Blickfang im Wohngebiet in Uerentrup: Tierärztin Katharina Radelof (links), hier mit Sohn Thies (9) und Zwergpudel Fiffi, vor ihrem mobilen Praxiswagen. Rebecca Wolf (rechts) lernt seit Kurzem Tierarzthelferin bei ihr und ist oft bei den Einsätzen mit dabei. - © Ivonne Michel
Blickfang im Wohngebiet in Uerentrup: Tierärztin Katharina Radelof (links), hier mit Sohn Thies (9) und Zwergpudel Fiffi, vor ihrem mobilen Praxiswagen. Rebecca Wolf (rechts) lernt seit Kurzem Tierarzthelferin bei ihr und ist oft bei den Einsätzen mit dabei. | © Ivonne Michel

Hoberge-Uerentrup Einzigartig: Bielefelds mobile Tierärztin

Katharina Radelof hilft mit ihrem besonderen Einsatzwagen in ganz Ostwestfalen-Lippe. Sie behandelt Hunde, Katzen und Reptilien

Ivonne Michel

Hoberge-Uerentrup. Ein Chamäleon, das nicht mehr fressen will, eine Katze, der Blut abgenommen werden muss und eine Kastration bei einem Hund: Tierärztin Katharina Radelof hat am Vormittag schon einige Kleintiere behandelt, da klingelt schon wieder ihr Handy. Seine Katze habe Schmerzen, klagt ein Besitzer. Hier kann die 35-Jährige mit telefonischem Rat fürs Erste helfen. Vor anderthalb Jahren hat sich Radelof mit ihrer mobilen Tierarztpraxis selbstständig gemacht. Das Konzept kommt an: "Ich bin zum Glück sehr gut ausgelastet", berichtet die Mutter zweier Söhne. Hunde, Katzen, aber auch Reptilien behandelt Radelof in dem ehemaligen Johanniter-Rettungswagen. Das Konzept ihrer mobilen Praxis sei, soweit sie weiß, in Ostwestfalen einzigartig - wenn nicht sogar in Deutschland. "Ich mache im Wagen wirklich alles: Blut abnehmen, operieren, röntgen", erklärt sie. Das Fahrzeug, in dem es im Inneren wie in einem Behandlungszimmer einer Tierarztpraxis aussieht und nach Desinfektionsmittel riecht, hat sie von einer Kollegin übernommen. "Man muss schon ein bisschen wagemutig sein", sagt die Tierfreundin, die in Hoberge-Uerentrup aufgewachsen ist. Nach dem Abitur am Ratsgymnasium absolvierte sie bei Dr. Oetker eine Ausbildung zur Industriekauffrau und arbeitete dort anschließend im PR-Bereich. "Die Arbeit hat mir wirklich Spaß gemacht, aber ich konnte mir nicht vorstellen, mein Leben lang hauptsächlich auf dem Bürostuhl zu sitzen", sagt Radelof. "Du musst tun, was du kannst - dann macht?s dir auch Spaß", riet ihr Vater ihr und hatte dabei eigentlich an ein BWL-Studium und eine Karriere im mittleren Management gedacht. Katharina Radelof aber an Tiere. Pflichtpraktikum auf dem Schlachthof als Teil des Studiums "Als Tierärztin muss man seinen Kopf benutzen, sitzt aber nicht nur rum", erklärt sie. Man müsse schon gut lernen und auch Ekeliges vertragen können. Ein mehrwöchiges Pflichtpraktikum auf dem Schlachthof ist Teil des Studiums. "Und auch eine gewisse Grundentspanntheit ist hilfreich", ergänzt sie. Aufgrund des hohen NCs studierte sie die ersten beiden Semester in Budapest, bevor sie an die Hochschule nach München und dann nach Hannover wechseln konnte. Ihre Doktorarbeit schrieb Radelof über Reptilien. Als Expertin betreut sie heute auch die rund 130 Tiere der Reptilienabteilung der Bielefelder Universität. Nach den Studium arbeitete Radelof in Bielefeld in der Kleintierpraxis Schilling, leitete den zweiten Standort an der Rohrteichstraße. Was geht noch?, sei dann die Frage gewesen. Sie wagte den Schritt in die Selbstständigkeit - und ist glücklich mit der Entscheidung. Ein Zeitungsbericht und ein Beitrag im WDR habe ihr kurz nach dem Start sehr beim Aufbau des Patientenstamms geholfen. "Ich dachte anfangs, dass hauptsächlich ältere Menschen oder welche, die selbst nicht so mobil sind, meine Praxis wählen", sagt sie. Aber das sei nicht so. "Die meisten meiner Kunde sind Tierbesitzer, die noch recht jung sind, sehr viel arbeiten und sich Anfahrt und Wartezeiten ersparen möchten", berichtet Radelof. Mit ihrer Familie wohnt sie in ihrem Elternhaus an der Wasserfuhr und hat dort auch Labor und Apotheke. Und seit Kurzem auch eine Auszubildende zur Tierarzthelferin. Geöffnet hat ihre mobile Kleintierpraxis offiziell wochentags von acht bis 16 Uhr. Aber auch nach Feierabend fährt Radelof manchmal noch los. Dann dürfen auch ihre Söhne Thies (9) und Ben (5) ab und an mitfahren.

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