Vier gegen den Rest des Saals: Christine Rieffels-Braune, Carsten Böhrnsen, Barbara Manschmidt und Ulrich Pohl. - © Foto: Andreas Zobe
Vier gegen den Rest des Saals: Christine Rieffels-Braune, Carsten Böhrnsen, Barbara Manschmidt und Ulrich Pohl. | © Foto: Andreas Zobe

Bielefeld Aus der Sekundarschule: Bethel hüllt sich in Schweigen

Mehrere hundert Demonstranten protestieren gegen die Schließung der Sekundarschule. Doch die Verantwortlichen geben sich resolut und wortkarg

Hanna Paßlick

Bielefeld. Es hagelte Fragen und lautstarke Vorwürfe, doch am Ende brachte der vermeintliche Infoabend zur Schließung der Sekundarschule keine neuen Erkenntnisse. Der Bethel-Vorstand hatte am Donnerstag zur Ortschaftsversammlung ins Assapheum eingeladen. Ganz oben auf der Tagesordnung stand das Aus der integrativen Schule, das Anfang der Woche verkündet worden war. Rund 500 Eltern, Lehrer und Schüler waren der Einladung gefolgt. Sie hofften auf Antworten und ein Einlenken der Verantwortlichen. Doch der Bethel-Vorstand, an diesem Abend vertreten durch Ulrich Pohl, Barbara Manschmidt und Christine Rieffel-Braune, gab sich entschlossen. Demonstration Die Sekundarschule in Bethel soll wegen eines Investitionsstaus geschlossen werden. Offenbar fehlen zehn Millionen Euro, um notwendige Sanierungsarbeiten vornehmen zu können. Betroffene Eltern und Lehrer werfen den Verantwortlichen vor, die Reißleine zu spät und zu verhalten gezogen zu haben. Um ihrem Unmut Luft zu machen, hatten sie sich im Vorfeld der Versammlung mit Plakaten, Kostümen und Bannern auf dem Bethelplatz eingefunden. Zusammen mit unzähligen Schülern protestierten sie lautstark gegen die Schließung der Sekundarschule. Problembewusstsein Auch Markus Spiekermann, Leiter der Martinschule, fand sich unter den Demonstranten. Er hoffe, dass bei den Verantwortlichen endlich ein Bewusstsein für das Problem entstehe, sagte er. Knapp 70 Prozent seiner Schüler würden im Schnitt auf die Sekundarschule wechseln. „Wenn die geschlossen wird, bricht bei uns einiges zusammen." Auch Jutta Fedrowitz, Elternpflegschaftsvorsitzende der Sekundarschule, versprach sich von der Versammlung ein Umdenken beim Bethel-Vorstand. „Für uns wäre ein erstes Einlenken elementar, weil dieser Beschluss über die Zukunft unserer Kinder entscheidet", hatte sie kurz zuvor im Gespräch mit der NW betont. Sie wisse bereits von vielen Eltern, die sich bereit erklärt hätten, ein Konzept für der Erhalt der Schule mitzuentwickeln und ihre Fachkompetenzen in Arbeitsgruppen einzubringen. „Kein Pappenstiel" Doch Ideen oder Lösungsansätze wurden an diesem Abend nicht thematisiert. Stattdessen verdeutlichte Ulrich Pohl, dass er für das finanzielle Problem Bethels keine andere Lösung als die der Schulschließung sehe. „Ein Defizit von zehn Millionen ist auch für uns kein Pappenstiel", so der Vorstandsvorsitzende. Gerüchte, die besagten, er habe von der geplanten Schließung nichts gewusst und sei übergangen worden, wies Pohl als haltlos zurück. „Ich kenne die Fakten, und ich kann ihnen heute leider keine Hoffnung machen, dass die Sekundarschule erhalten werden kann." Unverständnis und Wut Aus den Reihen der Zuhörer schlugen dem Bethel-Vorstand Unverständnis, Wut und Verzweiflung entgegen. Pohl und Manschmidt antworteten nur gelegentlich auf Fragen. Sie zeigten Verständnis für das Anliegen der Demonstranten. Zusätzliche Informationen brachten sie aber keine mit ein. „Ich dachte, wir diskutieren heute auch über Lösungsvorschläge, aber von ihnen kommt gar nichts", beschwerte sich ein Vater abschließend. Ende September will sich der Bethel-Vorstand mit Eltern, Lehrern und Bezirksregierung zu Gesprächen treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

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