Nach wochenlangem Stillstand geht es weiter: Die Gadderbaumer Piuskirche macht es dem Abrissunternehmen nicht leicht - mal wird überraschend Steinwolle gefunden, dann brüten noch Tauben, dann wird der Taubenkot zum Sondermüll-Problem. - © Kurt Ehmke
Nach wochenlangem Stillstand geht es weiter: Die Gadderbaumer Piuskirche macht es dem Abrissunternehmen nicht leicht - mal wird überraschend Steinwolle gefunden, dann brüten noch Tauben, dann wird der Taubenkot zum Sondermüll-Problem. | © Kurt Ehmke

Gadderbaum Taubenschiss stört Kirchenabriss in Bielefeld

Pius: Seit Ende September zieht sich das Aus des vor knapp 60 Jahren gebauten Gebäudes hin. Zuletzt gab es Probleme mit tierischem Sondermüll - davor mit dem Nachwuchs der grauen Flieger

Kurt Ehmke

Gadderbaum. Es gibt so Probleme, auf die kommt man nicht. Bei einem Gebäudeabriss denken viele an vieles, aber wohl eher weniger an Tauben. Hans Otting zumindest, stellvertretender Kirchenvorstand der katholischen Pius-Gemeinde, gibt zu: "Dass der Abriss unserer Kirche ein solch' großer Aufwand ist, das hätte ich wirklich nicht geglaubt." Eins kam zum anderen. Abrissfirmen zu bekommen ist nicht leicht - und dann wird plötzlich im Turm Steinwolle entdeckt, deren Entsorgung auch komplex ist und die nur über einen noch höheren Kran herausgeholt werden kann. Und dann brüten auch noch die Tauben im Turm. Und zugekotet haben sie da oben auch noch fast alles. Ihr Kot ist Sondermüll. Hans Otting zur mittlerweile mehrwöchigen Verzögerung des Abrisses: "Beim letzten Taubenpaar mussten erst die Jungen abgeflogen sein - und das wurde auch kontrolliert." Dann kam der nächste Ärger. Alles voller Taubenkot. Der ist so scharf und zudem voller Bakterien, Hefen und Pilzen, dass er die Gesundheit von Menschen gefährden kann. Da schlecht die gesamte alte Bausubstanz als Sondermüll behandelt werden kann, entschied sich das Abrissunternehmen vor Ort zur Reinigung der zugekoteten Flächen. Das nahm Zeit in Anspruch und soll nur von Arbeitern in Schutzkleidung mit Atemmasken getan werden. Nun ist der Kot abgetragen und kann der Abriss der fast 60 Jahre alten Kirche weitergehen. Ein Arbeiter vor Ort: "Bis zum Ende der Woche haben wir das Kirchengebäude abgerissen, dann geht es mit dem Turm weiter." Anfang bis Mitte Dezember könnte dann der seit Ende September laufende Abriss erfolgt sein. Noch sind im Turm auch gut die Glocken zu erkennen - sie werden in den kommenden Tagen herausgehoben und sollen (wie zuvor die Orgel) nach Polen verschenkt werden. Der goldene Hahn, der im Oktober vom Dach geholt worden war, liegt laut Otting nun nicht mehr in einer Garage, sondern mittlerweile in Jöllenbeck, wo er auf der Liebfrauenkirche landen soll.

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