Bethel/Sennestadt Bethel-Bewohner darf nach 27 Jahren wieder Auto fahren

Bewohner einer Betheler Einrichtung saß aus gesundheitlichen Gründen 1990 zuletzt fahrend in einem Auto. Kostenlose Fahrstunde einer Fahrschule machte es möglich

Bethel/Sennestadt. Günter S. atmet tief durch. Dann dreht er den Zündschlüssel herum und der Motor des VW-Golf brummt auf. "Lang, lang ist es her", sagt er und lächelt. Ein großer Wunsch geht gerade in Erfüllung. Nach 27 Jahren darf der an Epilepsie erkrankte Klient des Betheler "Unterstützten Wohnen Tiberias" noch einmal selbstständig Autofahren. Wegen seiner Anfallserkrankung, ausgelöst durch eine Hirnhautentzündung, saß Günter S. (57) seit 1990 nicht mehr am Steuer eines Fahrzeuges - und das als ehemaliger Fernfahrer, der jahrelang 40 Tonnen schwere Lkw bewegte. Die kostenlose Fahrstunde ermöglichten jetzt die Bielefelder Fahrschule "Vornesitzer" und die Verkehrswacht Bielefeld. In Begleitung von Fahrlehrerin Manuela Heckersbruch drehte Günter S. auf dem Verkehrsübungsplatz in Sennestadt 45 Minuten lang seine Runden, machte Vollbremsungen, umkurvte Pylonen im Slalom und übte das Einparken. "Das klappt erstaunlich gut nach so langer Zeit. Davor habe ich großen Respekt", lobt die beeindruckte Manuela Heckersbruch ihren Fahrschüler. Etwas ungewohnt sei es aber - wen wundert es - schon gewesen, räumte Günter S. auf den letzten Metern ein. Zwar seien die Abläufe und das Fahrgefühl schnell wieder da gewesen, aber die Bremsen reagierten heute extrem sensibel, stellte er fest.

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