Der Kerkebrink: Eine Sackgasse in Dornberg. Edgar Elsner wohnt dort. Bisher parkten Anwohner ohne Garage auf der Seite, auf der auch die Handwerkerbullis stehen. Doch neuerdings gibt es dafür Knöllchen - zum Unverständnis der Nachbarn. - © Ansgar Mönter
Der Kerkebrink: Eine Sackgasse in Dornberg. Edgar Elsner wohnt dort. Bisher parkten Anwohner ohne Garage auf der Seite, auf der auch die Handwerkerbullis stehen. Doch neuerdings gibt es dafür Knöllchen - zum Unverständnis der Nachbarn. | © Ansgar Mönter

Dornberg An dieser Straße in Bielefeld werden plötzlich Knöllchen verteilt

Anwohner der Sackgasse in Dornberg empfinden Verwarnungen für ihre parkenden Autos als Abzocke - "nach Jahrzehnten ohne jegliche Probleme"

Ansgar Mönter

Dornberg. Die Straße Kerkebrink in Dornberg ist eine Sackgasse. Dort fahren nur die Bewohner oder deren Besuch ein und aus. Friedlich und problemlos funktionierte das laut Nachbarn jahrzehntelang. Damit ist es vorbei. In den vergangenen Monaten verteilten Mitarbeiter des Ordnungsamtes Knöllchen, mal über 15, mal über 20 Euro. "Schikane" nennt das Edgar Elsner. Er wohnt am Kerkebrink. Fakt ist: Die Straße ist zwischen 4,55 und 4,67 Meter breit. Die Feuerwehr braucht mindestens 3,05 Meter, um im Notfall durchzukommen. Ein parkendes Auto auf der Straße dürfte demnach 1,50 bis 1,62 Meter breit sein. So schmale Autos gibt es nicht. Dennoch habe es, sagt Elsner, nie Schwierigkeiten gegeben. Und wenn, dann lösbare. Die Bürgersteige rechts und links böten im Notfall ausreichend Raum. "Auch Müllwagen kommen durch", sagt Elsner. Warum das Ordnungsamt Knöllchen verteilt, versteht er deshalb nicht. Einen nachvollziehbaren Grund aus Sicherheitsgründen kann er nicht finden. "Hier ist kein Durchgangsverkehr, nicht einmal die Fußwege würden wir brauchen, weil wir genausogut auf der Fahrbahn gehen können, so wenig ist los." Ihm bleibe nur die eine Interpretation: "Die Stadt hat eine Einnahmequelle entdeckt." Beim Amt für Verkehr stößt die Wahrnehmung der Nachbarn auf Verständnis. "Unbefriedigend" nennt Ralf Kleinmann die Situation für die Nachbarn. Er könne sich gut in deren Rolle versetzen. Aus seiner Position aber gibt es einige Zwänge. Sein Amt, erklärt Kleimann, dürfe nicht die Bürgersteige mit Markierungen für das Parken freigeben. Das hat rechtliche Gründe. Macht das Amt das, könnte jeder, dessen Auto wegen der Bordsteinkanten einen Schaden aufweist, die Stadt auf Schadensersatz verklagen. Das sagt das Rechtsamt. »Stadt darf kein Haftungsrisiko eingehen« Denn Bordsteine dürfen für das Gehwegparken nicht höher als 11 Zentimeter sein. Am Kerkebrink sind sie auf der einen Seite 12 bis 15 Zentimeter, auf der anderen 13 bis 17 Zentimeter hoch. Ein "Haftungsrisiko", so Kleimann, dürfe das Amt für die Stadt nicht eingehen. Für Elsner ist das zum Kopfschütteln. "Wenn wir hier nicht mehr parken dürfen, müssen wir eineinhalb Kilometer weit weg parken", sagt er. In der Wendeschleife gebe es nur drei reguläre Parkplätze, in den Häusern aber leben bis zu sieben Parteien. Knapp die Hälfte sei vermietet, darunter BGW-Objekte. Parkraum auf den Grundstücken gibt es - auch wegen der Hanglage - längst nicht bei allen. Nach welchem Prinzip Verwarnungen geschrieben werden, kann Elsner nicht erkennen. Zwischendurch wurde nicht kontrolliert, zuletzt sei es wieder losgegangen. Jetzt habe es Handwerker erwischt, die ihre Bullis dort parkten. "Als die nach einer Ausnahmegenehmigung fragten, hat man ihnen gesagt, das kostet 800 Euro für sechs Wochen", berichtet Elsner empört.

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