Hier stand die Platane: Der Grundstücksbesitzer, ein Immobiliengutachter aus Melle, hat sie im vergangenen Jahr fällen lassen. Christine Schreiber (v.l.), Martin Johnsson und Peter Ladkin wünschen sich eine Bebauung, die zum Ortskern passt. - © Sylvia Tetmeyer
Hier stand die Platane: Der Grundstücksbesitzer, ein Immobiliengutachter aus Melle, hat sie im vergangenen Jahr fällen lassen. Christine Schreiber (v.l.), Martin Johnsson und Peter Ladkin wünschen sich eine Bebauung, die zum Ortskern passt. | © Sylvia Tetmeyer

Kirchdornberg Anwohner des historischen Ortskerns Kirchdornberg wollen bei Neugestaltung beteiligt werden

Bevor in Nähe der Peterskirche gebaut werden kann, graben die Archäologen. Anwohner wollen beim Neubau mitreden. Sie wünschen sich einen runden Tisch

Sylvia Tetmeyer

Kirchdornberg. "Gegen ein schönes Haus hat keiner etwas einzuwenden." Darin sind sich Christine Schreiber, Martin Johnsson und Peter Ladkin einig. Sie gehören zu einer Gruppe von über 30 Anwohnern, die bei der geplanten Bebauung im historischen Ortskern beteiligt werden möchten. Unmut hatte es bereits im Februar gegeben, als der Grundstückseigentümer die Platane auf dem Parkplatz fällen ließ. Bevor der Investor jedoch beginnen kann, sind die Archäologen am Zug. "Man merkt, dass die Verkehrsgeräusche zugenommen haben seit der Baum weg ist", sagt Peter Ladkin. Von seinem Arbeitszimmer aus hat der Professor den Platz direkt vor Augen. Seit 2002 gibt es eine gültige Voranfrage für das 735 Quadratmeter große Grundstück, das noch nie bebaut war. Im September ist die Frist abgelaufen. Ein Mitarbeiter des Bauamtes bestätigt, dass ein Bauantrag vorliegt. Da sich das Areal nur unweit der ältesten Bielefelder Kirche befindet, ist es auch für Archäologen interessant. "Dies ist historisch ein ganz alter Siedlungsbereich, in dem auch römische Funde möglich sind", glaubt Bezirkspolitiker Bernd Vollmer (Linke). Bezirksbürgermeisterin Frauke Viehmeister (SPD) fordert ein Mitspracherecht: "Die Pläne für den Neubau müssen der Bezirksvertretung vorab vorgelegt werden." Eingeschaltet ist auch die Denkmalbehörde. "Wir vermuten nahe der Kirche ein Bodendenkmal", sagt Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der Abteilung Archäologie des Landschaftsverbandes (LWL). Es würden genügend Beispiele dafür vorliegen, dass es außerhalb von Kirchhöfen Besiedelungen gegeben habe. "Wahrscheinlich finden wir Reste von Bauernhöfen und Kellergruben", glaubt der Archäologe. Die Funde sollen ausgegraben und dokumentiert werden. "Anschließend wird die Grube wieder verfüllt", so Spiong. Ein Hinderungsgrund für das Bauvorhaben seien die Grabungen nicht. Die Anwohner betonen, dass sie nicht gegen ein Gebäude im Ortskern sind, auch wenn dadurch Parkplätze wegfallen. "Es sollte aber das Zentrum des Ortes bereichern", meint Martin Johnsson. Deshalb wünscht sich der Supervisor, dass alle Beteiligten an einem runden Tisch zusammenkommen, um über das Vorhaben zu diskutieren. "Wir sind sehr an einem Austausch interessiert", versichert Christine Schreiber. Kürzlich haben ein Dutzend Anwohner an einem Ortsrundgang unter Leitung von Bernd Vollmer, der auch Mitglied im Stadtentwicklungsausschuss ist, teilgenommen. Dabei ging es um die Frage: "Was wollen wir in Kirchdornberg schützen?" Der Bezirksvertreter arbeitet an einer neuen Erhaltungssatzung. Da es für den Ortskern keinen Bebauungsplan gibt, müssen Eigentümer, Investoren, Verwaltung und Politik prüfen, ob ein Vorhaben mit der Satzung vereinbar ist. Darin heißt es beispielsweise: "Der Ortskern Kirchdornberg weist bauliche, städtebauliche und landschaftsprägende Eigenarten auf, die in hohem Maße erhaltenswert sind." Um die Ziele umsetzen zu können, bedürfe es der Mitwirkung der Bürger. Eine Gemeinschaftsaufgabe.

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