Präses Annette Kurschus, hat eine Modernisierung des traditionellen
Familienbildes gefordert - © FOTO: DPA
Präses Annette Kurschus, hat eine Modernisierung des traditionellen
Familienbildes gefordert | © FOTO: DPA

Bielefeld-Bethel Westfälische Präses mahnt modernes Familienbild an

Positionspapier wird Freitag auf der Synode in Bielefeld vorgestellt

Bielefeld (lnw). Das Oberhaupt der westfälischen Kirche, Präses Annette Kurschus, hat eine Modernisierung des traditionellen Familienbildes gefordert. Für viele Menschen bedeute Familie auch heute noch "Vater, Mutter, Kinder", sagte Kurschus der Nachrichtenagentur dpa. Und oft habe der Begriff ganz stark mit eigenen Nachkommen zu tun. Aber: "Die Bibel gibt uns kein festes Familienbild vor".

"Familie sind die Menschen, die für mich da sind und für die ich da bin", definiert Kurschus ihr persönliches Familienbild. "Wir tragen füreinander Verantwortung. Familie ist da, wo ich die sein kann, die ich bin." Familie müsse man auch nicht ständig neu verabreden. "Sondern sie ist da, da gehöre ich hin. Und das müssen nicht unbedingt Blutsverwandte sein." Die Evangelischen Landeskirchen von Westfalen und Lippe wollen sich in den nächsten Monaten mit dem Thema "Familie heute" befassen.

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Ein erstes, 80-seitiges Positionspapier wird an diesem Freitag auf der Synode in Bielefeld vorgestellt.

"Wenn ich gefragt werde: Hast du Familie?, heißt das: Bist du verheiratet, hast du Kinder?", berichtete Kurschus, die unverheiratet und kinderlos ist. Natürlich habe sie dennoch Familie: "Ich habe eine Herkunft, ich habe das beschriebene Netz." Dennoch spüre sie bei solchen Fragen unwillkürlich einen Rechtfertigungsdruck: "Ist mit mir etwas falsch, weil ich nicht dem gängigen Familienbild entspreche?" "Und dann gibt es dieses blöde Klischee: Na ja, Sie haben sicherlich keine Familie, weil Sie Karriere machen wollen", sagte Kurschus. "Das ist absurd." So einfach sei das Leben nicht gestrickt.

Die Debatte über ein modernes Familienbild umfasse ein reiches Spektrum, sagte die 49-Jährige. Dazu gehöre auch die Frage nach gleichgeschlechtlichen Partnerschaften. "Aus der Bibel lässt sich nicht die Frage beantworten, ob man gleichgeschlechtliche Paare trauen sollte." Es könne aber sicherlich nicht sein, "dass in der Kirche Menschen benachteiligt werden wegen ihrer geschlechtlichen Orientierung".

"Wenn es der Wunsch eines gleichgeschlechtlichen Paares ist, dass Nachkommen bei ihnen aufwachsen, dann mag das auch gut so sein. Ich möchte mir da kein Urteil anmaßen", betonte Kurschus. Das Thema sei auch für viele in ihrer Kirche recht neu. "Viele spüren: "Der Gedanke ist für mich ungewohnt. Zugleich weiß ich, eigentlich ist das in Ordnung"." "Unser verengter Familienbegriff spiegelt sich auch in unseren kirchlichen Angeboten", räumte die Präses ein. Der Gottesdienst für die Familie richte sich meist an Kinder, Eltern und Großeltern. Bei Taufen und Konfirmationen kämen aber oft Patchworkfamilien zusammen.

"Wie gehen wir damit um?" Die Debatte über die Familie werde in einem Jahr nicht zu Ende sein. "Das Familienbild weiterzuentwickeln ist keine Aufgabe eines Jahres, sondern eine Daueraufgabe."

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