Gadderbaum/Mitte Artur-Ladebeck-Straße: Radler-Boom nach Umgestaltung

Von 2013 auf 2017 gibt es starke Zunahmen im Radfahrverkehr. Umgestaltungen und rote Halteboxen werden akzeptiert. Kommt ein Verkehrsversuch?

Kurt Ehmke

Gadderbaum/Mitte. Zwischen Juni 2013 und Mai 2017 liegen an der Artur-Ladebeck-Straße gut vier Jahre, eine Neugestaltung der Radverkehrswege und deutlich mehr Menschen, die hier Rad fahren. Das hat die Stadt ermittelt. An zwei vergleichbaren Tagen wurden 16 Stunden lang die Radfahrer am Knotenpunkt Artur-Ladebeck-Straße, Haller Weg und Gadderbaumer Straße gezählt. Ergebnis: Aus 1.524 Radlern sind 1.902 geworden - eine Zunahme von fast 25 Prozent. Laut Stadt "lässt das auf eine gestiegene Akzeptanz bei Radfahrern schließen". Diese Akzeptanz bezieht sich auf die neuen, roten und sehr klar erkennbaren Markierungen auf der Straße. Radfahrer haben eigene Halteboxen, Pfeile weisen den Weg. Autofahrer können sehen, wo Radler stehen sollen, welche Rechte ihnen eingeräumt werden. Besonders hohe Steigerungen zu den Spitzenzeiten Um mehr als 40 Prozent gestiegen ist die Zahl der Radler auf der Gadderbaumer Straße - von 382 auf 539. Auf der Artur-Ladebeck-Straße, hier eine wichtige Verbindung nach Brackwede und in die City, wurden statt 1.072 Radfahrern 1.366 gezählt; ein Plus von 27 Prozent. Und auch der Haller Weg wird stärker beradelt als früher - 18 Prozent sind es hier mehr gewesen, immerhin auch noch 533 Radfahrer. Auffällig ist, dass der in weiten Teilen für Radfahrer neu gestaltete Knotenpunkt wie auch die erheblich veränderte Situation an der Artur-Ladebeck-Straße offenbar besonders intensiv von Radfahrern genutzt wird, die auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit sind. Hier ergibt die Zählung der Stadt in der sogenannten "Morgenspitze" ein Plus von 60 Prozent, in der Abendspitze von 38 Prozent - naheliegend, dass hier viele Menschen ihren Arbeitsweg anstrampeln. Nach der Umgestaltung des Knotenpunktes, der Bethel maßgeblich mit Gadderbaum und Mitte verbindet, gab es auch weniger Unfälle. Die Zahl sank im Vergleich von vor dem Umbau mit nach dem Umbau um 50 Prozent - von vier Unfällen auf zwei Unfälle. Es gab binnen zwölf Monaten in den Jahren 2014/15 im Vergleich zu erneut zwölf Monaten 2016/17 statt eines Schwerverletzten und vierer Leichtverletzter nur noch zwei Leichtverletzte. Hier aber zeigt sich die Stadt zurückhaltend, die Auswertung von jeweils knapp zwölf Monaten erlaube nicht, "daraus eine gesicherte Tendenz abzuleiten". Immerhin gebe es "zumindest keinerlei Hinweise darauf, dass sich die Markierungsarbeiten in irgendeiner Weise negativ auf die Verkehrssicherheit im Kreuzungsbereich ausgewirkt hat". Überwiegend Lob für die Veränderungen am Knotenpunkt Unter dem Strich aber, da gehen viele Radfahrer - die Stadt hat etliche lobende Rückmeldungen erhalten - und auch die Verbände weitgehend mit, soll sich die Umgestaltung gelohnt haben. Dennoch räumt die Stadt aber auch ein, dass einige der Änderungen noch besser hätten stattfinden können, aber dann eben nur über einen "Vollumbau". Der aber sei wegen der kostentechnischen Rahmenbedingungen keine Option gewesen. Ein Kritikpunkt der Radfahrverbände: Zu schmale Spuren, so dass das Vorbeifahren an Bussen und Lkw schwierig sei. Die Gadderbaumer Bezirksvertreter würdigten die Umgestaltungen weitgehend, mahnten aber auch an, ein verblassendes Markierungs-Rot auf den Fahrbahnen rechtzeitig zu erneuern. Bezirksbürgermeisterin Hannelore Pfaff (Grüne): "Wir sind uns alle einig, dass das hier wirklich gut geworden ist, dass es aber auch einer Pflege bedarf." Bielefelds Radfahrbeauftragter Oliver Spree freut sich über so viel positive Rückmeldungen aus den Stadtbezirken: "So oft bekommen wir ja kein Lob, da tut das wirklich auch mal gut, wenn etwas so gut ankommt." Über Jahre war Spree - insbesondere am Knotenpunkt gen Bethel - intensiv in die Planung eingebunden gewesen.

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