Trostloses, aber geschätztes Fleckchen: Der Parkplatz mitten in Kirchdornberg könnte mit einem Mehrfamilienhaus bebaut werden. Der Eigentümer hegt solche Pläne. Nachbarn und Bezirksvertreter würden den Parkplatz aber gerne erhalten sehen. - © Ansgar Mönter
Trostloses, aber geschätztes Fleckchen: Der Parkplatz mitten in Kirchdornberg könnte mit einem Mehrfamilienhaus bebaut werden. Der Eigentümer hegt solche Pläne. Nachbarn und Bezirksvertreter würden den Parkplatz aber gerne erhalten sehen. | © Ansgar Mönter

Kirchdornberg Besitzer dieses Bielefelder Dorfparkplatzes will hier bauen – darf aber nicht

Weil die Bezirksvertretung Dornberg eine Bebauung des Grundstücks Kirchdornberger Straße 1 verhindern will, soll die Verwaltung dem Eigentümer ein anderes Grundstück anbieten. Der weiß nichts davon

Ansgar Mönter

Kirchdornberg. Trostlos sieht der Parkplatz mitten in Kirchdornberg aus. Die Asphaltfläche ist löchrig und pfützenübersät. Dennoch soll das Grundstück Kirchdornberger Straße 1 so bleiben, wie es ist. Zumindest soll es nicht bebaut werden. Das wünscht sich die Bezirksvertretung Dornberg. Sie hat deshalb eine Idee an die Stadtverwaltung getragen: einen Grundstückstausch. Eigentümer der 735 Quadratmeter großen Fläche ist Hartmut Wesseler, Immobiliengutachter. Er möchte an der Stelle gerne bauen. Rechtlich sieht er dafür die Voraussetzungen gegeben. „Es besteht ein Rechtsanspruch", sagt er. Tatsächlich liegt eine gültige Bauvoranfrage für ein zweigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus vor. Bei dem Grundstück handele es sich, sagt Wesseler, um eine Baulücke in einem Ortskern. Dort könne in Anlehnung an die Nachbarhäuser gebaut werden. Und das ist aus seiner Sicht auch sinnvoll, „wenn man den Ort belebt halten will." Denkbar sei etwa eine Praxisfläche in dem Neubau, damit in Kirchdornberg wieder ein Arzt praktiziere könne. Wesseler ist nach wie vor irritiert von der Bielefelder Bauverwaltung, bei der zeitweise seine Akte verschwunden gewesen sei; und von dem Wunsch der Politik nach eine Grundstückstausch hat er auch noch nichts gehört. Die Bezirksvertretung hatte Ende November auf Initiative der CDU-Fraktion einen Antrag verabschiedet, wonach die Verwaltung prüfen solle, ob der städtische Kauf des Dorfparkplatzes möglich sei, ob dem Eigentümer ein adäquater Ersatz als Tausch angeboten werden kann und wie das Grundstück überhaupt bebaut werden könne. Hermann Berenbrinker (CDU) meinte, die Fläche sei zu klein für ein Haus. Eine „massive" Bebauung solle auf jeden Fall verhindert werden. Paul John (Grüne) merkte jedoch an, er sei für eine „angemessene Verdichtung" Kirchdornbergs. Einig wurden sich die Bezirksvertreter schließlich darin, alle Optionen prüfen zu lassen. Die Diskussion über die Zukunft des Dorfparkplatzes, der zum Teil für die Gäste des Restaurants „Tomatissimo" reserviert ist, war bereits im Frühjahr vergangenen Jahres aufgekommen. Im Februar 2017 wurde die Platane auf dem Gelände gefällt. Das gefiel zahlreichen Kirchdornbergern nicht. Seitdem wird über die Erhaltungssatzung für den Ortskern diskutiert. Auch Wesseler sagte seinerzeit, er fühle sich an sie gebunden und die Verwaltung habe selbstverständlich ein Mitspracherecht bei der Außengestaltung. Um den Ortskern gab es vor mehr als 15 Jahren schon einmal Aufregung. Im Jahr 2002 formierte sich im Dorf Widerstand gegen die Häuser, die heute hinter dem Parkplatz stehen. Anwohner sammelten sogar 200 Unterschriften dagegen. Sie fürchteten einen Parkplatznotstand in Kirchdornberg und monierten außerdem, dass die Architektur nicht ins Dorfbild passe. Damals bekamen die protestierenden Kirchdornberger allerdings keine Unterstützung aus der Bezirksvertretung. Sigrid Gerbaulet (CDU), 2002 amtierende Bezirksbürgermeisterin – einst Bezirksvorsteherin genannt – teilte die Befürchtungen nicht. Auch die anderen Bezirksvertreter stimmten den Bauplänen zu. Die Einfamilienhäuser wurden gebaut, allerdings wurde das Mehrfamilienhaus, für das auch ein positiver Bescheid vor lag, nicht realisiert. Das könnte demnächst nachgeholt werden, falls es mit dem Kauf- oder Tauschideen der Bezirksvertretung nichts wird. Konkretes will – und kann – der Eigentümer noch nicht sagen. Im März 2017 sagte er gegenüber der NW lediglich, er könne sich ein rot geklinkertes Mehrfamilienhaus mit Studentenapartments und mit Tiefgarage vorstellen.

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