Die NW hat alle Stadtteile genau unter die Lupe genommen. - © Montage: Carsten Berger
Die NW hat alle Stadtteile genau unter die Lupe genommen. | © Montage: Carsten Berger

Bielefeld Der große Stadtteilcheck (Teil 1): Kleines Gadderbaum ganz groß

Der Stadtbezirk mit seinen gut 10.000 Einwohnern liegt in fast allen Kategorien weit vorne – nur Schildescher und Senner sind ähnlich zufrieden. Aber: Verkehr und Wohnraum sind kritisch

Kurt Ehmke

Gadderbaum. Wer in Gadderbaum lebt, ist weit überwiegend sehr zufrieden mit seiner Heimat. In Bielefeld sind es nur Schildescher und Senner, die ähnlich zufrieden sind wie die Gadderbaumer. Das ergab der NW-Stadtteilcheck, an dem fast 4.000 Menschen teilgenommen haben; die höchste Beteiligung gab es dabei in Gadderbaum. 3 von 20 Themen werden hier spürbar kritisch gesehen, der Rest landet fast durchgehend auf Spitzenplätzen. Top im Vergleich zu den anderen neun Stadtbezirken ist Gadderbaum in 8 der 20 Kategorien, besonders attraktiv scheint der kleinste Bielefelder Stadtbezirk für Familien und ältere Menschen zu sein. So sehen Sieger aus Die Siegerkategorien sind: - Familien können hier gut leben - Kindern und Jugendlichen wird viel geboten - es gibt ausreichende Angebote in der Seelsorge - die medizinische Versorgung ist gut - es gibt gute Einkaufsmöglichkeiten - es gibt eine gute Identität und gute Nachbarschaften - es gibt hier und im Umfeld gute kulturelle Angebote - das Zusammenleben der Kulturen ist gut Vieles davon scheint nachvollziehbar erklärbar zu sein: So dürfte das in Gadderbaum beheimatete Bethel seinen Teil zum guten Empfinden der seelsorgerischen Qualität beitragen – wie auch die sehr quirlige Martinigemeinde. Die medizinische Versorgung ist top Dass die medizinische Versorgung extrem hoch mit einem „sehr gut" als Durchschnittsnote bewertet wird, dürfte ebenfalls mit den Bethel-Angeboten, aber auch mit dem Ärztezentrum an der Deckertstraße zu tun haben. Die guten Einkaufsmöglichkeiten darf sich sicherlich der bio-orientierte Marktkauf maßgeblich auf seine Fahnen schreiben; im Bereich Kultur sind die Neue Schmiede, das Movement-Theater und die Theaterwerkstatt Bethel sicher genauso zu erwähnen wie es die Nähe zu den Innenstadt-Kulturangeboten ist. Unter anderem aus diesen Punkten – aber auch aus den positiv eingeschätzten Aspekten „Grün", „Wasser", „Sauberkeit", „Sicherheit", „Sportmöglichkeiten" und „Senioren" dürfte sich das hohe Bewertungsniveau erklären, welches Gadderbaum in den Bereichen „Familie", „Kinder & Jugend", „Identität & Nachbarschaft" sowie „Zusammenleben" erreicht. Vermutlich gedrückt hat die Sekundarschuldebatte die Bewertung im Bereich „Kitas & Schulen", wo Gadderbaum zwar „gut" abschneidet, aber lediglich Platz vier belegt. Stadtbezirk mit höchster Identität Hingegen dürften die intensiven Widerstände gegen die Freibad- und jetzt auch gegen die Sekundarschulschließung den Aspekt „Identität" positiv beeinflusst haben. Wer die von unseren Lesern vergebenen Noten genauer ansieht, stößt in Gadderbaum nur auf drei Bereiche, in denen, gerundet, die mittelmäßige Durchschnittsnote 3, also ein „befriedigend", vergeben wurde – und einmal Note 4 „ausreichend". Mit Note 2,52 steht dabei das Thema „Wasser" im Gesamtvergleich aber noch immer sehr gut da, Platz 3. Hier dürften sich der Ententeich, der von Bethel freigelegte Bohnenbach sowie die teilweise wieder sichtbare Lutter positiv ausgewirkt haben. Ebenfalls auf Platz 3, aber mit der Durchschnittsnote 3,10, landet das Thema Gastronomie. Es gehört im gesamten Stadtteilcheck zu den am schwächsten bewerteten Themenfeldern. Gadderbaum dürfte hier noch von der „Neuen Schmiede" und dem „Glückundseligkeit" profitiert haben – wie auch von seiner Nähe zur Innenstadt. Beim Verkehr hört der Spaß auf Tatsächlich ein kritisches Verhältnis haben die Gadderbaumer zu zwei Verkehrsthemen. Der Straßenverkehr wird mit 3,01 am zweitschlechtesten be-wertet. Deckertstraße, Quellenhofweg, Eggeweg, Artur-Ladebeck-Straße, Betheleck und OWD dürften hier die kritischsten Orte sein. Auch beim Thema „Fahrrad" landet Gadderbaum nur auf Platz 7. Auffällig: In Bethel werden beide Themen deutlich schlechter bewertet als im Rest Gadderbaums – die enge Ortschaft hat ein Verkehrs-Problem. Beliebt und begehrt ... es leidet der Wohnraum Das am miesesten bewertete Thema – und da schließt sich der Kreis –, dürfte jedoch mit den sonst so herausragenden Noten zu tun haben: Gadderbaum ist attraktiv, zieht an; und das wiederum treibt Mieten und Grundstückspreise nach oben. Bauflächen erzielten zuletzt Preise von mehr als 300 Euro pro Quadratmeter. Im Bereich „genügend und bezahlbarer Wohnraum" hat Gadderbaum mit 3,52 seine schlechteste Note – Platz 8; nur Dornberg und Mitte werden hier noch schlechter bewertet.

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