Campus Nord: Die Stadtbahnlinie 4 soll etwa dort verlaufen, wo heute der Fuß- und Radweg nördlich der Bebauung (im Bild unten rechts) verläuft. Die Bürgerinitiative hält sie für unsinnig, weil das Gelände bereits erschlossen sei mit der Bahn. - © Thomas Grundmann/Detlef Wittig
Campus Nord: Die Stadtbahnlinie 4 soll etwa dort verlaufen, wo heute der Fuß- und Radweg nördlich der Bebauung (im Bild unten rechts) verläuft. Die Bürgerinitiative hält sie für unsinnig, weil das Gelände bereits erschlossen sei mit der Bahn. | © Thomas Grundmann/Detlef Wittig

Babenhausen Linie 4: Scharfe Kritik an Bielefelds Baudezernent Moss

Initiative spricht von gezielten Falschinformationen bei der Linie-4-Verlängerung und Ortsteilentwicklung Babenhausen durch die Stadt

Ansgar Mönter

Bielefeld. An Gregor Moss lässt die Bürgerinitiative "Bielefeld natürlich" unter dem Dach des Vereins "pro grün" kein gutes Haar. Dem Baudezernenten wird unterstellt, mit Fehl- und Falschinformationen Kommunalpolitiker und Öffentlichkeit zu manipulieren, um sein Ziel zu erreichen: Verlängerung der Linie 4 bis zur Dürerstraße sowie Bebauung großer Teile von Babenhausen. Andreas Brockhinke und die anderen Akteure wiederholten diese Anschuldigungen, denen Moss stets widerspricht, jetzt vor gut 50 Besuchern bei einer Bürgerversammlung in der Babenhauser Andreaskirche. »Acht Monate haben wir nichts gehört« Die Mitglieder der Bürgerinitiative sind angesäuert. Das sind sie schon, seitdem der Prozess um die Weiterentwicklung des Campus Nord mit der Startbahnverlängerung sowie die Fantasien von Politik und Verwaltung zu einem neuen Stadtteil in Babenhausen kursieren. Moniert wird, dass nicht mit ihnen, den Bürgern, geredet wird. "Acht Monate lang haben wir nichts gehört, und jetzt stoßen wir plötzlich auf die Antworten der Verwaltung auf unsere Einwendungen gegen die Planungen im Internet", kritisiert Tilmann Rhode-Jüchtern. Angesprochen worden seien sie nicht, außerdem würden zahlreiche Kritikpunkte gar nicht behandelt oder lediglich zur Kenntnis genommen. Schlimmer als die Ignoranz sei aber die "Desinformationskampagne der Stadt", wie es Brockhinke sagt. Zahlen würden aus dem Zusammenhang gerissen oder seien schlicht falsch. Im Blick der Kritik steht vor allem Moss, der nach Ansicht von Brockhinke natürlich mit viel zu hohen Zuzugsprognosen versuche, Druck aufzubauen für mehr Wohnungsbau, Straßenbau und Stadtbahnbau in bisher idyllischer Naturlandschaft. Auch dessen Ankündigung, es gebe "konkrete Nachfragen" für 20.000 Quadratmeter Baufläche auf dem Campus Nord sei nebulös und durch nichts belegt. Die Initiative fragt sich, warum der Baudezernent das mache. Brockhinke glaubt, die Antwort gefunden zu haben: "Er ist zugleich Geschäftsführer der WEGE (städtische Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft), einer Lobbyvereinigung der Wirtschaft." Mit Unterschriften und einer Petition stemmt sich die Bürgerinitiative weiter gegen die Vorhaben, allen voran die aus ihrer Sicht unsinnige Verlängerung der Linie 4 bis zur Dürerstraße. Dass diese noch vor Weihnachten durch die politischen Gremien beschlossen werden soll - und wohl auch wird -, entmutigt die Akteure nicht. Sie wollen nicht aufgeben. Zum Vorbild ihres Widerstands haben sie sich die Rettung der Ravensberger Spinnerei genommen. Ihr Abriss war in den 1970er Jahren schon beschlossen, konnte dennoch noch verhindert werden.

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