Kuriose Ansicht: Nur noch die Hälfte des Brosa-Gebäudes ist vom Hoffnungstaler Weg aus zu sehen, der Rest ist wie in einer Art Querschnitt abgerissen worden. - © Kurt Ehmke
Kuriose Ansicht: Nur noch die Hälfte des Brosa-Gebäudes ist vom Hoffnungstaler Weg aus zu sehen, der Rest ist wie in einer Art Querschnitt abgerissen worden. | © Kurt Ehmke

Bethel Historische Brosa bleibt erhalten

Aufwändige Arbeiten: Das alte Gebäude wurde längs durchgeschnitten und von seinen jüngeren Patchworkanbauten befreit. Oberhalb soll bis 2020 ein Altenzentrum mit 80 stationären Plätzen entstehen

Bethel. So konnte das Gebäude der historischen Brockensammlung in Bethel lange nicht mehr betrachtet werden: Wer den Königsweg hochfährt, sieht schon von weitem die Brosa und davor das angrenzende Gebäude Tiberias. Lange war nicht sicher, dass die alte Brosa im 128. Jahr des Bestehens der Brockensammlung nicht doch abgerissen wird. Für den Erhalt setzte sich maßgeblich Reinhard Röse, Bethels oberster Immobilienmanager, ein. „Ich habe lange dafür gekämpft, nun steht fest, dass wir das Haus erhalten können und werden", sagt er. Seine Meinung: „Die Brosa ist schließlich weit über Bethels Grenzen hinaus bekannt." Sie ist eine der Keimzellen des heutigen Diakonie-Riesen – und feierte erst 2015 groß und aufwändig ihr 125-jähriges Bestehen. Im Erdgeschoss soll jetzt bald die Bäckerei Olsson einziehen. „Wir werden dabei den historischen Schriftzug und auch die Fenster erhalten", sagt Röse – „da werden keine Schaufenster eingebaut". Die Idee, auch einen Frisör mit in das sogenannte Brockenhaus zu holen sei nicht umzusetzen, aber der Frisör werde sicher in einem anderen Neubau in absehbarer Zeit unterkommen. „Ein echter Schnitt quer durch das
 Brosa-Gebäude" Fakt ist: Was jetzt zu sehen ist, ist ein Zwischenschritt. Abgerissen worden sind die „Patchworkanbauten", die bis zum Neubau der Brosa an der Tonkuhle die Aufgaben der Brockensammlung erfüllten – während der historische Brosa-Bau zur Brockenannahmestelle geworden war. Ortschaftsreferent Fred Müller ist fasziniert von der aktuellen Ansicht des Gebäudes, in das von der Martinschulseite aus in Flure hineingesehen werden kann. Folien verdecken offene Flanken des Gebäudes, die durch den Teilabriss entstanden sind. „Das ist ein echter Schnitt quer durchs Gebäude", sagt Müller. Die kuriose Ansicht der eigentlichen Rückseite wird aber nicht lange so bleiben. „Wir werden die Fassade von hinten angleichen, da lassen wir uns schon was Schönes einfallen", sagt Röse. Die Baugenehmigung erwartet er in den kommenden Wochen – und dann geht es los; wobei innen schon gearbeitet werde, da, wo es ohne Genehmigung gehe. Hier im Innenbereich sollen das alte Brosa-Haus und das mit diesem verzahnte Tiberias-Haus noch enger miteinander verzahnt werden. 20 bis 25 weitere neue Appartements für Tiberias sollen entstehen. In ihnen sollen, wie in den vorhandenen auch schon, Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen leben. In ihrer Nachbarschaft wird es zunächst viel Baulärm geben; und danach viel Leben – unterschiedlichster Art. Unterhalb des Gebäudes entstehen 65 Wohneinheiten für gut acht Millionen Euro, oberhalb ist ein ebenfalls millionenschweres Pflegezentrum mit 80 stationären Plätzen geplant. Fred Müller: „Da es am Hang liegen wird, ist die Barrierefreiheit eine echte Herausforderung." Reinhard Röse: „Wir gehen von einer Grundsteinsetzung im Sommer aus und hoffen, dass Anfang 2020 die Menschen einziehen können." Bisher gab es an der Ecke Königsweg/Hoffnungstaler Weg/ Saronweg das Haus Veritas, es ist aber bereits abgerissen. Wie genau das Altenzentrum, das vermutlich der Grundstücksform und den Straßenverläufen folgend in einer Art Halbkreis oder in Dreiecksform gebaut werden wird, aussieht, ist noch offen. „Wir arbeiten noch daran, wie es sich am besten einpasst", sagt Röse. Die historische Brosa aber wird dann längst fertig sein – und als Bethel-Leuchtturm zwischen neuen Wohnungen und neuem Altenzentrum an die Historie der besonderen Ortschaft erinnern.

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