Dornberg Renaturierungsprojekt am Johannisbach erntet Kritik

"Pferdekamp"/ Ecke "Am Haßkamp": Naturschützer und Anwohner stellen Großinvestition in Frage

Ivonne Michel

Dornberg. Am ehemaligen kleinen Tümpel in Hoberge unten am "Pferdekamp"/ Ecke "Am Haßkamp" waren wochenlang Bagger im Einsatz. "Schaffung der Durchgängigkeit und naturnahe Umgestaltung" heißt das Bauprojekt am Johannisbach. Kosten: "Ungefähr 150.000 Euro, bei 90-prozentiger Förderung durch das Land", sagt Arnt Becker vom Umweltamt. Es ist eine von vielen Maßnahmen, die im Rahmen der Gewässer-Renaturierung nach EU-Wasserrahmenrichtlinien (WRRL, NW vom 22. November) umgesetzt wird. Bereits 2012 habe der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz für Bielefeld einen Umsetzungsfahrplan dafür definiert, so Becker. 560 Kilometer Gewässernetz gibt es insgesamt in der Stadt, davon seien 160 Kilometer berichtspflichtige Gewässer im Sinne der WRRL. Dazu gehört unter anderem der Johannisbach. "Im Bereich Poetenweg zwischen Spielplatz und Einmündung Krebsbach wurde die naturnahe Umgestaltung bereits 2016 fertiggestellt", berichtet Becker. Die Gesamtbaukosten dafür betrugen rund 50.000 Euro. Im kommenden Jahr soll die letzte Maßnahme am Johannisbach am Freibad Dornberg umgesetzt werden. Die Kostenschätzung aller im Umsetzungsfahrplan gelisteten Projekte, die laut Plan bis 2027 abgeschlossen sein sollen, beträgt rund 30 Millionen Euro bei einem Regel-Fördersatz von 80 Prozent (Stand 2012). "Schön und gut, etwas für die Umwelt zu tun, aber das war hier doch jahrzehntelang vollkommen okay so", kommentiert eine Anwohnerin, die ihren Namen nicht nennen möchte, die Baumaßnahmen am "Pferdekamp"/ Ecke "Am Haßkamp". So ein "Riesenaufwand" sei ihrer Meinung nach nicht gerechtfertigt. Da gäbe es weitaus Wichtigeres. Auch Alfons Willeke, Landschaftswächter für das Gebiet Dornberg-Süd, betrachtet die Maßnahmen kritisch. "Der Johannisbach hat seit Hunderten von Jahren auch ohne Ausbau hier seinen Weg gefunden", sagt er. Seiner Meinung nach habe überhaupt keine Notwendigkeit bestanden, dort etwas zu verändern - vor allem nicht in dem Umfang. Durch das Eingreifen in die Natur befürchte er eher eine Gefährdung der dort lebenden Tiere und Pflanzen. "Hier leben Eisvögel, Enten, das grünfuchsige Teichhuhn, es gibt biologische Kostbarkeiten wie das kleine Wintergrün", sagt der Naturschützer. Er fürchtet, dass ein Stück weiter an den Feuchtwiesen noch weiter gebaut und entlang des Johannisbachs auch dort große Bruchsteine eingesetzt würden. "Das wäre ein Unglück für die wunderschöne Landschaft", sagt Willeke.

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