Die Sekundarschule in Bethel schließt wieder. - © Andreas Zobe
Die Sekundarschule in Bethel schließt wieder. | © Andreas Zobe

Bielefeld Bethel beschließt das Aus für die Sekundarschule

Geldmangel: 20 Millionen Euro müssten in die Schulen des Trägers investiert werden. Zu viel

Kurt Ehmke

Bielefeld. Schock für die Schullandschaft: Die Sekundarschule in Bethel, gerade erst 2013 eröffnet, schließt wieder. Und das, obwohl sie beliebt ist wie kaum eine andere Schule in Bielefeld. Hintergrund: Bethel hat bewerten lassen, wie viel Geld in den nächsten Jahren in die Schulen (Berufskolleg, Förderschulen und Bodelschwinghschulen) investiert werden muss. Das Ergebnis: 20 Millionen Euro. Anfang der Woche tagte das entscheidende Gremium, am Freitag nun die Schulkonferenz. Und alle sind fassungslos. Denn es ist nicht die Qualität der ersten Bielefelder Sekundarschule, die zum Aus führt. Es sind rein monetäre Gründe. Offenbar hat der Betheler Stiftungsbereich Schule etwa zehn Millionen Euro, die er investieren kann und will. Andere Bethelbereiche dürfen angeblich nicht querfinanzieren. So soll nun ein Neubau für das Gymnasium kommen - und alle Jahrgänge an der Rehwiese lernen. Am Zionswald soll das Berufskolleg saniert und gebündelt werden. Da das Gymnasium (1.028 Schüler) gesetzt ist, das Berufskolleg wichtig für eigene Arbeitskräfte ist und Bethel Förderschulen im Kontext der Diakonie sieht, wird nun die Sekundarschule geschlossen. "Ein Debakel" Es ist ein Scherbenhaufen: Noch gibt es 122 Realschüler - die Realschule läuft aus; zugunsten der Sekundarschule. Die hat 325 Schüler, die nun ebenfalls auf eine sterbende Schule gehen. Die Realschule ist in knapp zwei Jahren Geschichte, die Sekundarschule in knapp sechs. An der Rehwiese befinden sich dann drei Schulen, von denen zwei abgewickelt werden. Ein Lehrer: "Ein Debakel, wie soll das gehen?" Öffentlich spricht kaum einer über das alles. Elternvertreter sind empört. Gerade erst eingeschult wurden 75 Kinder. Ihre Eltern freuten sich, so groß war der Andrang. Dass die Schule nicht am Standort einer sterbenden Hauptschule entstand, hatte ihr ein positives Image verschafft. Bei der Stadt und in der Politik wusste bis heute kaum einer von der Entwicklung. Ein Beamter: "Mir verschlägt es die Sprache." Viele sind sprachlos. Ausnahme ist Schuldezernent Udo Witthaus: "Ich bin sehr überrascht; die Schule war eine erfolgreiche Neugründung mit jährlich 150 Anmeldungen für 75 Plätze." Dass nun plötzlich ein Sanierungsbedarf von 20 Millionen Euro bekannt wird, "das kommentiere ich nicht", so Witthaus. Schlagartig rückt die Brodhagenschule in den Fokus Da am Standort Brodhagenschule eine städtische Sekundarschule 2018 an den Start gehen soll, müsse die Stadt nun - mit Blick auf 2017 - alles analysieren. Witthaus: "Der Bedarf ist ja da." Die Frage, ob Bethel unterstützt werden könne, spiele für ihn keine Rolle. "Mich interessiert jetzt unsere eigene Schulentwicklungsplanung." Das sieht auch Marcus Kleinkes (CDU) so. Er sieht sogar eine Chance im Desaster: "Sofort müssen die Gespräche darüber beginnen, ob wir die Schule an den Standort Brodhagen in städtische Trägerschaft überführen können." Bethel finanziell auszuhelfen, das sieht er nicht. "Wir haben eigene Schulgebäude, die saniert werden müssen." Das Aus sei aber sehr bedauerlich, "denn das Konzept ist hervorragend, davon habe ich mich selbst vor Ort überzeugt". Lars Nockemann (Schulausschussvorsitzender, SPD), sagt auf Anfrage: "Was? Das wurde nirgendwo bisher diskutiert - da wir aber selbst eine Sekundarschule gründen wollen und auf Bethel große Hoffnungen lagen, müssen wir uns schon fragen, was das nun für Bielefeld bedeutet." Zu hören ist auch Skepsis gegenüber Bethel. Dass alles am Geld liegen soll, lässt Politiker tief einatmen. Denn Bethel kritisiert im Zusammenhang mit dem Aus der Sekundarschule, dass der städtische Schulzuschuss um 600.000 Euro gekürzt worden war. Eine Schulpolitikerin fragt sich dennoch, ob nicht städtisches Geld in die bestehende Sekundarschule fließen sollte - für die Kinder, nicht für Bethel. Politik zwischen Baum und Borke.

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