Dothanschule, - © Foto: Andreas Zobe
Dothanschule, | © Foto: Andreas Zobe

Bielefeld Schule im Krankenhaus

Dothanschule Bethel: Kinder, die länger als vier Wochen stationär behandelt werden, werden hier unterrichtet. Seit Februar ist Schulleiter Markus Brauer im Amt

Ariane Mönikes

Bielefeld. Für Johannes (7) ist es heute der zweite Schultag. Jule Sundermann (19), die ihren Bundesfreiwilligendienst in Bethel macht, sitzt mit ihm auf dem flauschigen Teppich im Klassenzimmer, ein heller Raum mit Puppen, Bauklötzen und ganz viel Unterrichtsmaterial in den Regalen. Mathe steht an diesem Morgen auf dem Programm, ein Heft mit Aufgaben liegt vor ihnen. Johannes ist Schüler der Dothanschule in Behel, er ist Patient der Fachklinik für Epilepsie. „Bei uns werden Schüler unterrichtet, die aufgrund unterschiedlicher Erkrankungen stationär behandelt werden", erklärt Schulleiter Markus Brauer. Wer seine Stammschule mindestens vier Wochen nicht besuchen kann, kommt hierher. Brauer ist neu an der Dothanschule. Nachdem der langjährige Schulleiter Jürgen Sprute Ende Januar in den Ruhestand gegangen war, übernahm der 39-jährige Bielefelder. Brauer war zuvor Stufenleiter der Mamre-Patmos-Schule, hat dort bereits Leitungserfahrungen sammeln können. Die Verweildauer an der Schule ist unterschiedlich lang 50 Schüler aller Schulformen besuchen aktuell die Dothanschule, zehn Lehrer unterrichten an drei Standorten. Die Verwaltungsräume befinden sich im Klinikum Mara. Es ist gleichzeitig auch Schulstandort: Unterrichtet werden hier Kinder und Jugendliche mit epileptologischen Erkrankungen. Eine weitere Zweigstelle ist an der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Königsweg, der dritte Schulstandort ist in der Kinderklinik am Grenzweg. Brauer: „Hier werden überwiegend Kinder und Jugendliche mit onkologischen oder psychosomatischen Erkrankungen beschult." Die Verweildauer an der Schule ist unterschiedlich lang, pro Jahr sind es etwa 350 Schüler, die unterrichtet werden, erklärt Barbara Manschmidt, Geschäftsführerin des Betheler Stiftungsbereichs Schulen. Bei Kindern und Jugendlichen aus der Tagesklinik kann es auch mal ein Vierteljahr sein. Meist gibt es Einzelunterricht Die Lehrer müssen in der Lage sein, den Stoff aller Schulformen, egal ob Gymnasium, Grund-, Haupt-, Real-, oder Förderschule, zu vermitteln, erklärt Brauer. Schwerpunkte liegen auf den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch. „Die Schüler werden aber auch auf Prüfungen in Biologie oder Geschichte vorbereitet", sagt er. Bei Johannes ist das noch nicht Thema. Er steckt im Klassenzimmer grüne Klötze ineinander. Das Lernspielzeug hilft ihm, das Zahlensystem besser zu verstehen. Die Aufgaben im Heft muss er trotzdem lösen. „Die meisten Schüler bringen das Material ihrer Stammschulen mit nach Bethel", erklärt Brauer. Die Betreuung ist sehr intensiv, oft gibt es Einzelunterricht. Gruppenunterricht sei nur schwer möglich, weil die Schüler eben unterschiedliche Voraussetzungen hätten. „Die individuelle Förderung steht bei uns im Mittelpunkt", sagt Brauer. Ziel sei es, kranke Schüler so zu stabilisieren und zu fördern, dass sie auch bei längerer Abwesenheit von der Schule ohne Brüche zurückkehren können, erklärt Barbara Manschmidt. Johannes hat Glück: Er kann selbstständig in die Schule kommen. Es gibt aber auch Kinder, die am Krankenbett unterrichtet werden, erzählt Brauer. Etwas Normalität im Krankenhaus Die Dothanschule ist eine von gut 40 Schulen für Kranke (SfK) in NRW, im Regierungsbezirk gibt es neben Bielefeld vier weitere: in Bad Oeynhausen, Bad Salzuflen, Höxter und Paderborn. Die Schüler kommen aus ganz Deutschland. „Wir haben es daher immer wieder mit anderen Schulsystemen zu tun", sagt Brauer. Denn Bildungspolitik ist Ländersache, gerade im Förderschulbereich gebe es unterschiedliche Begrifflichkeiten. Die Ferien an der Dothanschule aber orientieren sich an denen des Landes NRW. Auch wenn die Kinder nur kurz bleiben, häufig werden in der Schule Freundschaften geschlossen, erklärt Brauer. „Die Kinder müssen sich hier nicht erklären, sie finden unheimlich schnell zusammen." Sie kommen gerne in die Schule, Protest gebe es nur wenig, weiß auch Barbara Manschmidt. Denn mit der Schule bekämen sie Struktur und ein Stück Normalität in der Zeit des Krankseins.

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