Weil er den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als frechen Judenfunktionär bezeichnet hat, muss sich Sascha Krolzig jetzt wegen Volksverhetzung verantworten. - © Barbara Franke
Weil er den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als frechen Judenfunktionär bezeichnet hat, muss sich Sascha Krolzig jetzt wegen Volksverhetzung verantworten. | © Barbara Franke

Bielefeld Neonazi Sascha Krolzig wegen Volksverhetzung angeklagt

Amtsgericht: OWL-Vorsitzender der Partei Die Rechte soll bei der Bezeichnung des Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde bewusst an NS-Ideologie angeknüpft haben

Jens Reichenbach

Bielefeld/Detmold. Er hatte den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold Mathitjahu Kellig, als „frechen und selbstgefälligen Juden" bezeichnet – dafür wird sich der Bielefelder Neonazi Sascha Krolzig, Vorsitzender der Partei Die Rechte OWL, aus Bielefeld nun vor Gericht verantworten müssen. Am Amtsgericht ist er nun wegen Beleidigung und Volksverhetzung angeklagt. Udo Vennewald, Sprecher der Staatsanwaltschaft Bielefeld, erklärte auf Anfrage: „Auf der Homepage der Partei Die Rechte ist ein Artikel erschienen mit dem Titel ’Linke und Jüdische Gemeinde hetzen gegen Verleger’." Darin werde der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Herford-Detmold als ’frecher Judenfunktionär’ bezeichnet. "Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft sollte mit dieser Formulierung bewusst an die NS-Ideologie angeknüpft und der Gemeindevorsitzende beleidigt werden." Krolzig ist für den Inhalt des Textes verantwortlich Der Angeklagte ist der OWL-Vorsitzende von „Die Rechte", weil er im Sinne des Telemediengesetzes verantwortlich für den Inhalt der Homepage sei. Am Donnerstag, 7. September, muss sich Krolzig nun vor dem Amtsgericht Bielefeld dafür verantworten. Dass dieser Termin zustande kommt, ist Kelligs Rechtsanwalt Thomas Walther zu verdanken. Walther, der sich unter anderem als Vertreter der Nebenkläger im Detmold NS-Prozess gegen Reinhold Hannig in der Region und bundesweit einen Namen gemacht hat, hatte gegen die zwischenzeitlich von der Staatsanwaltschaft veranlasste Einstellung des Ermittlungsverfahren Beschwerde vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm erhoben. So erreichte er eine Wiederaufnahme. Der emeritierte Detmolder Musikprofessor Kellig hatte sich bereits vor mehr als einem Jahr gegen die Tiraden auf der Homepage der rechtsextremen Partei mit einer Strafanzeige gewehrt, unterstützt vom renommierten Anwalt Walther. Auslöser war Kritik an einem Verlag in Preußisch Oldendorf Die Rechte hatte mit der Wortwahl, die Krolzig nun vor Gericht bringt, auf Kelligs Kritik am Verlagsprogramm der Deutschen Verlagsgesellschaft (DVG) aus Preußisch Oldendorf (Kreis Minden-Lübbecke) reagiert. Die DVG hatte rechtsextreme Schriften verbreitet. Laut Walther war die Formulierung "der freche Jude" eine gebräuchliche Metapher der Nazis für unliebsame Journalisten. "Das hat volksverhetzenden Charakter", erklärt der Jurist. Für seine Argumentation führt der Rechtsanwalt eine sprachwissenschaftliche Analyse von zahlreichen Briefen aus der Zeit an, in der dem Begriff ein ganzes Kapitel gewidmet wird. Der Bielefelder Sascha Krolzig ist mehrfach einschlägig vorbestraft. Er stand wegen Hausfriedensbruch, Körperverletzung, Beleidigungen und Verleumdung vor Gericht, die Verfahren sind teilweise eingestellt worden. Im Februar 2016 hatte das Verwaltungsgericht Minden seine Klage gegen die Nicht-Zulassung für ein Referendariat im Justizdienst abgewiesen. Kurz gesagt: Seitdem darf er wegen seiner rechtsextremen Gesinnung nicht Jurist werden.

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