Wird ab 2022 nicht mehr existieren. Die Sekundarschule Bethel läuft aus. - © Screenshot: GoogleMaps
Wird ab 2022 nicht mehr existieren. Die Sekundarschule Bethel läuft aus. | © Screenshot: GoogleMaps

Bielefeld Kommentar zum Ende der Sekundarschule in Bethel: Ein Debakel

Kurt Ehmke zu der überraschenden Entscheidung der von Bodelschwinghschen Stiftungen, ihre erfolgreiche Schule zu schließen

Kurt Ehmke

Es ist ein Paukenschlag: Nur gut drei Jahre nach der Gründung von Bielefelds erster Sekundarschule macht Bethel eine Rolle rückwärts. Das Aus der inklusiven Schule entsetzt Lehrer, Kinder, Eltern und Politiker. Alle hatten große Hoffnungen in die neue Schulform gesetzt. Bitter und kurios zugleich: Die Schule funktioniert, sie ist beliebt. Sie sollte als Mutmacher in einer Schullandschaft dienen, aus der sich Hauptschulen verabschiedet haben und in der Realschulen zwar gute Schülerzahlen aufweisen, aber Schritt für Schritt zu halben Hauptschulen werden. Die Sekundarschule als Chance, Kinder mit allen Stärken und Schwächen gemeinsam bis Klasse zehn zu beschulen, gilt vielen als gute Idee - wenn sie von den Eltern anerkannt wird. Das ist dort ein Problem, wo sie als Nachfolgeschule einer gestorbenen Hauptschule empfunden wird. Hier wird schnell unterstellt, dass nur ein neues Schild an eine alte Schule geschraubt wird. Umso erfreuter waren viele, als Bethel 2011 durchblicken ließ, dass es am eigenen Real-schulstandort in diese Richtung gehen könnte; und 2013 dann an den Start ging. Der erste Jahrgang war vierzügig, die weiteren dann dreizügig. Dass nun Bethel aus finanziellen Gründen das Aus verkündet, ist bitter. Wie mögen sich die Kinder fühlen, die parallel zur sterbenden Realschule in der ebenfalls sterbenden Sekundarschule lernen und leben sollen? Natürlich wird nun der Ruf laut nach zehn Millionen Euro aus der städtischen Kasse. Motto: "Gebt Ihr zehn und wir zehn, dann bleibt diese funktionierende Schule erhalten." Doch Bielefeld ist verschuldet. Und es wäre auch nicht so einfach, die Trägerschaft Richtung Stadt zu wechseln. Die 22 Lehrer sind bei Bethel beschäftigt - und Experten sagen, dass der Wechsel zum Land komplex ist. Dennoch sollte nun in aller Ernsthaftigkeit geprüft werden, ob die Schule zu retten ist. Auf den ersten Blick das Einfachste wäre die städtische Finanzspritze - ein Zehn-Millionen-Euro-Zuschuss könnte erheblichen Schaden in der Schullandschaft verhindern. Bethel aber müsste das auch wollen und seinen Finanzbedarf belegen. An der Schule jedenfalls ist die Stimmung bei unter Null Grad. Die Lehrer sind sauer und geschockt, die Schulleiter fassungslos. Die Stellvertreterin von Jan Busch ist gerade voll motiviert aus der Elternzeit zurück, in die Busch jetzt gegangen ist. Und nun ist in der offiziellen Mitteilung Bethels von "gestraffter Schullandschaft und Modernisierung" die Rede. Ein Hohn. Ob da noch viele Lust auf Aktionen im Jubiläumsjahr haben? Viele fragen sich, wieso ein Gutachter plötzlich feststellt, dass 20 Millionen Euro investiert werden müssen. Bekannt war lange, dass die Ober-stufe des Gymnasiums in marodem Umfeld lernen musste. Der Neubau an der Rehwiese war geplant, ließ aber auf sich warten. Dass nun plötzlich kein Geld mehr für die Sekundarschule da ist, das verwundert doch sehr. Kontakt zum Kommentator: kurt@nw.de.

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