgestellt. Wo heute das Kirchenschiff steht, sollen Wohnungen entstehen. Dafür werde ein etwa 100 Quadratmeter großer Raum neben dem Kirchturm gebaut. | © Brüchner-Hüttemann-Pasch

Altenhagen Weitere Bielefelder Kirche soll abgerissen werden

Presbyterium und Pfarrer Udo Schneider haben den Gemeindemitgliedern eine Machbarkeitsstudie zur Zukunft der Altenhagener Kirche vorgestellt. Mehr Platz für Wohnungen soll geschaffen werden

Alexander Lange

Altenhagen. Die Zukunft der Altenhagener Kirche bleibt ungewiss. Doch der Standpunkt von Presbyterium und Pfarrer Udo Schneider auf der Gemeindeversammlung war deutlich: Ändert sich nichts, steht die Gemeinde vor dem Aus. Bereits 2016 hatten die Verantwortlichen der Gemeinde beim Architekturbüro Brüchner-Hüttemann-Pasch eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Mittelpunkt sei die Frage, unter welchen Umständen der Kirchen-Standort Altenhagen erhalten bleiben könne. "Die rückläufige Zahl der Gemeindemitglieder und das sinkende Interesse an kirchlichen Veranstaltungen hat die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen", sagte Uwe Moggert-Seils, Pressesprecher des Kirchenkreises Bielefeld. Die Mitgliederzahlen der Gemeinde sind nämlich von 3.200 (1970) auf etwa 1.950 (Schätzung 2017) geschrumpft. "Die Machbarkeitsstudie ist aber nur eine vorläufige Idee und nicht in Stein gemeißelt", erklärte Presbyter Mike Willner. Die Studie im Überblick: Mittelpunkt und Streitthema zugleich bei der Gemeindeversammlung war die Zukunft des Kirchenschiffes. Die Studie sieht einen Abriss des knapp 450 Quadratmeter großen Gebäudes vor. Der Erhalt des Gebäudes sei aus finanzieller Sicht nicht mehr tragbar, erklärte Pfarrer Schneider. Als Alternative zum möglichen Abriss des Kirchenschiffes würde ein etwa 100 Quadratmeter großer Gemeinderaum neben dem Kirchturm entstehen. Dieser diene dann nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für kleinere Veranstaltungen und Treffen. Pfarrer Schneider: "Es ist klar, dass dort keine Konzerte des Posaunenchores oder Weihnachtsgottesdienste stattfinden können." Eine engere Kooperation mit den Nachbargemeinden aus Milse und Brake sei geplant. An Ort und Stelle, wo zur Zeit noch das Kirchenschiff steht, sollen laut der Studie Wohnungen und Reihenhäuser entstehen, erläuterte Mike Willner. Gleiches gilt für die Gebäudezeile an der Studiostraße, wo sich zur Zeit zwei Wohnungen sowie Jugendräume, der Eltern-Kind-Raum und der Clubraum befinden. "Ein Teil dieser Räume wird momentan quasi nicht genutzt", so Schneider. Die Machbarkeitsstudie sieht dort einen Teilabriss und einen Neubau von Wohnungen in einer Größe von 70 bis 106 Quadratmetern vor. "Insgesamt würden dann etwa 17 Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 1.608 Quadratmetern auf dem Gelände stehen", sagte Willner. Die Machbarkeitsstudie sieht einen Erhalt für die nächsten 50 Jahre vor. Eine Renovierung der bestehenden Gebäude samt Kirche komme nicht infrage. "Momentan kosten uns alle Gebäude, die Wohnungen außen vor, 20.580 Euro pro Jahr", sagt Willner. "Würden wir alles renovieren und dabei die Wärmeisolierung und den Brandschutz außen vor lassen, würde das alleine 230.000 Euro kosten." Noch dazu seien Gebäudekosten (20.580 Euro) und Personalkosten (45.000 Euro) momentan weitaus höher als die jährlichen Einnahmen (56.000 Euro). Bei Realisierung der Machbarkeitsstudie kämen Kosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro auf den Kirchenkreis zu. "Die Gemeinde Altenhagen muss das nicht bezahlen", sagt Moggert-Seils. Lediglich Instandhaltungskosten in Höhe von 3.000 Euro würden auf die Gemeinde zukommen. "Die Mietbauwohnungen sollen den Standort auf Dauer tragen", erklärte Mike Willner. Knapp 120 Zuhörer zählte die Gemeindeversammlung, die sehr emotionsgeladen war. Organistin Martina Künsting kritisierte die Machbarkeitsstudie scharf, sie sei zum Nachteil des Posaunenchores: "Man sollte lieber den Kirchturm abreißen und das Kirchenschiff erhalten." Harald Willmann, ehemaliger Presbyter der Gemeinde: "Eine Kirche mit einem-100-Quadratmeter-Raum ist tot." Mögliche Alternativen zur Machbarkeitsstudie werden in den kommenden Wochen geprüft, kündigte Mark Brüning als Bauberater des Kirchenkreises an.

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