Pharmakologisches Labor und Antikörper-Labor Bethel werden geschlossen.Andrea Schröder (r.) und Magdalene Fröhling (l.) - © Kurt Ehmke
Pharmakologisches Labor und Antikörper-Labor Bethel werden geschlossen.Andrea Schröder (r.) und Magdalene Fröhling (l.) | © Kurt Ehmke

Bethel Mitarbeiter empört über Schließung des Epilepsie-Labors in Bethel

Kurt Ehmke

Bielefeld-Bethel. Ein traditionsreiches Labor in Bethel wird geschlossen - und die Aufgaben des Labors an das Großlabor Krone in Bad Salzuflen abgegeben. Betroffen: das Pharmakologische Labor der Gesellschaft für Epilepsieforschung am Maraweg 13. Hier sitzt jetzt auch das bereits 2015 verkaufte Antikörperlabor. Es wurde an Krone verkauft. Die Gesellschaft für Epilepsieforschung wurde 1955 gegründet, erster Vorsitzender des Kuratoriums war NRW-Ministerpräsident Karl Arnold. Erstes großes Ziel war der Bau einer Forschungsklinik - 1963 wurde dann die Epilepsieklinik Mara eingeweiht. Sie ist es, für die das Labor maßgeblich arbeitet - im Laufe des kommenden Jahres soll es nun abgewickelt werden. Mitarbeiter sind empört, zwei stehen mit ihrer Person für die Kritik ein. Andrea Schröder (63, medizinisch-technische Laborassistentin) und Magdalene Fröhling (64, Laborantin). Beide arbeiten seit mehr als drei Jahrzehnten für das Labor, beide sind Urgesteine. Sie sind "geschockt, dass Mara kein eigenes Labor mehr haben will". Von Mitarbeitern der Klinik gebe es reihenweise kritische Äußerungen, viele fänden, dass damit erhebliche Qualität verloren gehe in dem Themenfeld, das Bethel maßgeblich geprägt hat und prägt. Beide monieren: "Die Ärzteschaft aber kuscht, viele haben Angst." Fröhling: "Alle sehen das kritisch, aber viele haben Angst. Das mit der Solidarität in Bethel hat sich weitgehend erledigt." Getestet werde auf seltene Antiepileptika und Psychopharmaka - für das ideale medikamentöse Einstellen der Patienten. Es gebe auch viele Einsendungen von außen. Unter dem Strich würden etwa 14.000 Proben jährlich untersucht. Das Budget des Labors soll bei 600.000 Euro liegen. Kosten, die nicht mehr gewollt seien und die angeblich eine Einsparung zu gut der Hälfte erbringen soll. Doch für den Geschäftsführer der Gesellschaft, Rolf Eickholt, sind es andere Kosten, die das Aus des eigenen Labors erzwingen: "Das Gebäude ist aus dem Jahr 1956 - und die Bausubstanz ist so, dass dort jeden Tag Schluss sein kann." Der notwendige Neubau aber würde mindestens 3,5 Millionen Euro kosten. Das sei "nicht wirtschaftlich". Er betont, dass "kein einziger Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz verliert". Vier Kollegen gingen in Rente, die anderen würden weiter beschäftigt werden - das habe er zugesagt. Für Fröhling und Schröder passt die Entwicklung zu vielem in Bethel: "Ob Pathologie oder Bäckerei, Schneiderei oder Bäckerei, Autowerkstatt oder Schlosserei - alles wird verkauft oder geschlossen, es geht nach innen nur noch ums Geld und sonst um eine gute Außenwirkung." Die Frauen glauben, dass der Abriss des Laborgebäudes Bethel gut ins Konzept passen könnte, "es wird gemunkelt, dass das hier eine Erweiterungsfläche für Mara sein könnte". Sie sind maßlos enttäuscht von der Gesellschaft, deren Vorstand Pastor Ulrich Pohl ist. Während Eickholt davon spricht, dass sich nichts verschlechtere, sondern samstags sogar verbessere, weil Krone auch samstags Befunde liefere, sehen Fröhling und Schröder das anders. Fröhling: "Bei uns reicht ein Anruf, dann schieben wir etwas schnell nach vorne - so einen Service kann ein Großlabor nicht leisten." Viele ähnliche "weiche Faktoren" fielen weg. Schröder: "Es geht definitiv Qualität verloren, bei uns stand der Patientengedanke immer im Vordergrund und wir haben mit Mara, mit Gilead und und den Bethel-Langzeitbereichen eng zusammengearbeitet." Pikiert sind die sieben Mitarbeiter, weil das Aus offenbar schnell kam; und genau zu einem Zeitpunkt, an dem die Leitung des Labors, Renate Helmer, in Mutterschutz ist. Unterstellt wird Absicht. Für Eickholt sprechen aber alle Argumente für das Aus: "Auch Gilead ist dort Kunde, es wird über Bad Salzuflen nichts länger dauern."

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