Kritik am Träger: Ein Schulvertrag, den Bethel den Eltern von Schülern zur Unterschrift vorlegt, sorgt für Ärger in der Elternschaft. - © Wolfgang Rudolf
Kritik am Träger: Ein Schulvertrag, den Bethel den Eltern von Schülern zur Unterschrift vorlegt, sorgt für Ärger in der Elternschaft. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Sekundarschule: Rechtsanwalt kritisiert vorgelegten Vertrag

Der Schulträger bleibt weiter in der Kritik. Kinder haben jetzt Wünsche an den Vorstand übergeben

Kurt Ehmke

Bielefeld. Ein Schulvertrag, den Bethel den Eltern von Schülern zur Unterschrift vorlegt, sorgt für Ärger in der Elternschaft. Zwar wurde der Vertrag auch in den zurückliegenden Jahren Eltern zur Unterschrift vorgelegt, aber: „Im jetzigen Kontext ist das eine Frechheit", sagt Rechtsanwalt Yorck Streitbörger mit Blick auf das von Bethel beschlossene Aus der Bethel-Sekundarschule. Auch Julia Schäfer, Pflegschaftsvorsitzende der Martingrundschule und Mitinitiatorin des noch immer möglichen Bürgerbegehrens, findet den Vertrag „in dieser Zeit etwas schräg, vor allem, wenn er erst jetzt im Dezember den Eltern zur Unterschrift vorgelegt wird". Im Vertrag, der auf Streitbörgers Tisch liegt, wird unter Paragraf 7 unter anderem dargelegt, dass der Schulvertrag jederzeit von Bethel „aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer bestimmten Frist" gekündigt werden kann. Dazu Streitbörger: „Ich unterschreibe den Vertrag nicht, denn ich habe ja einen Vertrag mit Bethel – uns wurde ein Platz an der Schule angeboten, wir haben den Platz zum August angenommen, damit ist das ein Vertrag." Das lerne jeder Jurastudent im ersten Semester. Er finde, dass Bethel auf diese Art bewusst Eltern verunsichere. Sein Fazit: „Das ist dreist und unchristlich." Für ihn hebele der Vertrag die Zusage Bethels aus, dass jedes Kind, welches einen Platz an der Sekundarschule bekommen hat, seine Schullaufbahn sicher an der Sekundarschule beenden könne. Ihn wundert auch ein anderer Satz, der auf der Internet-Seite der Schule zu lesen ist: „Geschwisterkindern garantieren wir einen Schulplatz." Daraus leitet der Anwalt folgende Logik ab: „Bethel wird damit rechnen müssen, dass Eltern Anwälte beauftragen – es droht eine Klagewelle mit dem Ziel, gerichtlich feststellen zu lassen, dass Bethel verpflichtet ist, die Schule so lange zu halten, bis auch die Geschwisterkinder bisheriger Schüler ihren Abschluss haben." Gestern übergaben Eltern und Martinschüler persönlich sechs Umschläge mit etwa 50 Weihnachtswünschen an die sechs Bethel-Vorstände. Hintergrund: Die Martinschule ist die Schule, die im Übergang am stärksten auf die Sekundarschule angewiesen ist. Neben den Kinderwünschen – alle hoffen auf den Erhalt jener Schule, auf die teilweise schon ihre Geschwister gehen –, gab es auch einen kritischen Brief der Elternschaft an die Vorstandsebene Bethels.

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