Ansicht vom Stephanusweg aus: So könnten die neuen Häuser aussehen, zwei stehen oben am Hang, zwei darunter am Pellaweg. - © BREWITTARCHITEKTUR
Ansicht vom Stephanusweg aus: So könnten die neuen Häuser aussehen, zwei stehen oben am Hang, zwei darunter am Pellaweg. | © BREWITTARCHITEKTUR

Gadderbaum Martini-Gemeinde baut vier Wohnhäuser

Damit der Etat mittelfristig stabilisiert werden kann, plant die Kirche auf dem eigenen Grundstück hinter dem Gemeindehaus vier Objekte mit 13 Wohneinheiten

Gadderbaum. Die Kirchengemeinden ringen mit sich, ihren Aufgaben und dem Geld: Damit die Martinigemeinde in Gadderbaum nicht „in ihrer Existenz gefährdet wird", wie es Pfarrerin Susanne Stöcker formuliert, plant sie nun eine erhebliche Investition. Klingt kurios, ist es aber nicht. Denn: Die Gemeinde will für mehrere Millionen Euro vier Häuser bauen – die etwa ab dem Jahr 2022 Gewinn abwerfen und so den Gemeindeetat stabilisieren helfen sollen. Dafür will die Gemeinde das alte, 180 Quadratmeter große Pfarrhaus abreißen – und auf den umliegenden Tausenden Quadratmetern Grundstück die Häuser bauen – zwei sollen vom Pellaweg und zwei vom Stephanusweg aus erschlossen werden. Drei der Häuser sollen Mehrfamilienhäuser mit Wohnungen von 50 bis 100 Quadratmetern werden, eines soll zwei Doppelhäuser beinhalten – zusammen sollen es 13 Wohneinheiten werden. Baubeginn könnte 2018 sein – 2020 könnten die Häuser dann vermietet und bezogen sein. Das Geld, so Hartmut Repple, Mitglied der Geschäftsführung der Gemeinde, werde vermutlich aus Krediten kommen. Ob die Gemeinde selbst Kreditnehmer wird oder der Kirchenkreis mit im Boot ist, das scheint noch offen zu sein. Fakt ist: Bauherr wird die Gemeinde – es ist nicht an externe Investoren gedacht. Mark Brüning vom Kirchenkreis: „Wir behalten alles im Bestand und betreiben es auch selbst." Er berät die Gemeinde, arbeitet mit Architekt Thomas Brewitt zusammen. Damit auch die Nachbarn nicht verschreckt werden, bemüht sich die Martinigemeinde um konsensfähige Ideen. Repple: „Wir halten die Größenordnung im unteren Bereich, so wäre es noch wirtschaftlich, aber für einen privaten Investor schon nicht mehr attraktiv." Aber: Die gute Nachbarschaft sei der Gemeinde wichtig. Dennoch müssen die Nachbarn auch mit Veränderungen leben: Aus Grünflächen werden Wohnflächen, es wird verdichtet. Neben dem Abriss des Pfarrhauses und dem Bau der vier neuen Häuser ist daran gedacht, die wegfallenden Gemeindeparkplätze am Pellaweg etwa 200 Meter weiter vorne, quasi vor der Kirche, weitgehend zu ersetzen. Der Bauantrag ist vor knapp zwei Wochen bei der Stadt eingegangen, genehmigt ist aber noch nichts, betont Ulrich Groß vom Bauamt. Er lässt jedoch durchblicken, dass die Planungen passen könnten. Anwohner monierten bei der Vorstellung der Pläne während der Bezirksvertretung, dass die engen, angrenzenden Straßen über Gebühr belastet werden könnten – auch von parkenden Autos. Architekt Brewitt versuchte auch gar nicht erst, das zu bestreiten: Das sei bei einer Verdichtung in Wohngebieten letztlich immer der Fall. Die Lage mit den am Hang liegenden Häusern sei komplex, das Bemühen sei da, Autos und Mülltonnen ordentlich unterzubringen. Brüning warb um Verständnis: „Wir gehen da wirklich mit Augenmaß heran – es muss sich aber auch ein Gewinn erwirtschaften lassen." Repple nennt noch einen zweiten Grund, den die Gemeinde hat: eine Dienstwohnung für Pfarrer. Die verschiedenen Zuschnitte böten der Gemeinde mehr Flexibilität. Pfarrerin Stöcker betonte, dass intensiv mit Anwohnern gesprochen werden solle – und Repple stellte klar: „Wenn wir das nicht schaffen, sind wir reif für die Fusion mit einer anderen Gemeinde." Hintergrund: Martini bekomme vom Kirchenkreis als Zuweisung jährlich 50.000 Euro, der Etat liege bei 350.000 Euro. Hinzu komme die Kita mit einem Etat oberhalb der Millionengrenze. Repple zu den Neubauten: „Gerne macht das keiner aus dem Presbyterium – aber es muss sein."

realisiert durch evolver group