Frustriert: Elke Lengnick hätte gerne weitergemacht in der Traditionsgaststätte „Am Dreesgen" – aber die Stadt hat ihr vor drei Monaten die Konzession entzogen. Lärmprobleme und das Rauchen in der Kneipe waren ein Dauerthema. „Wirtschaftlich lief es gut." - © Kurt Ehmke
Frustriert: Elke Lengnick hätte gerne weitergemacht in der Traditionsgaststätte „Am Dreesgen" – aber die Stadt hat ihr vor drei Monaten die Konzession entzogen. Lärmprobleme und das Rauchen in der Kneipe waren ein Dauerthema. „Wirtschaftlich lief es gut." | © Kurt Ehmke

Gadderbaum Rauch und Lärm: Traditionskneipe Dreesgen muss schließen

Eigentümerin und Wirtin Elke Lengnick (62) ist enttäuscht und sucht nun einen Nachfolger

Kurt Ehmke

Gadderbaum. Anfang der 60er Jahre wurde nach gut 40 Jahren aus einem kleinen Kolonialwarenladen am Eggeweg eine Gaststätte. „Am Dreesgen" hieß sie. Nun, etwa 55 Jahre später, ist die Kneipe zu. „Uns wurde vor drei Monaten die Konzession entzogen", sagt Wirtin und Eigentümerin Elke Lengnick. Sie steht vor dem Ruin, hat sie doch vor einigen Jahren das Gebäude gekauft und ist nun hoch verschuldet. Das Aus hat viele Facetten. Eine: Offenbar über viele Jahre wurde das Nichtraucherschutzgesetz mehr oder weniger dürftig eingehalten. Schon immer war der Dreesgen dafür bekannt, dass hier quasi jeder raucht. „Nur ich nicht, ich bin Nichtraucherin", sagt Lengnick. Hinzu kamen offenbar immer wieder Klagen eines Nachbarn, der gegen Lärm anging. Standen Raucher vor der Tür, gab es laut Lengnick (62) Ärger, weil Gespräche zu laut gewesen seien. Wurde im Biergarten geklönt, sei auch das dem Nachbarn zu laut gewesen. Wurde drinnen geraucht, „waren die Spitzel des Ordnungsamtes hier und haben uns das Leben schwer gemacht", klagt die Wirtin. Sie findet auch, dass sie nicht dafür verantwortlich gemacht werden könne, „wenn Gäste nach dem Besuch bei uns viel weiter unten am Eggeweg das Singen anfangen". Im Frühjahr hatte es einmal Klagen gegeben: Angeblich seien rechtsnationale Gesänge am Eggeweg angestimmt worden. Lengnick ärgert sich über den Nachbarn und die Stadt. Sie findet, dass eine alteingesessene Gaststätte auch mit gewissen Dingen einhergehe – Gäste, die sich im Biergarten und auch mal vor der Tür unterhalten, gehörten nun einmal dazu. Sie berichtet, dass ihr Partner, Bernhard Meyer, sogar ein Betretungsverbot für die Gaststätte erhalten habe. 2005 hatten Lengnick und er den Dreesgen übernommen, ihm sei später vom Ordnungsamt – wegen des Ignorierens des Nichtraucherschutzgesetzes – die Arbeit untersagt worden, sagt Lengnick. Sie ist enttäuscht, sagt: „Wir fühlen uns hier in Gadderbaum schon etwas im Stich gelassen." Ihre Kneipe sei ein echter Traditionsbetrieb. Früher, da gab es im Dreesgen ganz klassisch Zwiebel-Schnitzel mit Schnaps und Pils, Sparfächer und Spielautomaten – und es wurden Fußball und Formel 1 geschaut. Auch ein Dart-Klub traf sich hier regelmäßig zum Üben. Jetzt ist das Leben raus aus dem Dreesgen. Viele Nachbarn hätten sie angesprochen und bedauerten die Entwicklung. Doch es gibt ein wenig Hoffnung: Lengnick bemüht sich um einen Käufer für den fast 100 Jahre alten Dreesgen-Komplex – und hofft, dass der dann neues Leben in die Traditionsgaststätte bringen kann. Es gebe Gespräche. Wer ebenfalls Interesse hat, kann sich unter Tel. (05 21) 9 88 98 30 an Elke Lengnick wenden. Die im Ordnungsamt zuständige Ina Hempelmann war gestern für die Redaktion leider nicht zu erreichen – es könnte sich um den ersten Konzessionsentzug in Bielefeld wegen Verstößen gegen das Nichtraucherschutzgesetz handeln.

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