Hält Ausschau nach dem Nachwuchs: Ein Weißstorch in Olderdissen. - © Kurt Ehmke
Hält Ausschau nach dem Nachwuchs: Ein Weißstorch in Olderdissen. | © Kurt Ehmke

Bielefeld Störche in Olderdissen haben erfolgreich gebrütet

Schwarzstörche verstoßen ihr Kind

Bielefeld. Eine Stadt im Storchenrausch: Nachdem in der Johannisbachaue nach 100 Jahren zum zweiten Mal Nachwuchs im Nest hockt, ist nun auch im Tierpark Olderdissen das Nest erstmals seit gut 100 Jahren wieder gefüllt: Drei Babys müssen hier seit einigen Tagen von Frau und Herrn Meier, wie das Pärchen genannt wird, gefüttert werden. Hinzu kommt nun auch noch eine weitere Brutsensation: Die Schwarzstörche haben nach gut 30 Jahren mal wieder ein Küken. Antonio lebt zu Hause beim Tierpflegerpaar Andrea Günnemann und Markus Hinker – auf dem Boden unter einer Rotlichtwärmelampe neben einem Wickeltisch. Dass er nicht im Nest hockt, ist Teil einer tragischen Geschichte. Hinker: „Am 18. Mai haben wir Geräusche gehört, die auf einen Jungvogel schließen ließen – aber die Eltern kümmerten sich nicht." Lange wartet der Pfleger nicht, dann wurde die Leiter angelegt. Und, siehe da, ein kleiner Storch lag da. Verletzt, unterkühlt, hungrig. Warum, weiß keiner. „Vielleicht hatten ihn seine Eltern aufgegeben", sagt Tierparkleiter Herbert Linnemann. Das kommt vor in der Natur, Evolution hat auch etwas mit Kräfte einteilen zu tun. Frau und Herr Lehmann, wie das Schwarzstorchpaar heißt, gaben dem Kleinen vielleicht keine Chance mehr. Und da sie das Jungtier auch nicht bei sich akzeptieren würden, muss Antonio bald in eine eigene Voliere. „Und dann werden wir einen neuen Tierpark für ihn suchen", sagt Hinker. Vorher aber gibt es für den gut 30 Zentimeter langen Vogel zwei Jobs: haufenweise futtern und schön gesund bleiben. Fliegen kann er auch ohne Hilfen lernen, weiß Hinker. Bis dahin aber ist es noch ein langer Weg. Viele kleine Stückchen von Eintagsküken, viele Babymäuse und viele kleine Stinte (die kleinste heimische Lachsart) werden in dem gewaltigen Schnabel verschwinden. Alle drei Stunden ist Fütterzeit – dann schauen die Kinder der Tierpfleger, Lutz (2) und Theo (4), Andrea Günnemann fasziniert über die Schulter und lassen sich vom kleinen, keckernden Rabauken in die Finger beißen. Nachts aber ist Ruhe – von 23 bis 5 Uhr. Immerhin. Kurios: Während der kleine Schwarzstorch leuchtend weiß ist, sind die drei kleinen Weißstörche dunkelgrau. Aber das ändert sich, bis die Tiere im Juli flügge sind und Ende August im wahrsten Sinne des Wortes den Abflug machen. „Beide Arten haben hier ein ähnliches Verhalten", so Linnemann, Spanien und Länder in Afrika sind die Reiseziele. Denn nur hier finden sie im Winter Futter. Sonst aber sind beide Arten extrem unterschiedlich – während der Weißstorch ein Kulturfolger ist und es in der Nähe von Menschen gut aushält, sind Schwarzstörche extrem heimliche und empfindliche Waldbewohner. Und so ist es im Tierpark ähnlich. Hier kann nur das junge Glück der Weißstörche beobachtet werden – das aber wird gerne angenommen. Linnemann: „Ich bekomme Anrufe deswegen, es kommen Be-sucher nur deshalb hierher." Perfekt sei das Nest gelegen, die Tierfreunde könnten vom Biergarten aus bei einer Tasse Kaffee dem Treiben zusehen. Seine Hoffnung: Es soll nicht das letzte große Storchenglück in Olderdissen bleiben.

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