Info-Abend: 450 Menschen kamen in das Assapheum in Bethel - um zuzuhören, zu fragen und zu protestieren. - © Andreas Frücht
Info-Abend: 450 Menschen kamen in das Assapheum in Bethel - um zuzuhören, zu fragen und zu protestieren. | © Andreas Frücht

Bielefeld Bethel versucht das Sekundarschul-Aus zu rechtfertigen

Kurt Ehmke

Bielefeld-Bethel. Vor 450 Eltern, Lehrern und Politikern bemühte sich gestern Abend Bethel, das Aus der Sekundarschule zu erklären und Fragen zu beantworten. Dabei präsentierten die Verantwortlichen ausführlichere Zahlen als bisher, darunter eine Grafik, nach der Bethel statt des gesetzlichen Pflichtbeitrags als Ersatzschulträger in Höhe von 0,85 Millionen jährlich 2,25 Millionen Euro ausgebe. Auch die Grafik, nach der der Bereich Schulen und Ausbildung mit 6,1 Millionen Euro pro Jahr dieselbe Spendensumme zugewiesen bekomme wie der Bereich der Behindertenhilfe, wurde gezeigt - um Verständnis dafür aufzubauen, "dass für uns die Decke erreicht ist", so Bethel-Vorstand Günther Wienberg. Hier war im Publikum zu spüren, dass die Zahlen durchaus beeindruckten und nachdenklich machten. Doch es blieben Fragen. Eine warf ein Transparent während einer Demonstration vor dem Assapheum auf: "Wenn Erwachsene Fehler machen, warum müssen die Kinder dann ihren Hut nehmen und gehen?" Angespielt wurde hier auf die Kostenexplosion für Sanierungen und Neubauten in Bethels Schullandschaft bin-nen weniger Jahre: von 10 auf 20 Millionen Euro. Vater York Streitbörger stellte in Frage, ob das wirklich die korrekte Summe sein könne: Es gehe ja um einige Tausend Quadratmeter Schulfläche - "und einige Bauunternehmer würden vor Lachen nicht in den Schlaf finden, wenn sie dafür so viel Geld bekommen könnten". Sein Angebot: Eltern finanzieren ein Vergleichsangebot von Bielefelder Unternehmern. Denn: Ihm fehle eine zweite Meinung. Vorstand Johanna Will-Armstrong dazu: "Wir setzen uns zusammen." Den Vorschlag, über private Investoren wie "Hochtief" nachzudenken, lehnte Wienberg ab: "Die vermieten an uns zurück und schlagen ihren Gewinn drauf, das wird teurer." Aber: Es werde in den nächsten Tagen dennoch zwei Gespräche mit der Firma Goldbeck geben - über alternative Finanzierungsmodelle. Herbe Kritik gab es dann von Politik und Stadt. Grünen-Fraktionschef Jens Julkowski-Keppler sprach als Großvater eines Schülers und Politiker: "Zwei Versuche einer Sekundarschulgründung sind in Bielefeld gescheitert, dann kam Bethel als Erfolgsmodell. Sie leben aber nicht im luftleeren Raum", rief er Bethels Verantwortlichen zu, "Ihre Entscheidung trifft die gesamte Bielefelder Schullandschaft." Sein Vorwurf: "Sie haben vorher nicht mit der Politik geredet - und das können Sie so nicht machen, Sie haben Verantwortung übernommen." Weil es noch immer kein Gesprächsangebot gegeben habe, sagte er: "Ich biete Ihnen hiermit öffentlich an, auch mit uns Politikern zu reden." Barbara Manschmidt, Geschäftsführerin des Schulbereiches, merkte dazu an, dass es jetzt immerhin mit der Stadt einen Termin gebe, was Dezernent Udo Witthaus kühl bestätigte: "Ja, jetzt gibt's einen Termin." Auch er zeigte sich enttäuscht über die Informationspolitik.

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