Gadderbaum Ausstellung "Olympia 1936" im Bauernhausmuseum

Berlin 1936: Ein Großereignis im Kleinformat. Wenig bekannte Perspektiven von Privatleuten und das "Haus mit dem Spinnrad"

Thomas Güntter

Gadderbaum. Im Bauernhausmuseum an der Ochsenheide wird am Sonntag, 14. Februar, um 11.30 Uhr die Ausstellung "Olympia 1936, Ein Großereignis im Kleinformat" eröffnet. Eine Einführung gibt der promovierte Historiker Emanuel Hübner von der Uni Münster, der die Ausstellung vorbereitet und zusammengestellt hat. Das Kleinformat bezieht sich auf die handtellergroßen Fotografien, die die Zeitgenossen mit damals hochmodernen und nach heutigen Vorstellungen primitiven Kameras schossen. Hübner hat etliche private Fotoalben ausgewertet. Die Spiele der XI. Olympiade 1936 waren natürlich in erster Linie eine Propagandaveranstaltung für Adolf Hitler und seine Nationalsozialisten, die erst drei Jahr zuvor an die Macht gekommen waren. Hitler wollte der Welt ein positives Bild von Deutschland vermitteln. Vom 1. bis zum 16. August 1936 wurden die meisten Wettkämpfe auf dem Reichssportfeld ausgetragen. Das Olympiastadion war die zentrale Arena. Ganz in der Nähe lag das "Haus Bielefeld". Das "Haus mit dem Spinnrad" war eines von mehreren Domizilen, in dem die Sportler aus dem In- und Ausland untergebracht waren. Mit 49 Nationen und 3.961 Athleten stellten die Olympischen Spiele in Berlin einen neuen Teilnehmer- und Besucherrekord auf. Der herausragende Sportler war mit vier Goldmedaillen der US-amerikanische Leichtathlet Jesse Owens. Der Kunsturner Konrad Frey war mit drei Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen der erfolgreichste deutsche Athlet. Es gab auch einen Sportler, der etwas mit Bielefeld zu tun hatte, der Radrennfahrer Heinz Hasselberg. Allerdings wohnte der Pedaleur nur für ein Jahr in Bielefeld an der Apfelstraße. Hasselberg wurde 1914 in Bochum geboren, wo er 1989 auch starb. Er fuhr bei den Olympischen Spielen in der 4000-Meter-Mannschaftsverfolgung zusammen mit Erich Arndt, Heinz Hoffmann und Karl Klöckner. Die Ausstellung stellt 80 Jahre nach den Olympischen Spielen nicht die offiziellen, ikonenhaften Fotografien der NS-Propaganda in den Mittelpunkt, sondern die wenig bekannte private Perspektive. Bilder, Autogramme und Olympia-Dekorationen zeugen von einer unpolitischen Begeisterung. Andenken und Devotionalien sind Hinweise auf den Kommerz rund um das Ereignis. "Die Aufnahmen von den Geschehnissen der Spiele spiegeln den damaligen Zeitgeist wider, der auch die Alltagskultur in der Region Ostwestfalen-Lippe prägte", sagt Museumsleiter Lutz Vollmer. Eine Kamera kostete damals ungefähr vier Reichsmark. Ein Facharbeiter verdiente in der Stunde eine Mark. Es gab damals fünf bis sechs Millionen Hobbyfotografen. Das Olympiabuch mit Bildern zum Einkleben gab die Zigarettenfirma Reemtsma heraus. Gedruckt wurde es bei Gundlach in Bielefeld.

realisiert durch evolver group