Rudolf Wittler (82) erinnert sich an viele Stunden im Krieg im Bethel-Stollen. - © FOTO: KURT EHMKE
Rudolf Wittler (82) erinnert sich an viele Stunden im Krieg im Bethel-Stollen. | © FOTO: KURT EHMKE

Gadderbaum "Hoffentlich brauchen wir das nie, nie wieder"

Rudolf Wittler (82) über die Zeit im Bethel-Stollen

Gadderbaum. "Der Bethel-Stollen war im Krieg unser Stammstollen." Das sagt Rudolf Wittler, heute 82 Jahre als, damals ein Junge von 14, 15 Jahren. Er erinnert sich an viele Details sehr genau – und trifft sich am Stollen mit der NW und Bärbel Bitter von der Historischen Sammlung Bethel.

Im Zweiten Weltkrieg flüchtete sich Wittler mit seiner Mutter immer wieder in den Bethel-Stollen (NW, 13. November). Er erinnert sich daran, dass er sich hier "immer absolut sicher gefühlt hat". Das unterscheidet ihnvon anderen Zeitzeugen, die immer ein mulmiges Gefühl im Stollen hatten. Blickt Wittler
heute auf den Zionsberg und den Eingang zum Stollen, ist auch er anderer Meinung: "Da ist ja nicht viel Berg über dem Stollen – das wirkte früher anders." Aber: "Zum Glück fiel bei mir nie eine Bombe auf den Stollen."

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Er, der unten am Haller Weg wohnte, erinnert sich nicht an Betten im Stollen, wohl aber an einfache Bänke, "so Bretter, die auf Böcken auflagen". Kam über den Luftlagesender primadonna Alarm, ging es rüber nach Bethel. "Einmal war der Stollen voll, da hat man uns vorne abgewiesen." Wittler: "Irgendwann wurde zugemacht." Bärbel Bitter dazu: "Mir hat jemand berichtet, dass in solchen Fällen Mütter ihre Kinder durch die Lüftungsschächte nach unten gereicht haben – und das waren ja etliche Meter." Eine schlimme Vorstellung, findet Bitter; und Wittler nickt. "Aber in der Not."

Wittler erinnert sich, dass viele Frauen sogenannte Bückeburg-Hocker mitbrachten. Einfache Hocker mit drei Beinen, gekauft im Jahr 1936. "Da war Hitler nach Bückeburg gekommen – und es gab für eine Mark den Hocker zu kaufen." Wittler zynisch: "Jaja, einmal Hitler sehen – und sterben."

Während andere Zeitzeugen davon berichten, dass für den Bethel-Stollen sogenannte Stollenkarten ausgegeben worden waren, sagt Wittler: "Ich wurde nie danach gefragt und musste nie eine Karte vorzeigen – vielleicht, weil ich ein kleiner Junge war." Ob es den langen Seitenarm Richtung Waldlabor gab, kann er nicht sicher sagen, "es wurde aber sehr viel von diesem Stollen gesprochen".

Meistens also flüchtete sich Wittler in den Bethel-Stollen, einmal aber auch in einen gerade erst im Bau befindlichen Stollen am Langenhagen. "Es gab einen Panzeralarm, und ich konnte das Rasseln der Panzer schon hören." Zu knapp die Zeit für den Weg nach Bethel."

War Schule, flüchteten sich die Jugendlichen in der Aufbauschule (heute Bodelschwingh-schule) in den Schutzkeller. "Dann las unser Lateinlehrer, wir nannten ihn Hannibal, immer aus dem Kasper vor". Wittler erinnert sich genau: "Wurde seine Stimme leiser, wussten wir, dass es ernst wurde." Einmal, als der Eggeweg in Flammen aufging, sei eine Brandbombe bis an die Schutztür gerollt, "aber es ist nichts passiert".

Wittler kann gut über seine Zeit im Bethel-Stollen sprechen, hat den Krieg verarbeitet. Erstmals flüchtete er sich am 30. September 1944 in den Stollen, zum letzten Mal am 30. April 1945. Sein Fazit: "Hoffentlich brauchen wir das nie, nie wieder."

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