Mädchen mit Einheitsfrisur: Rhoda, Rosella, Richlla und Lois, auf dem Schoß von Mama Patience Badu und Papa Justice Sarpong. Sarpong hat die Familie am Samstag verlassen, als der Termin für die Abschiebung bekannt wurde. Die Familie lebt in Altenhagen, soll aber am Mittwoch nach Ghana abgeschoben werden. - © Oliver Krato
Mädchen mit Einheitsfrisur: Rhoda, Rosella, Richlla und Lois, auf dem Schoß von Mama Patience Badu und Papa Justice Sarpong. Sarpong hat die Familie am Samstag verlassen, als der Termin für die Abschiebung bekannt wurde. Die Familie lebt in Altenhagen, soll aber am Mittwoch nach Ghana abgeschoben werden. | © Oliver Krato

Bielefeld Drama um Bielefelder Familie vor der Abschiebung: Vater lässt Mutter und vier Kinder sitzen

Patience Badu (24) und ihre Töchter müssen am Mittwoch zurück nach Ghana. Ihre Unterstützer hoffen noch auf ein Weihnachtswunder, aber die Asylrechts-Lage ist ernüchternd

Ansgar Mönter
Dennis Rother

Bielefeld. Weihnachten 2017 werden Patience Badu und ihre vier Töchter mutmaßlich lange in Erinnerung behalten. Es dürften traurige, traumatische Tage werden. Denn die 24-Jährige aus Ghana soll mit ihren Kindern am Mittwoch nach zehn Jahren in Europa in die Heimat abgeschoben werden – und damit ins Nichts. Als der Termin bekannt wurde, hat obendrein Justice Sarpong (38), der Vater der Kinder, die Koffer gepackt und ist abgehauen. Sein Aufenthaltsort: unbekannt. Unterstützer hoffen, dass die Familie doch noch in Bielefeld bleiben darf. Es wäre ein Weihnachtswunder, denn die Rechtslage ist ernüchternd. Badu und Sarpong hatten nie eine Chance auf Asyl. Acht Jahre lang haben sie in Italien gelebt, als Wanderarbeiter. Dort sind die vier Mädchen geboren: die Drillinge Rhoda, Rosella und Richlla 2012, Lois 2014. 2015 verloren sie ihre Arbeit in Italien. Sie machten sich auf nach Deutschland im Strom der vielen, die in dem Jahr als Asylbewerber kamen. Also stellten auch sie einen Antrag. Die Familie landete in Bielefeld, genauer in Altenhagen, wo sich der Verein „Altenhagen weltoffen und hilfsbereit" um sie kümmert. Er organisiert Sprachunterricht, hilft bei der Unterbringung der Mädchen und bei Behördenangelegenheiten. "Sie fangen an, sich richtig gut bei uns einzuleben" Ulrike Bentrup ist eine der Helferinnen. Sie zuckt mit den Schultern, wenn sie an die Familie denkt. Dass das Asylticket nicht zu haben ist, das haben sie und ihre Mitstreiter akzeptieren müssen. Dennoch wünschen sich die Altenhagener, dass die Familie bleiben darf: „Sie fangen gerade an, sich richtig gut bei uns einzuleben", betont Bentrup. Vater Justice Sarpong hatte bis zum vergangenen Samstag, dem Tag seiner überstürzten Flucht, Arbeit in Steinhagen. Er war Metallschleifer. Sein Gehalt lag bei knapp über 1.000 Euro monatlich. Für die Familie reichte es noch nicht. Geld vom Sozialamt kam hinzu, etwa 400 bis 600 Euro. Justice Sarpong habe am Samstag quasi als letzte Worte gesagt, dass er Hilfe für die Familie auftreiben wolle, berichtet Ulrike Bentrup. Sie habe noch mitbekommen, wie Sarpong seine Sachen zusammengeklaubt hat. Niemand habe ihn umstimmen können. Seit Samstag gebe es keinen Kontakt mehr. Er hat die Familie schlicht im Stich gelassen, fürchten die Altenhagener Unterstützer. Anwältin: Ghana 
gilt als sicheres Herkunftsland Mutter Patience Badu würde auch gerne arbeiten. Sie will eine Ausbildung als Altenpflegehelferin machen. Solche Leute werden gesucht. „Eine Ausbildungsstelle hat sie, beim DRK, für den schulischen Part stellt Bethel einen Platz zur Verfügung", sagt Ulrike Bentrup. Zugleich werden die Kinder in der Kita der AWO betreut. Sie fangen an, Deutsch zu sprechen. Es wird besser mit ihnen nach anfänglichen Schwierigkeiten, wie die Helferinnen sagen. Doch das alles ist nun wohl vorbei. „Wir haben einen Antrag auf Ausbildungsduldung gestellt", sagt Bentrup. Er wurde abgelehnt. So etwas gebe es nicht für die ganze Familie.Rein rechtlich sei das alles nachvollziehbar. Das weiß auch die Vereinsvorsitzende Hedda Kagelmacher. Dennoch hat „Altenhagen weltoffen" die Sache jüngst Anwältin Erika Reiswich übergeben. Viel Hoffnung machte sie Kagelmacher, Bentrup und Co. indes nicht, denn Ghana werde als sicheres Herkunftsland ausgewiesen. Die Aussichten, dass die junge Familie dauerhaft in Deutschland bleiben kann, seien „wenig erfolgversprechend", sagt Reiswich. Humanitärer Hilferuf in rechtlich aussichtsloser Lage Im Grunde ist Kagelmachers und Bentrups Engagement für die Familie also ein „humanitärer Hilferuf". So nennen sie es auch selbst. Die Altenhagenerinnen sehen die Bemühungen der Eltern, sich zu integrieren, zu arbeiten, deutsch zu lernen. Und sie sehen die vier Mädchen, die sich langsam zurecht finden in ihrer Umgebung. Den Weg der Familie würden die Helferinnen gerne weiter begleiten. Nach aktuellem Stand waren die Bemühungen und Wünsche trotz Appellen an die Stadt aber erfolglos. In Ghana erwarte die Familie nach eigenen Angaben Hoffnungslosigkeit. Dort hätten sie kaum noch Verwandte und schon gar keine finanzielle Basis für ein Leben. Deshalb wollen sie hier bleiben – und hier arbeiten für ihren Lebensunterhalt.

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