Ein treuer Trostspender zum Kuscheln: Therapiehund Joker hilft Christina Kallage vom Verein "Laika" bei der Trauerarbeit - und öffnet Türen und Herzen. Er und die anderen Hoftiere vermitteln eine positive Grundstimmung, Vertrauen und Sicherheit und fördern Ruhe und Entspannung. - © Wolfgang Rudolf
Ein treuer Trostspender zum Kuscheln: Therapiehund Joker hilft Christina Kallage vom Verein "Laika" bei der Trauerarbeit - und öffnet Türen und Herzen. Er und die anderen Hoftiere vermitteln eine positive Grundstimmung, Vertrauen und Sicherheit und fördern Ruhe und Entspannung. | © Wolfgang Rudolf

Gadderbaum Hundetherapeuten ziehen auf den Bielefelder Gnadenhof

Tiere bringen Freude zurück

Ivonne Michel

Gadderbaum. Dass sie möglichst viel Liebe und Trost erfahren, wünscht man Kindern, die mit dem Tod der Mutter, des Vaters, eines Geschwisterkindes oder der Großeltern fertig werden müssen. "Tiere sind da oft Türöffner", sagt Ingrid Littmann. Seit 13 Jahren hilft die Sozialpädagogin, Trauerbegleiterin und Fachkraft für tiergestützte Therapie und Pädagogik, Familien den Verlust von geliebten Menschen besser zu verarbeiten. Ihr vor drei Jahren gegründeter Verein "Laika - Trost auf vier Pfoten" ist jetzt auf dem Gnaden- und Begegnungshof "Dorf Sentana" (die NW berichtete) eingezogen. Die beiden ausgebildeten Therapiehunde Kanela und Joker, aber auch die anderen Hoftiere - Schafe, Pferde, Schweine oder Kaninchen - gehören zum Projektteam. "Die Tiere, aber auch der Hof selbst vermitteln erstmal schon Geborgenheit", sagt Littmann, die vor der Gründung von "Laika" neun Jahre lang beim Verein "Sterntaler" Trauerarbeit mit Familien gemacht hat. Dass gerade Tiere, die selbst ein trauriges Schicksal haben, den Trauernden helfen, sei noch mal besonders Dort hat sie seit Anfang an sehr positive Erfahrungen beim Einsatz ihrer mittlerweile verstorbenen Hündin "Laika" gemacht. Nach ihr hat sie dann auch ihren Verein benannt. "Das Berühren und Streicheln der Tiere, das Spielen mit ihnen, aber auch schon ihre bloße Anwesenheit mindern Stress und Angst, fördern Ruhe und Entspannung", sagt Littmann. Kinder zeigten ihre Trauer oft sprunghaft: "In einem Moment sind sie fröhlich, lachend und albern, im nächsten weinen sie, sind traurig oder wütend", sagt die Expertin. Alles sei auf dem Hof erlaubt. "Häufig nehmen sich Kinder auch in ihrer Trauer zurück, um die Eltern, die mit ihrem eigenen Schmerz beschäftigt sind, nicht noch mehr zu belasten." Im Dorf Sentana hat "Laika" jetzt eines der kleinen Holzhäuser bezogen, mit Büro, Küche und gemütlichem Gruppenraum. "Für uns hat sich damit ein Traum erfüllt", sagt Littmann. Dass gerade Tiere, die selbst ein trauriges Schicksal haben, den Trauernden helfen, sei noch mal besonders. Einmal in der Woche kommt jetzt die erste Gruppe, acht Kinder im Alter zwischen fünf und zehn Jahren und ihre Eltern. Der Verein muss Eigenmittel von zehn Prozent über Spenden aufbringen, für 2018 rund 10.000 Euro Während Littmanns Kolleginnen Sandra Rauschen und Christina Kallage mit den Kindern den Hof erkunden, mit den Tieren arbeiten und dabei in entspannter Atmosphäre über Verlust und Gefühle sprechen, ist Littmann für die Eltern da. Auch mit ihnen geht sie zu den Hoftieren oder auch in den angrenzenden Wald. Im Kontakt mit den Tieren, der Natur, im Gespräch und in der Gemeinschaft könne die Trauer Ausdruck und Trost finden. "Wir begleiten die Familien bei Tod, aber auch schon zuvor in der Sterbephase, bei Krankheit und Abschied", sagt Littmann. Auch bei der Trauer um ein geliebtes Tier seien Familien willkommen. Jeder, der an der Unterstützung interessiert ist, kann sich bei "Laika" melden. Und bekommt Hilfe - kostenlos und kurzfristig (Einzeltermine). Das als einmalig angesehene Projekt wird im Rahmen der Landesinitiative "Starke Selen" zur Förderung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen seit März für drei Jahre vom Land NRW gefördert. Der Verein muss Eigenmittel von zehn Prozent über Spenden aufbringen, für 2018 rund 10.000 Euro. Außerdem werden noch Geldspenden für pädagogisches Spielmaterial und Ausstattung wie Outdoorkissen und -decken für das Tipi benötigt. Am 23. Juni lädt "Laika" von 11 bis 17 Uhr zusammen mit der Sentana-Stiftung zum Mittsommernachtsfest ein.

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